Skandinavien-Fonds: Don't worry, be happy - Fondsanalyse


13.09.19 08:30
AnlegerPlus

München (www.fondscheck.de) - Höhere Erträge an der Börse? Das bedeutet eigentlich, in risikoreichere Geschäftsmodelle investieren zu müssen, so Thomas Müncher in der aktuellen Ausgabe der "AnlegerPlus News".

Nicht so in skandinavischen Staaten: Deren Wirtschaft und gesellschaftliche Ausrichtung stünden weltweit für Solidität - und trotzdem würden sich die Börsen dort besser als beispielsweise in Deutschland entwickeln. Zwischen 280% und 390% hätten die skandinavischen Leitindices in den vergangenen zehn Jahren auf Euro-Basis zugelegt. Der DAX sei in dieser Zeit "nur" auf 210% Zuwachs gekommen.

Geografisch betrachtet bestehe Skandinavien aus Schweden, Norwegen und dem Nordwesten Finnlands. In sprachlich-kultureller Hinsicht gehöre jedoch auch Dänemark dazu, weshalb allgemein alle vier Staaten gemeint seien, wenn von Skandinavien die Rede sei.

Umfragen würden immer wieder zeigen, dass die Länder im Norden weltweit zu den glücklichsten zählen würden. Die Gründe hierfür seien vielfältig: Hoher Lebensstandard, fortschrittliche Nachhaltigkeit, sehr gute Bildungs- und Sozialsysteme sowie relativ stabile politische Verhältnisse. Negativer Stress komme deshalb bei den Skandinaviern nur selten auf. Das passe zu Hygge, dem Glückskonzept der Dänen, was gemütliche oder herzliche Atmosphäre bedeute und Bestandteil der dänischen Tradition sei.

Daneben zeichne die nordische Wirtschaft ein außerordentlich innovatives Klima aus. Mit ihrer Vorliebe für Zukunftstrends würden Schweden, Dänemark und Finnland in einer EU-Studie von 2018 auf den ersten drei Plätzen unter den 28 EU-Staaten rangieren. Die Nordländer hätten mit einer starken wissenschaftlichen Ausbildung, dem Einsatz von Zukunftstechnologien sowie guten technischen und finanziellen Bedingungen wie Breitbandanschlüssen oder unkomplizierten Investitionsmöglichkeiten gepunktet.

Unternehmensgründer würden in Skandinavien kräftig gefördert. Eine Weltbank-Studie lobe besonders Dänemark und Norwegen, aber auch Schweden und Finnland für ihr gründerfreundliches Umfeld. Dazu gehöre, dass Start-ups keine Berührungsängste mit dem Kapitalmarkt hätten. "Braucht ein nordisches Unternehmen Geld, wird ein Börsengang gerne akzeptiert", erläutere Johan Stein, Fondsmanager bei Parvest.

Skandinavien sei zudem ein Vorreiter in puncto Nachhaltigkeit. Neben dem verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen würden dazu hohe ökologische, soziale und rechtliche Standards zählen. Im Nachhaltigkeits-Ranking der Fondsgesellschaft Swisscanto fänden sich Schweden, Norwegen und Dänemark unter den Top vier. Finnland sei an neunter Position von 67 Ländern ebenfalls noch sehr gut platziert. Außerdem würden Anleger die hohe Transparenz der Konzerne und die geringen Risiken bei der Unternehmensführung schätzen.

Die Konjunkturprognosen für die Skandinavier seien noch solide: Für alle vier Staaten rechne der Internationale Währungsfonds 2019 mit einem Wachstum von 1,5% bis 2%. Allerdings könnten sich auch die Nordeuropäer langfristig von einer Flaute auf den Weltmärkten nicht abkoppeln. Eine Verschärfung der Handelskonflikte und/oder ein harter Brexit würden die skandinavischen Unternehmen ebenfalls belasten.

Wenn es aber laufe, dann laufe es. In den vergangenen Jahren habe die skandinavische Wirtschaft den Börsen dort satte zweistellige Zuwächse beschert. Und das habe seine Gründe. Trotz der vergleichsweise geringen Einwohnerzahl (27 Millionen in ganz Nordeuropa) gebe es einige bekannte Weltkonzerne in unterschiedlichen Sektoren, wie zum Beispiel den Autobauer Volvo, den Telekomkonzern Ericsson, die Modekette H&M oder den Windkrafthersteller Vestas. Mit ihren teilweise hochspezialisierten Unternehmen würden die Skandinavier von hohen Exportraten profitieren. Dadurch befinde sich die Wirtschaft schon seit Jahren auf Wachstumskurs.

In puncto Solidität würden die nordeuropäischen Länder weitere Vorzüge bieten: In Schweden, der größten nordischen Volkswirtschaft, liege die Staatsverschuldung nur bei 39% (EU-Durchschnitt: 80%). Sicherheit biete den Norwegern ihr Staatsfonds, der aus Öleinnahmen gespeist werde und ein gutes Polster für schlechtere Zeiten sei. Und bis auf das kleine Finnland seien die Nordländer nicht der Euro-Zone beigetreten, was ihnen mit ihren starken Währungen und eigenen Notenbanken mehr Unabhängigkeit erlaube.

Mit dem Indexfonds Xtrackers MSCI Nordic UCITS ETF könnten Anleger in die solide Wirtschaft der Nordländer investieren. Im Regionen-Index MSCI-Nordic seien Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland zusammengefasst.

Zwar kämen schwedische Unternehmen auf einen Indexanteil von über 40%. Die drei anderen Länder seien aber ebenfalls mit der finnischen Nokia, dem PharmaKonzern Novo Nordisk aus Dänemark oder der norwegischen Statoil vertreten. Der ausschüttende Xtrackers-ETF komme aktuell auf eine 12-Monats-Dividendenrendite von 4,63% und habe auf Sicht von fünf Jahren eine jährliche Rendite von knapp 5% geschafft.

Wer sein Geld lieber in die Hände aktiver Fondsmanager lege und dazu ein Faible für die dänische Hygge-Tradition habe, sollte einen Blick auf Folgenden Fonds werfen: Der Danske Invest - Denmark Focus A investiere in zahlreiche Branchen, wodurch eine breite Diversifikation innerhalb Dänemarks gewährleistet sei und Anlagerisiken reduziert würden. Im Portfolio befänden sich bekannte Namen wie das Schifffahrtsunternehmen A.P. Møller-Mærsk oder die Brauerei Carlsberg. Der thesaurierende Fonds habe es in den vergangenen fünf Jahren auf einen Zugewinn von im Durchschnitt jährlich 9,32% gebracht (zehn Jahre: 12,68% p.a.).

Typisch für Skandinavien seien die vielen kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Der Parvest Equity Nordic Small Cap investiere ausschließlich in solche Nebenwerte. Fondsmanager Johan Stein sehe derzeit die besten Chancen in den Bereichen Medizintechnik, Ingenieurwesen und Computerspiele. Der Fonds, der die Erträge ebenfalls thesauriere, komme auf eine jährliche 5-Jahres-Performance von durchschnittlich 10,60%. (Ausgabe 9/2019) (13.09.2019/fc/a/f)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
36,53 € 36,30 € 0,23 € +0,63% 06.12./22:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
IE00B9MRHC27 A1T791 36,73 € 29,62 €
Werte im Artikel
36,53 plus
+0,63%
1.765 plus
+0,12%
386,06 minus
-0,23%