L&G Euro Corporate Bond Fund: Vorsicht vor Selbstgefälligkeit am Anleihenmarkt!


03.05.21 10:30
Legal & General IM

London (www.fondscheck.de) - Viele Staatsanleihen bringen keine Rendite mehr - doch Unternehmensanleihen guter Bonität können die Lücke schließen, sagen Volker Kurr, Head of Europe, Institutional bei Legal & General Investment Management (LGIM), und Marc Rovers, Head of Euro Credit und Fondsmanager des L&G Euro Corporate Bond Fund.

Anleger sollten allerdings die aktuellen Marktrisiken nicht aus den Augen verlieren:

"Weltweit erholen sich die Volkswirtschaften, allerdings in unterschiedlichem Tempo. Geldpolitik und staatliche Anreize sind einerseits eine willkommene Unterstützung, schüren andererseits aber auch die Angst vor steigender Inflation und Zinserhöhungen. In dieser besonderen Marktphase müssen Anleger ihre Portfolios auf zwei mögliche Risiken vorbereiten: Das Zinsrisiko hängt mit dem aktuellen Umfeld extrem niedriger Zinsen und der Duration der Indices zusammen, während das Kreditrisiko eine Konsequenz der Verschuldung und eines übermäßigen Vertrauens in die reichlich vorhandene Liquidität ist. Außerdem müssen die immensen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen finanziert werden - allein die Debatte darüber, auf welche Weise dies geschehen soll, könnte zu einer eigenen Risikoquelle für die Märkte werden. Und last but not least gehen auch von den neuen Virusstämmen neue Risiken aus, falls sie die Wirksamkeit der aktuell verfügbaren Impfstoffe einschränken.

Aus Investorenperspektive halten wir aktuell eine Portfolioausrichtung für sinnvoll, die Anleihen höherer Kreditqualität mit höher rentierlichen Anleihen, die wir sorgfältig im Rahmen unseres Investmentprozesses selektieren, kombiniert. Bei unseren Anlageentscheidungen lassen wir uns weniger von Ratings leiten, sondern orientieren uns stärker an Themen und Analystenempfehlungen. In der Regel bevorzugen wir defensive Branchen oder solche, die von der Wiederöffnung nach dem Lockdown profitieren, aktuell aber noch einen Spread Pick-up bieten. Konkret haben wir zuletzt beispielsweise unser Engagement bei US-Telekommunikationsunternehmen erhöht. Diese refinanzieren zurzeit den Ausbau ihrer Frequenzbereiche und verbinden defensivere Eigenschaften mit einem gewissen Inflationsschutz. Interessant sind darüber hinaus auch - auf vollständig Euro-abgesicherter Basis - einige Emissionen in britischen Pfund und US-Dollar, deren Risikoaufschläge im Vergleich zu ähnlichen Euro-Unternehmensanleihen attraktiver sind. Schwerpunkte sind für uns auch längerfristige Trends, die sich beispielsweise positiv auf den Immobiliensektor (Online-Shopping, Logistik, Daten) oder Versorgungsunternehmen (Elektrifizierung) auswirken.

Dagegen begrenzen wir aufgrund des geringen Renditepotenzials unser Engagement in Peripherieländern. Auch bei zyklischen Branchen, vor allem im Automobilsektor, halten wir uns derzeit zurück, da durch das EZB-Programm zum Ankauf von Unternehmensanleihen (CSPP) die Risikoaufschläge nach unserer Einschätzung keinen Spielraum mehr bieten. Außerdem haben wir uns von einigen "Impfstoff-Gewinnern" getrennt, bei denen die Bewertungen aufgeholt haben - vor allem in der Reise- und Freizeitbranche. Die Risikoprämie ist vollständig aufgezehrt, die Unsicherheit jedoch geblieben.

Insgesamt halten wir eine konservative Anlagestrategie mit mehreren diversifizierten Positionen statt einiger weniger großer Wetten im Portfolio für folgerichtig. Die gestiegenen Bewertungen und auch der am Markt herrschende Optimismus - wenn nicht sogar zum Teil eine gewisse Selbstgefälligkeit - beobachten wir sehr genau und stellen durch unsere strengen Kriterien für die Titelauswahl sicher, dass auch in dieser Marktphase die höchste Sorgfalt bei der Auswahl der geeigneten Anleihen gewährleistet ist. Bei Emissionen mit höherem Beta gehen wir daher nur gezielte Positionen ein. Das verbessert die Risiko-Ertrags-Eigenschaften und unterstützt die Konsistenz der Erträge." (03.05.2021/fc/a/f)