Nestor Europa-Fonds: 10 Jahre Lehman-Krise - Gibt es derzeit noch Anlagechancen oder lauert bereits die nächste Krise?


02.10.18 12:30
NESTOR FONDS

Luxemburg (www.fondscheck.de) - Genau 10 Jahre nach der dramatischen Lehman-Pleite streben die amerikanischen Börsen von Hoch zu Hoch, so Dirk Stöwer, Manager des Nestor Europa-Fonds bei NESTOR FONDS.

Auch die Konjunktur in Deutschland boome und so nähere sich das Land zwischen Nordsee, Rhein und Alpen der Vollbeschäftigung. Ein sorgenfreies Leben würden die Börsianer dennoch nicht genießen. Zu tief sitze der Stachel der Finanzkrise, deren tiefe Schlaglöcher "unter den Teppich gekehrt" in zahlreichen Bankbilanzen und Staatshaushalten schlummern würden.

Überhaupt erst möglich sei die wirtschaftliche Erholung der letzten zehn Jahre durch die Niedrigzinspolitik der internationalen Notenbanken nach japanischem Muster geworden. Wenngleich das "Wall-Street-Journal" die seinerzeitigen Rettungsorgien der Regierungen und Zentralbanken in den USA und Europa als "größtes wirtschaftspolitisches Experiment aller Zeiten" tituliert habe, habe Nippon längst die Blaupause hierfür geliefert. Insofern sei es durchaus lehrreich, die Folgewirkungen der endlosen Konjunkturpakete und Geldmengenausweitungen seit Mitte der 80er Jahre zu analysieren.

"Der japanische Patient lebt, kann auch bereits wieder Spazierengehen aber ein Abschalten der lebensnotwendigen Apparate würde er nicht überleben", könnte man es zugespitzt formulieren. Im Klartext: Die japanische Wirtschaft habe das Nullzinsumfeld bis heute nicht verlassen können und die Notenbank finanziere über die Gelddruckmaschine einen großen Teil des Staatshaushaltes. Zudem habe die Staatsverschuldung 2017 satte 236,4 Prozent in Relation zur Wirtschaftsleistung betragen, wobei Griechenland mit 181,90 Prozent dabei fast schon wie ein Musterknabe daherkomme.

Die boomende Wirtschaft jenseits und diesseits des Atlantiks nähre derzeit die Hoffnung nach einer Rückkehr zur geldpolitischen Normalität. Und so hätten die Notenbanken derzeit bereits "eine Hand" an der Zinsschraube. Hier sei allerdings Skepsis angebracht, denn auch in Japan habe es vorsichtige Versuche gegeben, die Zinsen anzuheben, die allerdings nach kurzer Zeit wieder hätten aufgegeben werden müssen und stets in noch niedrigeren Zinsen an Geld- und Kapitalmarkt gemündet seien.

Ein stark differenziertes Bild zeige sich zehn Jahre nach der Lehman-Pleite in Europa. Während wettbewerbsstarke Länder wie Schweden und Deutschland erhebliche Fortschritte bei der Staatsverschuldung verbucht hätten, würden Länder mit verkrusteten Strukturen wie Italien und Frankreich nicht zu den Musterknaben gehören. Dabei habe insbesondere Italien das Potenzial zum "Börsenschreck", da die Regierung von Lega sowie die Fünf-Sterne-Bewegung Ende September die Neuverschuldung auf 2,4 Prozent und nicht auf 1,6 Prozent festgezurrt habe, wie vom parteilosen Finanzminister Giovanni Tria vorgesehen. Dies habe die Mailänder Börse heftig zu spüren bekommen. Die Renditen für italienische Staatsanleihen seien kräftig gestiegen und auch der Aktienmarkt sei deutlich abgesackt. Hintergrund seien neben der politischen Unsicherheit auch die Währungsverwerfungen in den Emerging Markets gewesen.

Auch in Stockholm sei dieses Nachbeben zu spüren gewesen. Die Schwedische Krone habe seit Jahresbeginn 6,7 Prozent verloren und teilweise die Kursgewinne des OMX-Stockholm-Midcap-Index kompensiert, der im gleichen Zeitraum 9,5 Prozent zugelegt habe. Die freundliche Grundstimmung in Stockholm zeige aber, dass trotz aller Probleme Krisen abgearbeitet werden könnten und innovative Firmen auch in schwierigen Perioden entstehen und aufblühen könnten.

An den Märkten zeige sich derzeit ein Spannungsfeld zwischen den enormen Chancen der Digitalisierung und den Spätfolgen der schweren Finanzkrise der letzten Jahre. Da der Anleger in Sachen verzinslicher Anlageprodukte wenig Erwartung hegen sollte, würden die Aktienmärkte weiterhin eine akzeptable Renditealternative bieten. Aufgrund des reifen Marktes sollte die Selektion jedoch besonders sorgfältig erfolgen und defensive Qualität und stetiges Wachstum den Vorzug vor Zyklikern und schwächelnden Finanztiteln erhalten. (02.10.2018/fc/a/f)





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