Kames Global Sustainable Equity Fund: Der unterschätzte deflationäre Effekt von Alphabet, Amazon, Apple & Co.


12.04.18 16:30
Kames Capital

London (www.fondscheck.de) - Technologieunternehmen wie Alphabet, Amazon oder Apple sind nicht nur bezogen auf ihre kombinierte Marktkapitalisierung beeindruckend, sondern weisen auch gigantische Umsätze, freie Cashflows und Nutzerzahlen auf, so Craig Bonthron, Co-Manager des Kames Global Sustainable Equity Fund (ISIN IE00BYZHYR83 / WKN A2AHHA) bei Kames Capital.

Dementsprechend sei ihre deflationäre Wirkung ebenfalls immens. Denn die Technologien würden sich rasant weiter entwickeln und unterlägen gleichzeitig einem Preisverfall. Craig Bonthron, Aktienexperte bei Kames Capital, kommentiere dieses Thema wie folgt:

Inflation oder Deflation? Der Markt lauere auf jeden noch so kleinen Unterton in den Äußerungen der Währungshüter. Jeder Basispunkt, um den sich die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen verändere, werde unter die Lupe genommen. Die Antwort auf diese zentrale Frage scheine für Anleger besonders wichtig zu sein.

Wir als Aktienanalysten kennen die Antwort nicht, so die Experten von Kames Capital. Die Experten würden Titel nach dem Bottom-up-Ansatz gezielt auswählen. Daher liege die Entschlüsselung und Gewichtung der unzähligen gesamtwirtschaftlichen Faktoren, die sich auf Staatsanleihen auswirken würden, außerhalb der Kompetenz der Experten. In einem Punkt seien sich die Experten jedoch absolut sicher. Globale Technologie-Plattformen würden Deflation verursachen, wobei Ausmaß und Reichweite ihrer deflationären Wirkung Jahr für Jahr zunehmen würden.

"Gemäß dem Mooreschen Gesetz verdoppelt sich die Rechenleistung von Computern alle zwei Jahre!" (http://www.mooreslaw.org/)

Das taschengroße iPhone X sei dementsprechend 3000-mal schneller und 1.000.000-mal leistungsfähiger als der Apollo-Computer der NASA von 1969. Und das sei nicht nur ein simples Klischee. Die weitreichenden Wirkungen dieser rasanten Entwicklungen seien nicht zu unterschätzen. Für uns Menschen ist das Tempo dieser Veränderung schwer nachzuvollziehen, da das menschliche Gehirn für eine lineare Welt gemacht ist, so die Experten von Kames Capital.

Andere Technologien wie erneuerbare Energien, Robotik und Batterien als Energiespeicher würden ebenfalls einen unaufhaltsamen Preisverfall verzeichnen. Sie unterlägen zwar möglicherweise nicht dem Mooreschen Gesetz (auch wenn sie indirekt dadurch beeinflusst seien), viele seien jedoch an einem Wendepunkt angelangt, an dem eine rasche Annahme zweifellos wirtschaftlich sinnvoll sei.

Disruption sei gleichbedeutend mit niedrigeren Preisen, da Neulinge nur mit einem besseren Angebot etablierte Akteure verdrängen könnten. Für Verbraucher bedeute "besser" entweder günstigere Preise für das gleiche Produkt oder mehr für gleiches Geld. Das sei Deflation, egal aus welchem Blickwinkel man es betrachte. Und wenn Verbraucher erwarten würden, dass sich dieser Trend fortsetze, münde dies in einer strukturellen Deflation.

Der heutige Aktienmarkt unterscheide sich grundlegend von dem der 1920er, 1950er oder 1990er Jahre. Die Marktstruktur entwickele sich im Gleichschritt mit der Struktur der Wirtschaft, da die Marktkräfte langfristig Veränderungen vorantreiben würden. Die Mechanisierung der Landwirtschaft, die Eisenbahn und selbst Industriekonzerne (durch effizientere Prozesse) hätten jeweils auf ihre Weise einen deflationären Effekt auf die Wirtschaft gehabt. Niemand werde jedoch behaupten, dass diese Phänomene sich in puncto Reichweite, Ausmaß und deflationärer Wirkung mit den Technologieriesen von heute messen könnten.

Die Gründe hierfür lägen auf der Hand. Alphabet (Google und YouTube), Amazon, Facebook, Microsoft, Netflix, Apple, Samsung, Tencent, Alibaba und Baidu seien extrem groß. Sie seien nicht nur bezogen auf ihre kombinierte Marktkapitalisierung beeindruckend, sondern würden auch gigantische Umsätze, freie Cashflows und Nutzerzahlen aufweisen.

Dementsprechend sei ihre deflationäre Wirkung ebenfalls immens. Ihre globale Reichweite und das Tempo der von ihnen vorangetriebenen Veränderungen seien beispiellos. Der einfache Vergleich ihres Angebots und der Zahl ihrer Kunden zwischen 1998 bzw. 2008 und 2018 verdeutliche auf den ersten Blick ihre deflationäre Wirkung. Dabei seien in den oben genannten Zahlen die nicht börsennotierten globalen Branchenriesen Uber und Airbnb nicht einmal enthalten.

Es gehe aber nicht nur um die Technologieriesen. Denn in ihrem Fahrwasser gebe es eine Vielzahl weniger bekannter Unternehmen (die die Experten besonders gerne aufspüren würden, um dann in sie zu investieren), die disruptive Technologie-Plattformen für Nischen-Endmärkte bieten und dort somit ebenfalls deflationär wirken würden.

Daneben gebe es einen weiteren deflationären Effekt, der Beachtung verdiene. Im Vergleich zu den Eisenbahnen und Industriekonzernen früher würden die Technologieriesen keine großen Investitionen brauchen, um satte Gewinne zu erzielen. Sie seien wenig kapitalintensiv. Absolut hätten sich ihre Investitionsausgaben 2017 gleichwohl auf 101 Mrd. USD belaufen. Doch im Verhältnis zu ihrem Umsatz und vor allem zu ihrer Wachstumsrate sei der Aufwand erheblich geringer als bei ihren Vorgängern in der Industrie. Wenig kapitalintensiv sei somit ein Synonym für Deflation.

Jedes Jahr debattiere die US-Notenbank Federal Reserve auf ihrer Konferenz in Jackson Hole über ihre langfristige Strategie. Angesichts der großen Bedeutung, die sie der Inflation beimessen würden, wäre es nur allzu logisch, wenn die Währungshüter versuchen würden, die deflationären Auswirkungen von Technologie abzuschätzen. Doch soweit die Experten wissen würden, habe das Thema technologiebedingte Deflation während der gesamten Konferenzwoche im August 2017 in keiner Präsentation eine Rolle gespielt. In der Grundsatzrede von Notenbankchefin Janet Yellen sei der Begriff "Technologie" nicht einmal aufgetaucht. In den letzten zwölf Erklärungen der FED werde "Technologie" mit keinem Wort erwähnt, und in den Protokollen der Sitzungen des Offenmarktausschusses tauche er nur ein paar Mal flüchtig auf.

Sei die strukturelle Auswirkung technologisch bedingter Deflation zu gering, als dass sie stärkere Beachtung verdiene? Zumindest in den USA würden die Technologieausgaben dramatisch sinken, während die Ausgaben für Bildung die durchschnittliche Teuerungsrate deutlich nach oben treiben würden. Eins hätten die Experten aus den historischen Entwicklungen an den Finanzmärkten sicher gelernt: Jeder Konjunkturzyklus habe einen Anfang und ein Ende, aber ansonsten gebe es große Unterschiede. Ein Merkmal des aktuellen Zyklus sei die anhaltend niedrige Inflation. Gleichzeitig seien globale, wenig kapitalintensive Technologieriesen entstanden. Sei das Zufall?

Die Experten würden die Inflations- und Zinsprognosen den Wirtschaftsexperten überlassen und weiterhin in Unternehmen investieren, die langfristig Wertzuwachs für ihre Kunden generieren würden. Die Experten würden Unternehmen mit strukturellem Wachstum und hohen Kapitalrenditen bevorzugen, die gemessen an ihren Bewertungen attraktive, freie Cashflows generieren würden. Diese Kriterien würden stark den Merkmalen der oben erwähnten Technologieunternehmen gleichen. Tatsächlich würden sie im Technologiesektor disruptive Unternehmen, die den Namen verdienen würden, und entsprechenden Einfluss hätten aufspüren, und bei denen sich eine Anlage lohne.

Ungeachtet der beeindruckenden aktuellen Erfolgsbilanz sollten die Experten aber technologische Verbesserungen nicht für selbstverständlich halten. Neue Technologien nach vorn zu bringen, könne ein riskantes und kapitalintensives Unterfangen sein. Bester Beweis hierfür seien die Bemühungen, Elektroautos und erneuerbare Energien in puncto Kosten wettbewerbsfähig zu machen. Nicht jede Technologie erfordere wenig Kapital oder unterliege dem Mooreschen Gesetz. Besser als jeder andere wisse das Elon Musk, Gründer von Tesla und Space X: "Technologie entwickelt sich nicht einfach von selbst. Vielmehr bedarf es dazu vieler intelligenter Köpfe und harter Arbeit." (Ausgabe vom 10.04.2018) (12.04.2018/fc/a/f)





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