M&G (Lux) Global High Yield ESG Bond Fund: Die McLaren-Anleihen in der Corona-Krise - Wie ein Crash vermieden wurde


23.07.20 12:00
M&G Investments

London (www.fondscheck.de) - Covid-19 hat unsere Sichtweise einer sicheren und stabilen Welt in Frage gestellt, so Lu Yu, stellvertretende Fondsmanagerin des M&G (Lux) Global High Yield ESG Bond Fund bei M&G Investments.

High-Yield-Fondsmanager hätten miterlebt, wie die Pandemie viele Unternehmen unter massiven finanziellen Druck gesetzt habe. Der britische High-End-Sportwagenhersteller McLaren sei eines von ihnen gewesen. Das Geschäft habe stark gelitten, und die Liquidität sei extrem unter Druck geraten. McLaren habe Hunderte von Millionen Pfund an Bargeld aufbringen müssen, obwohl es erst kürzlich einen strategischen Plan zur Kostensenkung und zum Abbau von Investitionsausgaben auf den Weg gebracht habe.

Was könne ein Unternehmen tun, wenn es so viel Geld auftreiben müsse? Es könne Vermögenswerte verkaufen, mehr Kredite aufnehmen oder mehr Eigenkapital beschaffen. McLaren habe eine vollständig besicherte Kapitalstruktur. Das bedeute: Alle Schulden seien durch einen Pool von Vermögenswerten oder Sicherheiten gedeckt - von physischen Vermögenswerten, wie den Gebäuden der Zentrale in Surrey und der Sammlung von Oldtimern, bis hin zu immateriellen Vermögenswerten wie der weltberühmten Marke.

Die besicherten Anleihen von McLaren seien im Mai zu Kursen um die 55% des Nennwerts gehandelt worden, bei einer Rendite von mehr als 30%. Der Markt habe also ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Überlebensfähigkeit des Unternehmens und der Frage gehabt, ob die Anleiheinvestoren ihr Geld zurückbekommen würden. Da McLaren seine besicherten Vermögenswerte nicht habe verkaufen können, und die Eigentümer nicht bereit gewesen seien, mehr Eigenkapital einzubringen, habe das Unternehmen beschlossen, Schlupflöcher in den Anleihebedingungen zu nutzen. Das Ziel: Noch mehr Schulden aufnehmen, und zwar zu einem günstigeren Zinssatz als bei den bestehenden Anleihen.

Die Idee sei gewesen, die Liegenschaften des Hauptsitzes und die Oldtimer-Sammlung in eine neue "uneingeschränkte Tochtergesellschaft" außerhalb der bestehenden "begrenzte" Kreditnehmergruppe zu verlagern. Sie würde dann neue Schulden aufnehmen, die mit den an diese Tochtergesellschaft übertragenen Vermögenswerten besichert wären.

Die Anleiheinvestoren hätten nun vor einem Dilemma gestanden: Wenn sie zustimmten, würden sie einen wertvollen Teil ihrer Sicherheiten verlieren; wenn sie nicht zustimmten, würde dem Unternehmen bald das Geld ausgehen. In dem Fall könnten sie ihre gesamte Investition verlieren, es sei denn, sie seien eingesprungen und hätten den Fehlbetrag selbst finanziert.

Aber wie habe McLaren dies tun können, wenn die bestehenden Anleihen durch diese Vermögenswerte gesichert gewesen seien? McLaren habe den Anleihe-Treuhänder vor dem Obersten Gerichtshof Großbritanniens verklagt und argumentiert, dass diese Angelegenheit im Zusammenhang mit dem "Intercreditor Agreement" stehe, das die Beziehungen zwischen verschiedenen Kreditnehmern regele. Diese falle unter englisches Recht, im Gegensatz zum Anleihevertrag, der New Yorker Recht unterliege. Sie hätten gehofft, dass das englische Gericht weniger in der Lage sein würde, einen Anleihevertrag nach New Yorker Recht zu interpretieren.

In der Zwischenzeit habe sich jedoch schnell eine Gruppe von mehr als 70% der aktuellen Anleiheinvestoren gebildet, die eine Anwaltskanzlei beauftragt hätten, um die vorgeschlagene Mittelbeschaffung zu stoppen. Der Oberste Gerichtshof habe einen spezifischen neuen Fundraising-Plan verlangt. Letztendlich habe sich McLaren zurückgezogen und sich stattdessen für die Aufnahme eines Aktionärsdarlehens in Höhe von 150 Millionen Pfund von der Nationalbank von Bahrain entschieden - McLarens Mehrheitsaktionär sei der bahrainische Staatsfonds Mumtalakat.

Im Gegenzug hätten sich die Anleiheinvestoren damit einverstanden erklärt, einige der Anleiheverpflichtungen zu ändern und zu lockern, um den Verkauf eines Teils der Oldtimer-Sammlung (ein Wert von 150 Millionen GBP sollte bleiben) sowie den Verkauf des Hauptsitzes zu ermöglichen (Die ersten 85 Millionen GPB sollten für die Rückzahlung der Anleihe bei Par verwendet werden). Die geänderten Vereinbarungen würden die Übertragung oder den Verkauf von geistigem Eigentum verbieten.

Der Ausgang des McLaren-Falls könne als Erfolg für die Anleiheinvestoren gewertet werden. Denn das Unternehmen verfüge nun über das dringend benötigte zusätzliche finanzielle Polster, während sich der Kurs der Anleihen deutlich erholt habe. Insgesamt sei der Juni trotz der Corona-Krise ein Rekordmonat für Hochzinsanleihen gewesen. In diesem Umfeld sei die Kompetenz, Anleiheklauseln zu analysieren, zu verstehen und auch durchzusetzen, wichtiger denn je. (23.07.2020/fc/a/f)






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ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
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