Franklin Natural Resources Fund: Ein elektrisierender Ausblick für die Metallnachfrage - Fondsanalyse


07.08.18 12:00
Franklin Templeton

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Lithium und seine Verbindungen werden schon seit Jahrzehnten auf unterschiedlichste Art und Weise eingesetzt, unter anderem in der Herstellung von Pharmazeutika und Chemikalien, berichten die Experten von Franklin Templeton im Kommentar zum Franklin Natural Resources Fund (ISIN LU0300741732 / WKN LU0300741732).

Die Beliebtheit, der sich Lithium in den letzten Jahren erfreut habe, sei jedoch in erster Linie auf die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien zurückzuführen, die Elektrofahrzeuge sowie Smartphones, Laptops und andere Produkte mit Strom versorgen würden.

Neben Lithium würden die Batterien auch erhebliche Mengen an Kobalt, Kupfer, Nickel und manchmal auch Mangan oder Aluminium enthalten. Die Hersteller seien bemüht, ihre Abhängigkeit von schwer zu beschaffenden Materialien zu verringern. Da für Elektrofahrzeuge jedoch sichere Batterien benötigt würden, die in der Lage seien, Höchstleistungen zu liefern, schreite dieser Prozess nur langsam voran. Angesichts des potenziell schnellen Wachstums von Elektrofahrzeugen würden sich Batterielieferanten Sorgen machen, dass kritische Elemente in den kommenden Jahren knapp werden könnten.

Der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge habe es Ende 2017 weltweit mehr als drei Millionen Elektrofahrzeuge gegeben. Mit rund 1,2 Mio. Fahrzeugen weise China derzeit den höchsten Bestand auf. Neben finanziellen Anreizen für die Herstellung und den Kauf investiere China auch große Summen in den Aufbau der Infrastruktur des Landes an Elektro-Ladestationen.

Andere Länder wie etwa Frankreich, Indien, Großbritannien und Norwegen möchten nachziehen und hätten inzwischen strikte Zieltermine vorgegeben, bis zu denen ein bestimmter Anteil ihrer Fahrzeuge elektrisch betrieben sein solle.

Auf der Grundlage dieser neuen Richtlinien gehe die IEA davon aus, dass bis 2030 bis zu 125 Mio. Elektrofahrzeuge weltweit unterwegs sein könnten. Sollte sich das Szenario einstellen, das von einer hohen Akzeptanz ausgehe und bei dem Elektrofahrzeuge bis 2030 30% des globalen Automobilmarkts ausmachen würden, könnten bis dahin - den Prognosen der Agentur zufolge - bis zu 220 Mio. Elektrofahrzeuge im Einsatz sein.

Unserer Einschätzung nach dürfte die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien von Technologieunternehmen und Fahrzeugherstellern exponentiell ansteigen, so die Experten von Franklin Templeton. Bereits heute hätten Automobilhersteller alle Hände voll zu tun, um ihre Versorgung sicherzustellen, da immer mehr Kunden ihre Benzinschleudern gegen elektrisch betriebene Alternativen mit deutlich geringeren Wartungs- und Betriebskosten eintauschen würden. Bloomberg rechne damit, dass die Nachfrage nach sowohl Lithium als auch Kobalt aus der Elektrofahrzeugbranche bis 2040 jährlich um durchschnittlich 20% steigen dürfte.

Aufgrund des zunehmenden Trends hin zu Elektrofahrzeugen seien die Preise für die beiden Metalle in den letzten beiden Jahren bereits drastisch gestiegen. Allein im Jahr 2017 sei bei Lithium und Kobalt ein Preisanstieg um jeweils 29% bzw. 129% verzeichnet worden, und auch die Aktien zahlreicher Hersteller hätten starke Kurssprünge verbucht.

Lithium sei ein relativ häufig vorkommendes Element. Daher würden zahlreiche Marktbeobachter davon ausgehen, dass genügend Lithium im Boden sein sollte, um den zukünftigen Bedarf für Elektroautos zu decken. Allerdings könnte die erhöhte Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge, Laptops, Drohnen und Smartphones Engpässe nach sich ziehen.

Lithium sei zwar recht häufig vorzufinden, die Verarbeitung von natürlich vorkommendem Lithium bis zur Erreichung von Formen und Reinheitsgraden, die für einen Einsatz in modernen Batterien geeignet seien, könne sich jedoch schwierig gestalten. Als Reaktion auf die erwartete Nachfragesteigerung würden Produzenten derzeit neue, effizientere Verarbeitungszentren errichten. Es könne jedoch mehrere Jahre dauern, bis ein neues Werk die für eine Nutzung in Batterien für Elektrofahrzeuge erforderlichen Lithium-Spezifikationen erreiche.

Was Kobalt angehe, werde praktisch die gesamte Produktion weltweit (99%) über Nebenprodukte erzielt, wobei geringe Mengen an Kobalt aus bestimmten großen Kupfer- und Nickelminen weltweit gewonnen würden. Dies mache eine Ausweitung des Angebots schwierig. Die Nickel- und Kupfermärkte seien zwar bereits sehr viel größer und würden unterschiedlichste Nachfragesegmente aufweisen, das Wachstum bei Elektrofahrzeugen könnte jedoch immer noch erheblichen Einfluss auf die Nachfrage haben - insbesondere in Kombination mit den derzeit beschränkten Investitionen in neue Bergwerke.

Trotz des rosigen Ausblicks der IEA für die Verbreitung von Elektrofahrzeugen dürfte die weitere Entwicklung während der nächsten zehn Jahre kontrovers diskutiert werden. Einerseits erscheine es offensichtlich, dass Elektrofahrzeuge angesichts der immer strikteren staatlichen Abgasnormen und des zunehmenden Verbraucherwunsches nach schadstoffarmen Fahrzeugen künftig einen wichtigen Teil des Transportmixes ausmachen würden. Andererseits sehen wir kurzfristig mehrere mögliche Produktionsprobleme hinsichtlich der Metalle, die für die Batterien von Elektrofahrzeugen benötigt werden, so die Experten von Franklin Templeton. So lägen beispielsweise bei neuen Minen in der Regel rund 15 Jahre zwischen dem Zeitpunkt der Entdeckung und der Aufnahme der Produktionstätigkeit.

Bergbauunternehmen würden diese Vorlaufzeit für Explorationsarbeit, ingenieurtechnische Untersuchungen und ordnungsgemäße Umweltschutzmaßnahmen benötigen, bevor sie den Bau neuer Bergwerke überhaupt erst in Erwägung ziehen könnten.

Je nach Region gestalte sich der Bergbau schwierig. So würden ca. 63% der weltweiten Kobaltproduktion aus der Demokratischen Republik Kongo stammen. Zudem befänden sich dort viele unterentwickelte und kostengünstige Kupfer- und Kobaltvorkommen. Hieraus würden sich zahlreiche sehr spezielle operative und aufsichtsrechtliche Schwierigkeiten sowie eine Konzentration des Versorgungsrisikos für die Elektrofahrzeugbranche ergeben.

Batteriehersteller würden stets nach Möglichkeiten suchen, um den Kobaltgehalt von Lithiumbatterien zu reduzieren. Für mehrere der führenden chemischen Verfahren für Batterien stelle dies jedoch nach wie vor eine kritische Sicherheits- und Leistungskomponente dar.

Es gebe eine ganze Reihe von Lithiumprojekten, die derzeit vorangetrieben würden. Allerdings gebe es in der jüngeren Vergangenheit nur relativ wenige Beispiele für Situationen, in denen Rohstoffunternehmen versucht hätten, eine so starke Produktionsausweitung innerhalb eines so kurzen Zeitraums zu erzielen. Auf Basis unserer Erfahrung ist nur eines sicher: Keines der Projekte wird rechtzeitig und innerhalb des vorgesehenen Budgets fertiggestellt werden, so die Experten von Franklin Templeton.

Auf dem Papier scheinen die Lithium-Fördermengen den aktuellen Nachfrageszenarien voraus zu sein, was mehrere Analysten dazu veranlasst hat, pessimistische Prognosen zu veröffentlichen, so die Experten von Franklin Templeton. Die echte Herausforderung bei Lithium bestehe aber vielmehr in der Fähigkeit, das Material zu verarbeiten und auf ein höherwertiges, für den Einsatz in Batterien geeignetes Produkt aufzuwerten. Daher seien die Experten der Ansicht, dass Unternehmen, die in der Lage seien, mit einem hohen Grad an Zuverlässigkeit ein hochwertiges und für Batterien geeignetes Produkt zu liefern, am besten positioniert seien, um vom Wachstum der Nachfrage zu profitieren.

Die massenhafte Verbreitung von Elektrofahrzeugen habe Folgen, die über Batterien hinausgehen würden. So würden etwa Verbesserungen an der Infrastruktur erforderlich sein, um Hochgeschwindigkeits-Ladenetze zu schaffen. Es müssten neue Stromquellen zur Bereitstellung der benötigten Energie entwickelt werden, und die Stromverteilungsnetze müssten in weiten Teilen der Welt deutlich aufgerüstet werden, um eine Hochspannungsaufladung zu Hause zu ermöglichen. Diese Verbesserungen würden den Ausblick für die Kupfer- und Aluminiumnachfrage begünstigen.

Alles in allem gehen wir davon aus, dass sich aus der weltweiten Einführung von Elektrofahrzeugen während des nächsten Jahrzehnts ein günstiges Umfeld für Metalle entwickeln wird, so die Experten von Franklin Templeton. Somit sähen die Experten Chancen bei Rohstoffunternehmen, die in den Bereichen engagiert seien, die sich als die wichtigsten Bausteine einer elektrifizierten Zukunft erweisen würden. (Ausgabe 79 vom August 2018) (07.08.2018/fc/a/f)





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