Janus Henderson Horizon Euroland Fund: Zeit für US-Titel, in die zweite Reihe zurückzutreten? Fondsanalyse


11.06.19 09:30
Janus Henderson Investors

London (www.fondscheck.de) - Zu Beginn des Jahres hatten die meisten Marktbeobachter mit einem Zinsanstieg in Amerika und dem Abschöpfen von Liquidität durch die US-Notenbank Federal Reserve (FED) gerechnet, dem sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Europäische Zentralbank (EZB) anschließen würde, so die Experten von Janus Henderson Investors im Kommentar zum Janus Henderson Horizon Euroland Fund.

Aber schon im Januar habe die FED die Zinserwartungen gedämpft. Vor allem aber habe sie Abstand genommen vom Automatismus bei ihrer quantitativen Straffung, also der kontinuierlichen Reduzierung ihrer nach der globalen Finanzkrise angehäuften riesigen Bilanzsumme. Die Erwartung, dass dem Finanzsystem automatisch Liquidität in Höhe von 400 Milliarden Dollar entzogen würde, sei damit Geschichte gewesen. Auch wenn sich die Wirkung schwer quantifizieren lasse, dürften die meisten Kommentatoren zustimmen, dass eine lockere Geldpolitik die Aktienmärkte ankurble, ein Anziehen der Zinszügel jedoch das Gegenteil bewirke.

Im März sei die EZB dem von der FED eingeschlagenen Kurs gefolgt und habe die Bedenken hinsichtlich einer Straffung der Kreditkonditionen zerstreut, indem sie Stimulierungsmaßnahmen für die europäische Wirtschaft angekündigt habe. Diese hätten auch eine neue Kreditrunde für Banken beinhaltet. Europa habe sich wie die USA einer quantitativen Straffung gegenüber gesehen - in Form fällig werdender TLTROs. Über diese zielgerichteten langfristigen Refinanzierungsgeschäfte hätten die Währungshüter angeschlagenen europäischen Banken Kredite in Höhe von mehr als 700 Milliarden Euro bereitgestellt. Ein Drittel davon italienischen Banken, die diese ursprünglich in den nächsten zwei Jahren zurückzahlen sollten. Zur Neuauflage der TLTROs habe sich die EZB bedauerlicherweise durch deutlich nach unten revidierte Wachstums- und Inflationsprognosen gezwungen gesehen.

Zugegeben, die Wirtschaftsdaten in Europa würden gegenwärtig kein klares Bild zeichnen. Dennoch würden sie aus Sicht der Experten nicht die aktuell schwache Positionierung der Anleger rechtfertigen. Das langsamere Wachstum sei beileibe kein rein europäisches Problem, sondern scheine vielmehr ein globales Phänomen zu sein. Aus einigen Daten zu Europas Wirtschaft, wie z. B. den Einkaufsmanagerindices aus dem verarbeitenden Gewerbe, spreche eine gewisse Schwäche. Aber im Dienstleistungsgewerbe sei eine Belebung der Aktivität zu verzeichnen. Das schlage sich in den Kapitalströmen der Anleger bislang jedoch nicht wieder, denn die Stimmung gegenüber Europa sei schlechter verglichen mit anderen Regionen: Seit Januar 2009 hätten Anleger in Europa nicht mehr so viel Kapital in Geldmarktinstrumente umgeschichtet wie zuletzt. Schon länger als ein Jahr dauere inzwischen der Kapitalabfluss aus den europäischen Aktienmärkten - die längste Talfahrt seit rund zehn Jahren.

Konjunkturempfindlichere Titel und in den Schwellenländern engagierte Firmen hätten in den letzten zwölf Monaten bis Ende April besonders unter dem Rückzug der Anleger zu leiden gehabt. Dennoch habe die Widerstandsfähigkeit des derzeitigen Bullenmarktes viele überrascht. Nach Sektoren aufgeschlüsselt, würden Banken und Automobile bzw. Autozulieferer die Schlusslichter bilden. Besser würden sich hingegen Versorger- und Gesundheitsaktien behaupten.

So schön die Kursgewinne Anfang des Jahres auch gewesen seien, hätten 90 Prozent der untersuchten Titel gemessen in US-Dollar 2018 eine negative Gesamtrendite eingefahren. Den bisherigen Spitzenwert von 84 Prozent aus dem Jahr 1920 hätten sie damit spielend übertroffen, wie aus Daten von Deutsche Bank, Bloomberg Financial und GFD hervorgehe. Die Daten zur Geldmenge seien zwar weiterhin schwach, würden aber eine Bodenbildung andeuten, die auf eine wirtschaftliche Belebung in der zweiten Jahreshälfte hoffen lasse. Das sei für China - einen wichtigen Handelspartner Europas - besonders von Belang. Noch aber spiegele sich der stärkere Auftragseingang chinesischer Firmen nicht in den Umfragen unter Einkaufsmanagern aus der Eurozone wider.

Durch die jüngsten Entwicklungen im Handelsstreit zwischen Washington und Peking könnte die Einschätzung der Experten aber schon bald Makulatur sein. Anfang Mai hätten die Aktienmärkte rund um den Globus an Boden verloren. Auslöser sei Chinas Reaktion auf die Entscheidung Trumps gewesen, weitere Einfuhren aus dem Reich der Mitte im Wert von 200 Milliarden Dollar mit Strafzöllen von 25 Prozent zu belegen. Peking habe mit neuen Abgaben im Wert von 60 Milliarden Dollar auf US-Importe, darunter Lebensmittel, Maschinen und Konsumgüter gekontert. Eine sich zuspitzende Rhetorik könnte die Angst vor einer Rezession in Amerika schüren, bedenke man die historischen Signale, die von der Renditekurve ausgehen würden. Auf die Stimmung der Anleger dürften sich Letztere stärker auswirken.

Alles in allem locken Aktien aus Euroland nach Erachten der Experten von Janus Henderson Investors gegenwärtig mit gutem Wertpotenzial. Die Folgen des Zwists zwischen den USA und China dürften die Laune der Anleger auf kurze Sicht jedoch am stärksten beeinflussen. Gleichwohl seien kontinentaleuropäische Aktien aktuell deutlich günstiger bewertet als ihre US-Pendants. Und das trotz ihres prognostizierten stärkeren Gewinnwachstum je Aktie verglichen mit den USA und Großbritannien. Zudem würden Aktien aus Europa immer noch sehr verlockende Dividendenrenditen abwerfen gemessen an ihren aktuellen Spreads gegenüber zehnjährigen deutschen Bundesanleihen. Früher oder später würden sie nach Erachten der Experten attraktiv genug sein, um angesichts des Potenzials für langfristige Gesamtgewinne das Interesse der Anleger zu wecken. (Ausgabe vom 05.06.2019) (11.06.2019/fc/a/f)






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