Lingohr-Systematic-LBB-Invest-Fonds: "Billig ist nicht gleich Value" - Fondsanalyse


04.12.17 13:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Trotz der schlechten Performance der vergangenen Jahre hält der Vermögensverwalter Lingohr & Partner Asset Management an seinem Value-Ansatz fest, so die Experten von "FONDS professionell".

"Ich bin fest davon überzeugt, dass Value-Investing vor einem Comeback steht", habe Goran Vasiljevic, seit April dieses Jahres Chief Investment Officer und Mitglied der Geschäftsführung von Lingohr, im Interview mit "FONDS professionell" gesagt, das in voller Länge in der soeben erschienenen Heftausgabe 4/2017 veröffentlicht werde.

"Qualitätstitel und Growth-Aktien sind in den vergangenen Jahren viel zu gut gelaufen, da ist eine Trendwende überfällig", so der 36-Jährige. Das Team bei Lingohr glaube fest an das Phänomen der "Mean Reversion": "Langfristig finden jede Aktie und jeder Markt zur fairen Bewertung zurück." Er nenne ein Beispiel: "Die US-Börse läuft denen anderer Industriestaaten seit Jahren davon, doch langfristig ist an jedem Aktienmarkt eine ähnliche Rendite zu erzielen. Auf Sicht von 40 Jahren haben japanische und amerikanische Aktien eine vergleichbare Performance gezeigt. Deshalb ist für die Rendite eines Investments die Bewertung am Startzeitpunkt der Anlage so entscheidend."

Lingohr & Partner Asset Management habe über viele Jahre hinweg zu den führenden Adressen unter Deutschlands Vermögensverwaltern gezählt. Doch in den Jahren nach der Finanzkrise habe der systematische Value-Ansatz des Erkrather Unternehmens nicht mehr so recht aufgehen wollen. Das verwaltete Vermögen, das im Jahr 2011 noch gut zehn Milliarden Euro betragen habe, sei auf unter vier Milliarden Euro zusammengeschnurrt. Vor zwei Jahren sei ein weiterer Rückschlag für das Unternehmen gefolgt, als Firmengründer Frank Lingohr nach kurzer und schwerer Krankheit im Alter von nur 69 Jahren verstorben sei.

Doch Lingohr habe seine Nachfolge rechtzeitig geplant: Im April 2015 habe er nicht nur seinen langjährigen Kollegen Volker Engelbert mit der Geschäftsführung beauftragt, sondern auch einigen jungen Mitarbeitern mehr Verantwortung übertragen. Zwei von ihnen, beide erst Mitte 30, seien im April dieses Jahres in die Geschäftsführung aufgerückt: Goran Vasiljevic habe Engelbert als Chief Investment Officer abgelöst, Steffen Ulshöfer sei zum Chief Operating Officer ernannt worden. Ihnen zur Seite stehe der langjährige Geschäftsführer Michael Broszeit, der weiterhin das Kundengeschäft verantworte.

Vasiljevic habe in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, den hauseigenen Investmentprozess "Chicco" zu überarbeiten. Die Grundprinzipien seien gleichgeblieben, so der CIO im Gespräch mit "FONDS professionell". Chicco helfe dabei, bei der Aktienselektion Emotionen auszuschalten und streng nach fundamentalen und systematischen Kriterien zu entscheiden.

"Der Fokus unseres Modells liegt nach wie vor auf dem Free-Cash-Flow eines Unternehmens, also der Frage, wie viel Geld ein Unternehmen verdient, nachdem es alle notwendigen Investitionen getätigt hat." Gearbeitet habe sein Team vor allem an der Feinsteuerung. "Wir berücksichtigen zusätzliche Faktoren, die je nach Land in die Aktienbewertung einfließen." Auch mit Blick auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen sei die Aussagekraft des Modells verbessert worden. "Billig ist nicht mit Value gleichzusetzen - das ist essenziell!"

Vasiljevic äußere sich im Interview auch zur schlechten Performance insbesondere des Flaggschiffprodukts Lingohr-Systematic-LBB-Invest. Der gut 800 Millionen Euro schwere Fonds sei 2008 bei Morningstar noch mit fünf Sternen bewertet gewesen - inzwischen habe er nur noch einen, zähle also zu den schlechtesten zehn Prozent seiner Vergleichsgruppe. "Das lag vor allem an der Ländergewichtung", sage Vasiljevic.

Seit Auflage 1997 folge der Fonds der traditionellen Strategie des Hauses, bei der die Portfoliokonstruktion durch eine Gleichgewichtung der Ländermodule sowie der Einzeltitel innerhalb der Module umgesetzt werde. "Im Lingohr-Systematic-LBB-Invest machen Aktien aus den USA daher nur zehn Prozent des Volumens aus und konnten so kaum vom Boom am US-Markt profitieren", so Vasiljevic. Im MSCI World stünden die Vereinigten Staaten dagegen für mehr als die Hälfte des Index, bei vielen Fonds von Wettbewerbern sei es ähnlich. "Wenn Sie so wollen, war das ein konstruktionsbedingter Nachteil unseres Fonds. Doch naturgemäß steigt mit jedem Jahr, in dem die Wall Street outperformt, die Wahrscheinlichkeit, dass sie in Zukunft schlechter abschneidet als Börsen anderer Industrieländer. Dann wird unser Fonds in den Ranglisten wieder ganz vorne zu finden sein."

Der neue Geschäftsführer räume ein, dass es anspruchsvoll sei, einen Fonds mit nur einem Morningstar-Stern zu vertreiben. "Wir müssen aktuell viel Aufklärungsarbeit leisten und setzen auf antizyklische Investoren, die einen guten und disziplinierten Anlageprozess suchen", sage er. "Wir warnen davor, Fondsmanager aufgrund ihrer kurzfristigen Performance zu beurteilen. Langfristig lohnt sich das antizyklische Investieren, auch wenn viele Anleger, die diesen Ansatz verfolgen, in den vergangenen Jahren vor eine harte Probe gestellt wurden."

Erste Erfolge im Vertrieb gebe es schon zu verzeichnen: Seit er das Investmentteam übernommen habe, seien die Assets um rund 800 Millionen auf etwa vier Milliarden Euro gestiegen. "Einige unserer bestehenden Kunden haben ihre Positionen aufgestockt", so Vasiljevic. "Das Momentum ist gut, und wir führen zurzeit sehr viele Gespräche mit potenziellen Neukunden." (04.12.2017/fc/a/f)






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