Henderson Gartmore Emerging Markets Fund: EM-Aktien - Damit es in der Familie bleibt - Fondsanalyse


02.11.17 15:00
Janus Henderson Investors

London (www.fondscheck.de) - Glen Finegan, Head of Global Emerging Market Equities bei Janus Henderson Investors sowie der Fondsmanager des Henderson Gartmore Emerging Markets Fund (ISIN LU0113993801 / WKN 625958, R EUR ACC; ISIN LU0113993983 / WKN 625959, I EUR ACC; ISIN LU0201073169 / WKN A0DM8A, R USD ACC), glaubt, dass Familienbande eine mächtige Kraft zum Wohle von Unternehmen und Anlegern sein können.

Ein zentrales Ziel aller Unternehmen sei die Schaffung von Vermögen. Familienunternehmen würden der Langlebigkeit ihres Geschäfts jedoch häufig eine ebenso große Bedeutung beimessen. Jede Folgegeneration sei bestrebt, den Stab an die nächste weiterzureichen und den guten Familiennamen zu schützen. Nach Erachten der Experten sei diese Kombination eine wichtige Voraussetzung für eine langfristig orientierte und risikobewusste Kapitalallokation. Für die Experten sei sie ein Grund, solche Familienunternehmen bei Anlagen an den globalen Schwellenmärkten zu bevorzugen.

Die einzigartige Eigentümerstruktur von Familienunternehmen sorge bei diesen für eine langfristige Perspektive, die anderen Aktiengesellschaften häufig fehle. Ein umsichtiger Vorstandsvorsitzender, der Risiken und Ertrag abwäge, könne sich glücklich schätzen, wenn er bei einem börsennotierten Unternehmen lange am Ruder bleibe. Da Boni für das Management häufig von der Entwicklung des Aktienkurses abhängig gemacht würden, gehe von ihnen erheblicher Druck für eine bessere Performance des Unternehmens aus. Schon das geringste Nachlassen bei der vierteljährlichen Gewinnmaximierung dürfte die Abberufung zur Folge haben. Daher sei die Entscheidung eines Vorstandsteams nachvollziehbar, lieber konventionelle Fehler zu begehen, indem es der Herde folge und zu hohe Risiken eingehe, als keine Fehler zu machen.

Viele würden mit dem Begriff Familienunternehmen einen kleinen oder mittelgroßen, auf den Binnenmarkt ausgerichteten Betrieb verbinden. Dies werde der wichtigen Rolle, die familiengeführte Unternehmen in der Weltwirtschaft spielen würden, jedoch nicht gerecht. So seien Firmen wie Walmart, Heineken, Tata Group und Porsche nicht nur Familienunternehmen. Sie würden auch 30% an allen Unternehmen mit einem Umsatz über 1 Mrd. USD in den USA, Frankreich und Deutschland ausmachen. Das hätten Analysen der Boston Consulting Group (BCG) ergeben.

In Schwellenländern seien familienkontrollierte Unternehmen häufiger anzutreffen. BCG habe herausgefunden, dass sie in Indien und Südostasien rund 55% und in Brasilien 46% der Großunternehmen stellen würden. Ihre starke Marktpräsenz in dem Anlageuniversum der Experten und die Überzeugung der Experten, dass Familienunternehmen bei der Vermögensbildung weniger Risiko eingehen würden, erkläre, warum sie in ihrem Portfolio stark vertreten seien. Ende September 2016 sei auf familiengeführte Firmen über ein Viertel des investierten Kapitals entfallen und sie hätten fünf der Top-10-Positionen im Portfolio des Fonds gestellt. Sie könnten Engagements in einzelne börsennotierte Unternehmen wie Uni-President Enterprises beinhalten oder in eine Reihe von Firmen, die von einer Familie kontrolliert würden. Dies sei bei den börsennotierten Unternehmen Antofagasta, Quinenco und Compañia Cervecerias Unidas der Fall, die alle mehrheitlich von der Familie Luksic aus Chile beherrscht würden.

Je komplexer die Konzernstruktur, desto wahrscheinlicher sei es, dass die Interessen der Eigentümerfamilie nicht mit denen der übrigen Aktionäre übereinstimmen würden. Selbst bei einer einfachen Organisationsstruktur bestehe keine Garantie für Interessengleichheit. Wesentlich für Minderheitsaktionäre sei, ob Stimmrechte und Zugang zu Cashflows und finanziellem Ertrag in einem vernünftigen Verhältnis stünden.

Vertrauen müsse verdient werden. Und die Experten würden bei Familienunternehmen nicht automatisch davon ausgehen, dass eine gute und verantwortungsvolle Unternehmensführung immer die Oberhand über Habgier behalte. Der Fall des Vice Chairman von Samsung, Jay Y Lee, dem Bestechung von Regierungsvertretern im Gegenzug für Unterstützung bei der Fusion von Samsung C&T und Cheil Industries vorgeworfen werde, zeige, dass nicht alle von Familien gegründete Firmen über gute Führungsstrukturen verfügen würden, die die Minderheitsaktionäre schützen würden.

Die Experten würden diese Annahme mit ihren fundamentalen Bottom-up-Analysen hinterfragen, indem sie u.a. folgende Fragen stellen würden:

- Wie habe das Familienunternehmen seine Minderheitsaktionäre in der Vergangenheit behandelt?
- Welche Geschäfte mache die Familie abgesehen von ihrem gelisteten Unternehmen und würden sich daraus Interessenkonflikte ergeben?
- Are there good quality independent board members providing oversight?
- Würden im Aufsichtsrat erfahrene, unabhängige Mitglieder sitzen, die der Unternehmensführung auf die Finger schauen würden?
- Wie würden nicht finanzielle Interessengruppen wie Kommunalregierungen und Nichtregierungsorganisationen das Familienunternehmen beurteilen?

Diese Fragen und die Recherchen der Experten würden helfen, sich jenseits historischer Finanzkennzahlen ein Bild von der Qualität eines Unternehmens zu machen. Die Favoriten des Fondsmanagements seien Firmen, die Renditen generieren würden, ohne übermäßige Risiken einzugehen. Denn sie würden besser zu dem absoluten und weniger relativen Renditeansatz der Experten für Märkte mit höheren Risiken und mangelnder Rechtsstaatlichkeit passen.

Ein weiterer Vorteil langfristig orientierter Eigentümer, wie es die meisten Eigentümerfamilien seien, sei ihre Weitsicht. Die lasse sie manchmal Entscheidungen konträr zu denen der Geschäftsführung treffen, denn für das Management stünden tendenziell kurzfristige und dem Druck der Aktienmärkte geschuldete Ziele im Vordergrund. Ein Vorstandsvorsitzender mit kürzerem Zeithorizont treffe mitunter durch kurzfristige und häufig prozyklische Entwicklungen an den Aktienmärkten beeinflusste Entscheidungen, die aber dem Unternehmen auf lange Sicht schaden könnten. Das gelte besonders für Rohstoff- und zyklische Branchen.

Ein Beispiel für Weitsicht habe das von der Familie Luksic kontrollierte chilenische Bergbauunternehmen Antofagasta geliefert. Im Juli 2015 habe es die Übernahme einer exzellenten Kupfermine von einem in Schieflage geratenen Verkäufer bekannt gegeben. Im Unterschied zu vielen Wettbewerbern habe Antofagasta seine starke Bilanz in den letzten zehn Jahren behauptet. Es habe daher zuschlagen können, während andere Minengesellschaften unter sinkenden Kupferpreisen und hoher Schuldenlast gestöhnt hätten, die sie gezwungen hätten, sich von guten Beteiligungen zu trennen. Ein solches antizyklisches Verhalten wie das von Antofagasta würden die Experten von einem Minenunternehmen erwarten. Es erfordere jedoch ein Führungsteam, das kurzfristigem Marktdruck die Stirn bieten könne, so wie es die Eigentümerfamilie von Antofagasta getan habe.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Mit Familienunternehmen würden die Experten tendenziell die Überzeugung teilen, dass Investitionen langfristig getätigt werden sollten. Auch würden sie sich bei der Frage, welche Schuldenlast das Geschäft willens und in der Lage sei zu tragen, von einem höherem Bewusstsein für die Risiken leiten lassen.

In der modernen Unternehmensführung gelte eine angemessene Verschuldung als vernünftig, lasse sich mit ihr doch die Wertschöpfung durch die Hebelung der Renditen maximieren. Familienkontrollierte Firmen würden dagegen Schulden mit Unsicherheit und Risiko verbinden. Verbindlichkeiten würden den Handlungsspielraum in schwierigen Zeiten verringern und könnten dazu führen, dass man Banken oder Anleihegläubigern in Abschwungphasen ausgeliefert sei.

Schwellenmärkte würden besondere Rahmenbedingungen mit ständig wechselnden wirtschaftlichen, politischen, regulatorischen und finanziellen Faktoren kennzeichnen, die ein Unternehmen berücksichtigen müsse. Die bei vielen von Familien kontrollierten Firmen zu beobachtende Umsicht könne ihnen helfen, diese Faktoren für eine langfristige Wertschöpfung zu nutzen. Eigentümerfamilien mit guter Reputation, die die langfristige Herangehensweise des Fondsmanagements an Investitionen teilen würden, würden den Experten eine gute Möglichkeit für eine Anlage in Firmen bieten, deren Interessen mit den unsrigen im Einklang seien und mit denen das Fondsmanagement "risikobewusst" Renditen für seine Anleger generieren könne. (Ausgabe vom 01.11.2017) (02.11.2017/fc/a/f)





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