Robeco Global Stars Equities Fonds: Nachhaltiges Investieren - Wie man "Greenwashing" vermeidet


12.06.19 12:30
ROBECO

Rotterdam (www.fondscheck.de) - Greenwashing bezeichnet Methoden, die darauf abzielen, einem Unternehmen ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image zu verleihen, ohne dass dafür tatsächlich eine Grundlage existiert - wie Nachhaltigkeit dagegen richtig umgesetzt werden sollte, erläutert Masja Zandbergen, Head of ESG Integration bei ROBECO, im Kommentar zum Robeco Global Stars Equities.

Anlagestrategien, die nur einfache Ausschlüsse vornehmen, sollten nicht länger als nachhaltig bezeichnet werden, so die Experten von ROBECO.

Nachhaltiges Investieren sei auch wesentlich schwieriger als lediglich einen Satz ESG-Scores zu kaufen und ihn auf ein Portfolio anzuwenden. Denn bei nachhaltigem Investieren gehe es um mehr. Die Experten von ROBECO würden daher also die neuen Wege nachhaltiger Geldanlage und die Problematik rund um das Thema Greenwashing betrachten.

Es gebe Bereiche, die alle nachhaltigen Investoren vermeiden möchten: Tabakprodukte, Waffen, Verstöße gegen Arbeitsrichtlinien und Menschenrechte sowie bestimmte Arten fossiler Energieträger wie Kohle würden hierzu zählen. Doch auf anderen Gebieten sei die Sache schon weniger klar. Zum Beispiel würden traditionelle fossile Kraftstoffe erheblich zum Klimawandel beitragen. Allerdings würden sie noch umfassend genutzt und benötigt. Einige Betrachter seien daher der Ansicht, dass Energieunternehmen sowohl Teil des Problems als auch der Lösung seien. Andere wiederum möchten sie generell vermeiden. Die Frage sei, ob durch Investitionen in diese Unternehmen und einen Dialog mit ihnen Veränderungen möglicherweise besser zu bewirken seien, als durch völlige Meidung.

Des Weiteren sei eine Strategie nach Erachten der Experten von ROBECO nur dann nachhaltig, wenn sie auch in finanzieller Hinsicht nachhaltig sei. Demnach sei integriertes Denken wichtig. Wie würden sich langfristige ESG-Trends und externe Kosten wie Klimawandel, abnehmende Biodiversität und steigende soziale Ungleichheit zu Veränderungen bei den Geschäftsmodellen auswirken? ESG-Investing bedeute nicht länger, dass man lediglich ein Anlageuniversum auf die Titel mit den besten Scores begrenze. Es bedeute vielmehr, gründlich über Nachhaltigkeit nachzudenken und darüber, wie diese sich auf Unternehmen und Anlagestrategien auswirke.

Ein Beispiel: In allen unseren quantitativen Strategien wird von zwei Aktien mit identischem (finanziellem) Faktor-Score diejenige höher gewichtet, die einen besseren ESG-Score aufweist, so die Experten von ROBECO. In den fundamentalen Strategien der Experten würden sich ESG-Aspekte auf die Bewertung, das heiße den Zielkurs eines Wertpapiers, auswirken. Beispielsweise seien bei Internetunternehmen Datenschutz und der Umgang damit bereits im Bewertungsmodell berücksichtigt worden, lange bevor dies ein gesellschaftliches Thema geworden sei. Dasselbe gelte für die Bewertungen im Gesundheitssektor.

Die strukturelle Integration von ESG in den Investmentprozess hilft unseren Teams, bessere Entscheidungen zu treffen, so die Experten von ROBECO. Dadurch werde jedoch das Anlageuniversum nicht verkleinert. Die Teams dürften nach wie vor auch in Unternehmen mit niedrigem ESG-Score investieren. Voraussetzung: Sie müssten davon überzeugt sein, dass die Risiken in der Marktbewertung mehr als angemessen berücksichtigt seien.

In dem globalen Aktienfonds Robeco Global Stars Equities sei dies in den letzten zwei Jahren zu beobachten gewesen, als rund 75 Prozent der Bewertungen nach Einbeziehung von ESG-Kriterien angepasst worden seien. Die ESG-Integration habe kombiniert mit dem Ausschluss der Bereiche Tabak und umstrittene Waffen rund 22 Prozent zur Outperformance im Zeitraum von 2017 bis 2018 beigetragen. Diese Art der Integration von ESG sei in der Umsetzung zwar weit schwieriger und grundlegender als die bloße Nutzung von ESG-Scores zur Einengung des Anlageuniversums. Doch werde sie häufig nicht als nachhaltige Strategie klassifiziert. Kunden, die in nachhaltige Strategien investieren möchten, möchten schlicht nicht in Unternehmen investieren, die in punkto ESG schlecht abschneiden würden, auch wenn sich dies bereits im Aktienkurs widerspiegele.

Das alles erfordere spezielle Ressourcen und Research. Wenn man ein Investmentteam bitte, ESG-Aspekte in den Anlageprozess einzubeziehen, müsse man ihm die dazu erforderlichen Ressourcen und das Wissen zur Verfügung stellen. Die Teammitglieder hätten dieses Know-how meistens nicht bereits an der Universität oder in ihrer bisherigen Tätigkeit erworben. Bei ROBECO verfüge man über zahlreiche unterschiedliche Nachhaltigkeitsspezialisten, die mit sämtlichen Investmentteams zusammenarbeiten würden. Ein separates Team für nachhaltiges Investieren haben wir dagegen nicht, so die Experten von ROBECO. Stattdessen sei jeder daran beteiligt. Denn angesichts der Vielzahl an verfügbaren ESG-Daten sei ein interdisziplinärer Ansatz aus Sicht der Experten von großer Bedeutung.

Die Experten von ROBECO nähmen das Beispiel zweier Mobiltelefonhersteller, deren CO2-Bilanz sie vergleichen würden. Das eine Unternehmen habe alle seine operativen Tätigkeiten ausgelagert, während das andere vertikal integriert sei. Das Erste weise eine niedrige Kohlendioxid-Bilanz auf und das Zweite eine wesentlich höhere. Dieses Ergebnis sei natürlich eine Illusion, denn die Herstellung eines Mobiltelefons gehe mit mehr oder weniger derselben CO2-Bilanz bei beiden Herstellern einher. Das sei aus den Daten nicht unmittelbar ersichtlich, sondern es erfordere das Wissen und Urteilsvermögen von Experten, die über den Tellerrand hinausblicken würden. Verfüge man über keine Ressourcen, die sich auf solche Details konzentrieren würden, und hätten Analysten keinen Zugang zu zweckmäßigen Research-Ergebnissen oder ein Verständnis dieser Aspekte, werde man Nachhaltigkeit nicht strukturell integrieren können.

Eine weitere Methode zur Umsetzung von Nachhaltigkeit sei das Ausüben einer aktiven Investorenrolle. Bei ROBECO seien die Experten seit 15 Jahren als aktiver Investor tätig. Sie würden über einen sehr strukturierten Ansatz bei der Berücksichtigung von Themen verfügen, an die andere Anleger noch nicht denken würden. Ein Beispiel dafür ist unser Engagement in punkto Datenschutz im Jahr 2015, so die Experten von ROBECO. Und dieses Jahr würden die Experten mit der Einflussnahme in Bezug auf Digital Healthcare und die sozialen Auswirkungen künstlicher Intelligenz beginnen. Beide Themen seien stark in die Zukunft gerichtet und würden sich sowohl auf neue Technologien als auch auf Nachhaltigkeitsaspekte beziehen. Beim ersten Thema möchten die Experten das Problem steigender Gesundheitskosten angehen, beim zweiten die sozialen Risiken, die sich auf lange Sicht ergeben könnten.

Im letzten Jahr nahm unser spezialisiertes Team aus 13 Experten Einfluss bei 214 Unternehmen, so die Experten von ROBECO. Das Engagement erstrecke sich über einen Zeitraum von drei Jahren, was ermögliche, den Fortschritt zu verfolgen und zu messen. Einige Asset Manager würden zwar behaupten, dass sie mit 2.000 Unternehmen pro Jahr in Dialog treten würden. Aus Sicht der Experten von ROBECO könne dies aber nicht mehr bedeuten als eine oder zwei Fragen zu ESG-Aspekten bei einem regulären Treffen zu stellen oder einen Standardbrief zu versenden. Man müsse über beträchtliche Ressourcen verfügen, um hier wirklich glaubwürdig auftreten zu können.

Ein interessanter Aspekt sei auch das Abstimmungsverhalten. Untersuchungen hätten gezeigt, dass einige der größeren (passiven) Investoren fast immer im Einklang mit der Empfehlung des Managements abstimmen würden - auch bei Anträgen von Aktionären, die sich auf umweltbezogene und soziale Themen beziehen würden. Dies wecke nach Überzeugung der Experten von ROBECO Zweifel an der Glaubwürdigkeit eines Anlagemanagers. Nach den Beobachtungen der Experten seien Vorschläge von Aktionären in Bezug auf soziale und umweltbezogene Aspekte zunehmend besser formuliert und stünden stärker in Einklang mit der langfristigen Wertschöpfung für die Anleger. Im letzten Jahr stimmten wir in 72 Prozent der umweltbezogenen sowie in 78 Prozent der sozialen Fälle für solche Vorschläge, so die Experten von ROBECO.

Damit bin ich bei unserem zentralen Punkt: Auf Worte Taten folgen zu lassen, so Masja Zandbergen, Head of ESG Integration bei ROBECO, weiter. Wie glaubwürdig sei ein Asset Manager, der über einige sehr gute Nachhaltigkeitsfonds verfüge, aber bei seinen anderen Produkten und bei seiner eigenen operativen Tätigkeit nichts in dieser Hinsicht unternehme, wie im erwähnten Beispiel des Abstimmungsverhaltens?

Zum Schluss noch eine kurze Bemerkung zur Vergabe von Labels. Diese könnten wertvolle Orientierung bieten und für einen Fonds eine Art Zulassungsstempel darstellen, was für Privatinvestoren vorteilhaft wäre. Allerdings lägen den derzeitigen Labels unterschiedliche Ansätze zugrunde. Der Hauptgrund dafür sei wahrscheinlich der, dass sich die Ansätze bei nachhaltigen Investments erheblich unterscheiden würden. Das französische SRI-Label beispielsweise fokussiere sich stärker auf den Investmentansatz, den Prozess und die Transparenz. Es werde extern verifiziert - man müsse dabei nachweisen, dass man über die richtigen Daten, Prozesse und Verfahren verfüge, um das Label zu erhalten. Das belgische Nachhaltigkeits-Label sei stärker präskriptiv, insbesondere im Hinblick darauf, in was nicht investiert werden dürfe. Allerdings lasse es ebenfalls viel Spielraum und die Asset Manager müssten nach wie vor eigenes Research durchführen. Wie gehe man beispielsweise vor, wenn man einen Stromversorger ausschließen müsse, der sich nicht an das Klimaabkommen von Paris halte?

Somit gebe es auch bei der Vergabe von Labels erheblichen Raum für unterschiedliche Auffassungen. Am wichtigsten sei Transparenz: Asset Manager müssten deutlich machen, was Teil der Strategie ihres Fonds sei und was nicht - ganz gleich, ob sie ihn als nachhaltig oder verantwortungsbewusst oder anders bezeichnen würden. (12.06.2019/fc/a/f)





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