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MainFirst Emerging Markets Funds: Wahlen in Brasilien - Unmittelbare Risiken für Finanzmärkte weitgehend eingepreist


05.10.18 08:30
MainFirst Asset Management

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Rund 145 Millionen Brasilianer wählen am kommenden Sonntag und am 24. Oktober im Rahmen der allgemeinen Wahlen ihren neuen Präsidenten, so die Experten von MainFirst Asset Management.

"Das Land braucht durchgreifende, unpopuläre Wirtschaftsreformen, um die aufgeblähte Regierung zu reduzieren, dem hohen Haushaltsdefizit zu begegnen und die steigenden Sozialversicherungsausgaben zu senken", sage Thomas Rutz, Fondsmanager der MainFirst Emerging Markets Funds. Der Experte sehe die Ausweitung des Spreads des Credit Default Swaps (CDS) in Brasilien und der Korrektur des brasilianischen Aktienmarktes als ein Zeichen dafür, dass die Finanzmärkte die mit dem Ausgang der Präsidentschaftswahlen verbundenen Risiken bereits eingepreist hätten und auch nach dem kommenden Sonntag vorerst stabil bleiben sollten. Mittelfristig jedoch würden Investoren sehr genau hinschauen, ob der nächste gewählte Präsident ein glaubwürdiges und reformfreudiges Wirtschaftsprogramm verfolge. "Ist dies nicht der Fall, muss mit einer Verschlimmerung der Lage gerechnet werden", so Rutz.

Zwei Kandidaten hätten derzeit gute Chancen auf das Amt: Der Abgeordnete und frühere Militär Jair Bolsonaro von der rechtspopulistischen Partido Social Liberal (PSL) und der Ex-Bürgermeister von Sao Paulo, Fernando Haddad, der für die linksgerichtete Arbeiterpartei PT antrete. Er sei kurzfristig als Kandidat für das Bündnis nominiert worden, nachdem der populäre Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva wegen seiner Verurteilung in einem Korruptionsprozess zugunsten Haddad auf die Kandidatur verzichtet habe. "Eine Stichwahl unter diesen beiden Kandidaten erscheint uns schon jetzt fast sicher", sage Rutz. Der Favorit der Investoren und Kandidat der Mittelschicht, Geraldo Alckmin, sei dagegen "praktisch chancenlos".

Die Finanzmärkte hätten den Wahlkampf aufmerksam verfolgt. Nach einer schweren Rezession in den Jahren 2015 und 2016 habe Brasilien zuletzt einen leichten Aufschwung erlebt. "Die Auswirkungen sind für die Bevölkerung aber noch nicht wirklich spürbar", erläutere Rutz. In den vergangenen vier Jahren habe das Haushaltsdefizit mehr als sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) betragen. Hohe Sozialversicherungs- und steigende Rentenausgaben würden laut dem Experten dringend notwendige Investitionen in die physische und soziale Infrastruktur des Landes verhindern.

Die Frustration über Arbeitslosigkeit, Korruption und Kriminalität in der Bevölkerung sei entsprechend hoch. "Bolsonaro nutzt das für populistische Parolen aus", sage Rutz. Der Hauptmann des Heeres a.D. verspreche, hart gegen Kriminalität durchzugreifen, Korruption zu bekämpfen und das Wirtschaftswachstum zurückzubringen. Sein mutmaßlicher künftiger Finanzminister, Paulo Guedes, sei liberal und wolle mithilfe von Einnahmen aus Privatisierungen rentabler Staatsbetriebe und des öffentlichen Rentensystems die Ausgaben senken und Schulden zurückkaufen. "Die Hoffnung auf die nötigen Reformen macht ihn für viele zum Favoriten der beiden Spitzenreiter."

Lulas Kandidat Haddad habe sich seit seiner Nominierung am 11. September auf den zweiten Platz vorgearbeitet. Er verspreche, viele der unpopulären (aber notwendigen) Reformen des äußerst unbeliebten Präsidenten Michel Temer zur Kürzung der Sozialausgaben wieder rückgängig zu machen. Temer sei 2016 nach der Absetzung von Präsidentin Dilma Rousseff an die Staatsspitze gerückt. "Statt Privatisierungen und die Rentenreform voranzutreiben, will Haddad die Wirtschaft durch Investitionen ankurbeln. Die Märkte hoffen, dass er ähnlich wie Antonio Manuel Lopez Obrador in Mexiko seine allzu drastischen Reformideen nicht umsetzt", sage Rutz. (Ausgabe vom 04.10.2018) (05.10.2018/fc/a/f)