IIV Mikrofinanzfonds: "Mikrofinanzfonds sind die beste Hilfe zur Selbsthilfe" - Fondsanalyse


05.10.18 11:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Edda Schröder hat mit ihrer Gesellschaft Invest in Visions 2011 den IIV Mikrofinanzfonds lanciert - den ersten, in den auch Privatanleger investieren können, so die Experten von "FONDS professionell".

Seitdem seien nur wenige weitere Portfolios dieser Art hinzugekommen. Mikrofinanzfonds würden häufig auf Kritik stoßen. Doch für Anleger, denen es außer um die finanzielle auch um die soziale Rendite gehe, sehe Schröder kaum Alternativen, wie sie im Interview mit FONDS professionell ONLINE erläutere.

Frau Schröder, was Mikrofinanzfonds angeht, gelten Sie in Deutschland als Pionierin. Wie kamen Sie auf die Idee, einen solchen Fonds aufzulegen?

Edda Schröder: Ich bin schon sehr lange Backpackerin, habe auf diese Weise viele Länder bereist und viel gesehen, natürlich auch Länder ohne funktionierende Finanzsysteme. Als ich 2006 Invest in Visions gegründet habe, dachte ich, es wäre doch eine gute Idee, Menschen in solchen Ländern die Möglichkeit zu geben, Finanzierungen für unternehmerische Projekte zu erhalten. Meiner Meinung nach ist das die beste Hilfe zur Selbsthilfe, die heute auch als Financial Inclusion bezeichnet wird. Ich habe dann zunächst im Jahr 2008 in Luxemburg einen Mikrofinanzfonds für institutionelle Anleger aufgelegt. Seit 2011 ist der IIV Mikrofinanzfonds am Markt, in den auch Privatanleger investieren können.

Warum sollten Privatanleger in Mikrofinanzfonds investieren? Was sind die Pluspunkte?

Schröder: Ein großer Pluspunkt ist natürlich die doppelte Rendite. Anleger erzielen finanzielle Erträge und tun gleichzeitig etwas Gutes. Die Mikrofinanzinstitute refinanzieren sich mit diesen Geldern. Der IIV Mikrofinanzfonds investiert in unverbriefte Darlehensforderungen an die Institute. Dieser Geldfluss ist wichtig für die Mikrofinanzinstitute, damit sie wachsen, eines Tages auch Spareinlagen annehmen und selbst Kredite vergeben können. Für die Kreditnehmer sind die Finanzierungen wichtig, damit sie unternehmerisch tätig sein können. Zudem werden sie nicht als Almosen empfunden, daher verletzen sie nicht das Ehrgefühl. Für den Anleger sind sie eine gute Beimischung im Portfolio. Sie korrelieren wenig mit anderen Anlageklassen, weisen eine Volatilität auf wie Geldmarktfonds, erzielen aber höhere Renditen.

In Zeiten dauerhafter Niedrigzinsen ist das sicher ein Argument für Mikrofinanzfonds. Befürchten Sie Mittelabflüsse, wenn die Zinsen wieder steigen?

Schröder: Steigende Zinsen hätten sicherlich einen Effekt auf Mikrofinanzfonds. Auch wenn andere Anlageklassen steigen, könnte es Abflüsse geben. Aber wer sein Geld abzieht, nur weil er an anderer Stelle höhere Renditen erwarten kann, hat die doppelte Rendite nicht ganz verstanden. Anlegern, die in Mikrofinanzfonds investieren, sollte schon klar sein, dass es neben der finanziellen immer auch um die soziale Rendite geht.

Ein Kritikpunkt sind die hohen Zinsen, die für die Kreditnehmer anfallen.

Schröder: In den Ländern, in denen wir mit Mikrofinanzinstituten zusammenarbeiten, herrscht ein ganz anderes Zinsniveau als in Europa oder den USA, das muss man wissen, bevor man von extrem hohen Kreditzinsen spricht. Zudem werden die Finanzierungen in der jeweiligen nationalen Währung vergeben, die meist viel volatiler ist als die Kredite, die wir in Dollar oder Euro vergeben. Für die Mikrofinanzinstitute selbst entstehen zudem hohe Kosten, da sie die Kreditnehmer regelmäßig vor Ort aufsuchen und dies angesichts der Infrastruktur sehr aufwendig ist. Natürlich ist auch das Ausfallrisiko eingepreist. Es ist nicht so, dass seriöse Institute ihre Marge künstlich hochschrauben und Wucherzinsen verlangen würden. Wir investieren nur in Institute, die marktgerechte Zinsen verlangen.

Wie stellen Sie sicher, dass Sie nicht an unseriöse Institute geraten?

Schröder: Wir haben ein breites Netzwerk, aus dem wir Informationen über unseriöse Institute bekommen. Dann sind wir mehrmals im Jahr auf einer Konferenz für Mikrofinanzinstitute, auf der es einen guten Austausch auch unter den anderen Investoren gibt. Wenn wir uns für ein neues Institut interessieren, machen wir anhand der Wirtschaftsberichte eine Due Dilligence. Wenn alles passt, besuchen wir das Institut. Danach entscheidet dann ein Komitee in Frankfurt über eine Zusammenarbeit.

Was wäre denn die Alternative zu Mikrofinanzfonds?

Schröder: Aus Sicht der Kreditnehmer wären es wohl nur Finanzierungen innerhalb der Familie oder von Kredithaien. Diese würden dann natürlich noch mal deutlich höhere Zinsen nehmen. Aus Sicht der Anleger wäre eine Alternative eventuell noch, einen direkten Mikrokredit über eine Plattform wie Kiva zu vergeben. Natürlich ist es auch gut, zu spenden, aber das ist ein ganz anderes Thema.

Vielen Dank für das Gespräch. (05.10.2018/fc/a/f)





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