Gehlen Braeutigam Value HI Fonds: Small Caps, Great Value - Fondsanalyse


12.10.18 11:00
AnlegerPlus

München (www.fondscheck.de) - Viele Aktionäre träumen von ihrem eigenen Fonds, andere machen es einfach, wie Sven Köpsel in der aktuellen Ausgabe der "AnlegerPlus News" berichtet.

So wie Marc-Lennart Bräutigam (29) und Daniel Gehlen (27), die ihren Mut und ihr Erspartes zusammengenommen und mit dem Gehlen Braeutigam Value HI (ISIN DE000A2JF8Z7 / WKN A2JF8Z) nun ihr erstes Produkt gelauncht hätten. Warum die Ex-Barclays-Banker speziell bei Small und Micro Caps die größten Fehlbewertungen vermuten würden, würden sie im Interview erklären.

Wann und wie ist Ihre gemeinsame Idee, sich als Fondsmanager selbstständig zu machen, geboren?

Marc-Lennart Bräutigam: Der Traum, einen eigenen Aktienfonds zu managen, hat bei mir schon vor über zehn Jahren begonnen. 2009, nach dem Abitur, hatte ich das Thema bereits im Kopf. Irgendwann kam das Gefühl: Jetzt ist das Timing richtig, also habe ich gekündigt. Daniel hat kurz darauf auch gekündigt - und trotz langer Zusammenarbeit haben wir erst dann gemerkt, dass wir den gleichen Value-Investing-Ansatz im Kopf haben und es zusammen probieren sollten. Nach einem Jahr intensiver Vorarbeit konnten wir den Fonds dann starten.

Ihre Mission lautet: Small Caps, Great Value. Warum fokussieren Sie sich auf Nebenwerte?

Daniel Gehlen: Weil wir bei Nebenwerten und auch bei sehr kleinen Werten eine deutlich geringere Abdeckung durch große Investoren und durch Banken sehen. Unser Fokus liegt auf Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von unter 500 Mio. Euro, insbesondere sogar unter 200 Mio. Euro, weil wir die Chance für Fehlbewertungen dort am größten einschätzen.

Auch da gibt es Wettbewerb. Wie heben Sie sich von den Fondsmanagern ab, die in diesem Feld schon unterwegs sind?

Gehlen: Was wir speziell von Private-Equity-Investoren gelernt haben, ist, dass sich Analysten monatelang mit Unternehmen beschäftigen, auch versuchen, mit möglichst vielen Experten aus dem Umfeld zu sprechen. Die Trefferquote bei diesen Investments ist nachweislich höher. Deshalb haben wir lieber ein konzentrierteres Portfolio mit 20 bis 30 Titeln, wollen die Unternehmen dafür aber besonders gut kennen und damit Mehrwert schaffen.

Wie deckt man Fehlbewertungen konkret auf?

Bräutigam: Wir haben einen eigenen, vielschichtigen Ideengenerierungsprozess, suchen dabei zum einen nach Value-Charakteristika, also nach einem niedrigen Kurs-Gewinn- oder Kurs-Buchwert-Verhältnis. Auf der anderen Seite sind konträre Situationen sehr spannend, also beispielsweise die größten Börsenverlierer des Jahres, Indexaustritte oder missglückte Börsengänge.

Welche Werte haben es auf Anhieb in Ihre Auswahl geschafft?

Gehlen: In Deutschland finde ich den Frankiermaschinenhersteller Francotyp-Postalia sehr interessant! Auf den ersten Blick bewegt sich das Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung in einem vermeintlich abnehmenden Markt. Bis der letzte Brief geschrieben ist, wird aber noch sehr viel Zeit vergehen. Francotyp-Postalia stellt insbesondere Maschinen her, die für kleinere Volumina geeignet sind - und dieses Segment ist stabil bzw. wächst sogar leicht. Spannend ist auch die Technologie, mit der die Maschinen mit Cloud-Infrastrukturen verbunden sind und Daten auf höchstem Sicherheitsniveau übertragen werden. Diese IoT-Technologie ist auch für andere Anwendungen interessant und wird bereits von ersten Industriekunden genutzt.

Bräutigam: Zu meinen Favoriten zählt der österreichische Catering-Spezialist DO & CO. Der Kundenkreis - darunter die Premium-Airlines Emirates und Etihad Airways, die Formel 1, aber auch großen Stadien wie die Allianz-Arena in München - ist sehr hochkarätig. Die Aktie hat zwar schon ganz gut aufgeholt, bietet aber noch Potenzial.

Wie optimistisch sind Sie grundsätzlich für die nächsten 18 Monate?

Gehlen: Im Unterschied zu vielen Managern denken wir wirklich sehr langfristig, nehmen also Abstand davon, kurzfristige Aussagen zur Marktentwicklung zu machen. Wir schauen auf einzelne Unternehmen und kaufen dann, wenn es fundamentale Unterbewertungen und damit Gründe gibt.

Zurück zu Ihrem Fonds, dem Gehlen Braeutigam Value HI. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, die ersten Investoren für das Produkt zu gewinnen?

Bräutigam: Vor dem Launch spricht man natürlich mit vielen Investoren, darunter Privatbanken und Family Offices, aber auch Freunde, Familie und Bekannte. Das hat gut geklappt, weil wir uns im Vorfeld sehr viele Gedanken zu unserem Produkt gemacht haben und vielen Anlegern die Small und Micro Caps mit Value-Charakter als Beimischung noch gefehlt haben. Nach der Seed-Tranche mit etwas geringeren Gebühren - quasi als Dankeschön für den Vertrauensvorschuss - haben wir jetzt die Retail-Tranche gestartet, gegen Ende des Jahres folgt dann die Klasse für die institutionellen Anleger. Unser Ziel ist ein Fondsvolumen von 100 Mio. Euro - darauf arbeiten wir hin.

Gehlen: Ein wichtiges Argument in den Gesprächen war auch, dass wir die Anlagestrategie schon rund zweieinhalb Jahre in unserem privaten Portfolio getestet haben. Sehr erfolgreich übrigens, mit einer Gesamt-Performance von rund 80%. Und: Dass wir auch weiterhin unser eigenes Geld in den Fonds investieren, also das absolut gleiche Interesse wie unsere Kunden haben.

Haben Sie Vorbilder in der Branche?

Gehlen: Unser Ansatz ähnelt Benjamin Graham, dem Lehrmeister von Warren Buffett. Buffett sucht nach sehr guten Unternehmen, die er zu einem guten Preis kaufen kann. Wir dagegen wollen immer einen sehr guten Preis bekommen, kaufen daher oft extrem günstig ein, auch wenn die Aktien oberflächig betrachtet nicht immer schön sind.

Vielen Dank für das Gespräch! (Ausgabe 10/2018) (12.10.2018/fc/a/f)






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