GAMAX Funds Asia-Pacific: Chinas Fokus auf den Binnenmarkt - Die eigene Kaufkraft als Weg aus der Krise?


02.11.20 12:00
Mediolanum International Funds

Dublin (www.fondscheck.de) - Die chinesische Wirtschaft setzt ihre Erholung auch im dritten Quartal 2020 fort, so die Experten von Mediolanum International Funds Ltd.

Nach Angaben des National Bureau of Statistics of China sei das BIP des Landes in den drei Monaten bis zum 30.09. im Jahresvergleich um 4,9 Prozent gewachsen, verglichen mit einem Wachstum von 3,2 Prozent im zweiten Quartal. "Nachdem das Rekordhoch bereits im Februar erreicht wurde, gab es in Festland-China in den vergangenen Monaten praktisch kaum Neuinfektionen mit Covid-19 und das Leben normalisiert sich in immer mehr Bereichen", sage Stefan Breintner, Deputy Fund Manager des GAMAX Funds Asia-Pacific von Mediolanum International Funds. "Stationäre Einzelhandelsumsätze erholen sich, Restaurants in größeren Städten sind oftmals wieder zu mehr als 90 Prozent ausgelastet und auch Großveranstaltungen wie Hochzeiten oder Messen finden wieder statt." Besonders die Binnennachfrage spiele eine entscheidende Rolle bei der wirtschaftlichen Erholung, denn aufgrund des Verbotes von Auslandsreisen würden die Chinesen ihr Geld verstärkt innerhalb der eigenen Landesgrenzen ausgeben. Allerdings würden nicht alle Regionen von der steigenden Kauflaune profitieren.

Statt Fernreisen nach Europa oder in die USA würden Chinesen momentan überwiegend Kurz-Trips innerhalb Chinas beziehungsweise innerhalb der jeweiligen chinesischen Provinz unternehmen. Chinas größtes Online-Reisebüro, Ctrip, habe für die nationale Ferienwoche "Goldene Woche" Anfang Oktober mit 600 Millionen Inlandstouristen gerechnet, dies entspreche rund 40 Prozent der Bevölkerung. Die Erwartungen der Tourismusindustrie seien dementsprechend hoch gewesen. Vor allem in der Glücksspielhauptstadt Macau habe man mit einem deutlichen Anstieg der Besucherzahlen und steigenden Glücksspielerlösen gerechnet. Resort- und Kasino-Betreiber seien jedoch enttäuscht worden. "Im Vorfeld der Goldenen Woche gingen die Buchungsanfragen für Macau massiv nach oben, letztendlich kamen die Interessenten dann aber doch nicht", so Breintner. Laut eines chinesischen Regierungsberichts sei die Zahl der Besucher in den ersten sechs Tagen der Goldenen Woche im Vergleich zum Vorjahr um 87 Prozent gesunken. Die Glücksspielerlöse hätten 76 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen.

Während die Aussichten auf eine Erholung post-Corona für Macau relativ gut seien, werde sich der wirtschaftliche Rebound Hongkongs nach den Corona-Maßnahmen und den Ausschreitungen vermutlich deutlich länger hinziehen. "Das Fernbleiben der Touristen und Investoren vom chinesischen Festland belastet die Metropole enorm", so Breintner. "Die Transaktionspreise von Immobilien zum Beispiel haben vom Hoch inzwischen mehr als 20 Prozent nachgegeben und wir rechnen damit, dass sie weiter fallen."

Auch für Einzelhändler sehe es schlecht aus. Breintner sage: "Eine schnelle Erholung der Umsätze der Einzelhändler im Jahr 2021 ist aus heutiger Sicht genauso unrealistisch wie eine schnelle Rückkehr der Touristen aus Festland-China. Immobiliengesellschaften mit Hongkong-Schwerpunkt, Betreibern von Hotels und Restaurants sowie Einzelhändlern steht ein weiteres schweres Jahr bevor." Der Grund: Die Hongkong-Politik der chinesischen Zentralregierung genieße auf dem Festland großen Rückhalt. Festland-Chinesen sähen die Proteste als einen Angriff gegen sich und China. "Der Patriotismus in China hat unter Xi Jinping zugenommen. Länder oder Städte, die sich gegen China positionieren, werden von chinesischen Touristen in der Regel auf Jahre gemieden", so Breintner.

Gute Aussichten gebe es allerdings für die Retail-Branche im Rest des Landes. Der Luxussektor zum Beispiel verzeichne einen regelrechten Boom. Breintner sage: "Chinesische Konsumenten sind mit Abstand die wichtigste Kundengruppe der großen Luxuskonzerne. Während diese früher während ihrer Auslandsreisen gerne in Mailand, Paris, London oder New York gekauft haben, hat sich der Absatz durch die Corona-Maßnahmen komplett ins Inland verlagert. Betreiber von Luxusmalls in Tier-1/2-Städten wie Shanghai berichten deshalb von aktuell sehr guten Geschäften." Luxusunternehmen wie Esteé Lauder oder LVMH hätten in China im zweiten Quartal 2020 ein zweistelliges Umsatzwachstum verzeichnet. Allein am Wiedereröffnungswochenende seines Flagship-Stores in Guangzhou habe Hermés Mitte April 2020 an einem einzigen Tag 2,7 Millionen US-Dollar umgesetzt. Und der generelle Aufwärtstrend habe sich seitdem noch verstärkt. Die Boston Consulting Group schätze in einem aktuellen Bericht, dass die Nachfrage chinesischer Konsumenten nach Luxusprodukten in diesem Jahr um 30 Prozent steigen werde.

Auch für den Online-Handel laufe es gut. Die chinesische Handelsplattform Alibaba etwa habe vom Trend zum Home-Office in der Corona-Krise profitiert und seinen Umsatz von April bis Juni um rund 34 Prozent auf umrechnet etwa 18,8 Milliarden Euro steigern können.

China habe die Corona-Krise effektiv gemanagt und auch die jüngsten Wirtschaftsdaten würden überzeugen. In Hinblick auf das erwartete Wirtschaftswachstum für 2021 gebe es jedoch zahlreiche Unsicherheiten wie etwa den Handelskonflikt mit den USA. Aktuell lägen die Wachstumsprognosen für das chinesische BIP bei rund 8,4 Prozent. Der wachsende Binnenkonsum werde in den nächsten Jahren voraussichtlich der wichtigste Treiber und gleichzeitig auch Stabilisator des chinesischen Wachstums sein. Der Konsum stehe aktuell für etwa 38 Prozent des chinesischen BIP. In den westlichen Industrienationen liege dieser Anteil oft bei bis zu 70 Prozent, in den USA sogar etwas darüber.

"China will mit der Fokussierung auf den Binnenkonsum und der gezielten Förderung spezifischer Regionen und Technologien die eigene Wirtschaft unabhängiger vom Ausland machen. Ein wichtiges Ziel des neuen Fünf-Jahresplans, der im März 2021 verabschiedet werde, dürfte deshalb eine massive Stärkung der Binnennachfrage sein", sage Fondsmanager Breintner. "Das Beispiel Hongkong zeigt jedoch, dass nicht automatisch alle chinesischen Regionen und Branchen gleichermaßen von der wachsenden Inlandsnachfrage profitieren werden. Das sollten Anleger im Hinterkopf behalten." (02.11.2020/fc/a/f)





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