Franklin Diversified Fonds: Zu wenig, zu spät?


07.11.19 08:30
Franklin Templeton

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Deutschlands Industrie schwächelt und droht auch den Dienstleistungssektor anzustecken. Das Wachstum der gesamten Eurozone steht auf dem Spiel, so Matthias Hoppe von Franklin Templeton, Portfolio Manager der Franklin Diversified Fonds: Franklin Diversified Conservative Fund, Franklin Diversified Balanced Fund, Franklin Diversified Dynamic Fund.

Die deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute, die im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie halbjährliche Prognosen erstellen würden, hätten Anfang Oktober ihre "Gemeinschaftsdiagnose" veröffentlicht. Die 139. Ausgabe trage den Titel "Industrie in der Rezession - Wachstumskräfte schwinden".

Besser - und drastischer - hätte man die aktuelle Lage der deutschen Konjunktur nicht zusammenfassen können. Seit Anfang 2018 kühle sich die Wirtschaftslage in Deutschland ab. Handelskonflikt, Brexit, das schwächere Wachstum in China - das seien nur einige Gründe, warum die Nachfrage nach deutschen Investitionsgütern zurückgegangen sei. Noch kühler sei es in den Sommermonaten dieses Jahres geworden: Die zuletzt veröffentlichten Daten würden zeigen, dass die Industrieproduktion im Jahresvergleich um 4% gesunken sei. Hinzu komme die Krise der deutschen Automobilbranche. Allein hier habe sich die Produktion im Vergleich zum Vorjahr um 4,5% verringert.

Damit schneide Deutschland auch im europäischen Vergleich momentan relativ schlecht ab und drohe, auch die Konjunktur der Eurozone herunterzuziehen. Immerhin erkläre Deutschlands Wirtschaftskraft fast 30% des gesamten Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Währungsunion. Investoren würden sich bereits fragen, wann denn endlich seitens der Politik gehandelt werde.

Die Europäische Zentralbank (EZB) habe die Zinskosten für die Mitglieder der Eurozone bereits auf ein Rekordtief geschraubt. Die Länder könnten somit mehr ausgeben. Theoretisch. In der Eurozone sei die Zuständigkeit für die Fiskalpolitik, anders als die Geldpolitik, Sache der nationalen Regierungen. Die Haushaltspolitik unterliege zwar einem gemeinsamen Satz von Vorschriften und länderspezifischen Vereinbarungen, die Umsetzung sei aber am Ende Ländersache. Aber wer mache den ersten Schritt?

Insbesondere von ausländischen Investoren werde erwartet, dass endlich eine "fiskalpolitische Bazooka" abgefeuert werde. Das Problem: Von den großen Staaten in der Eurozone habe im Prinzip nur Deutschland Spielraum, finanzpolitisch etwas zu tun.

Und so nehme der Druck auf die deutsche Politik zu. Denn es stehe die Konjunktur der gesamten Eurozone auf dem Spiel. Doch die Regierung sehe momentan keinen Anlass für Interventionen der Wirtschaftspolitik. Sie glaube, dass die im Abgaben- und Transfersystem verankerten automatischen Stabilisatoren weiterhin ausreichend seien, um den konjunkturellen Abschwung abzufedern. So sähen das im Übrigen auch die meisten an der "Gemeinschaftsdiagnose" beteiligten Wirtschaftsforschungsinstitute.

Dabei könnte Deutschland eine strukturelle Ausweitung des Haushalts von rund 100 Mrd. Euro umsetzen, ohne gegen europäische Regeln zu verstoßen. Wäre da nicht die im Grundgesetz verankerte "Schuldenbremse", die strenger sei als die europäischen Regeln. Nach Schätzungen von Ökonomen der Bank HSBC dürfte die Schuldenbremse die strukturelle Expansion im nächsten Jahr auf 20 bis 25 Mrd. Euro begrenzen. Vermutlich werde Deutschland - wenn überhaupt - zu spät und zu wenig machen.

In der "Gemeinschaftsdiagnose" würden die finanzpolitischen Maßnahmen der nächsten Jahre analysiert. Die Lockerung betrage laut den Forschern in diesem Jahr 0,6% des BIP, im Jahr 2020 dann 0,5% und 2021 nochmals 0,6%. In den Jahren 2019 und 2020 sei der Großteil der prognostizierten Lockerung vorwiegend auf höhere Ausgaben und nicht auf niedrigere Steuern und Einnahmen zurückzuführen.

Dabei sei diese Finanzpolitik nicht das Ergebnis einer durchdachten Gesamtstrategie - sie sei eine Ansammlung von Einzelmaßnahmen. Tatsächlich liste die "Gemeinschaftsdiagnose" für den Zeitraum 2019 bis 2021 insgesamt 49 Einzelmaßnahmen auf (Kindergeld, Baukindergeld, Erhöhung des Wohngelds, Kaufbonus E-Mobilität, usw.). Die größte Maßnahme komme 2021. Dann werde der Solidaritätszuschlag abgeschafft - ein Gutachten des Bundesrechnungshofes spreche sich aus verfassungsrechtlichen Gründen ohnehin dafür aus.

"Was ist mit dem Klimapaket?" habe Matthias Hoppe sein Kollege aus den USA in der Hoffnung gefragt, vielleicht hier eine "Bazooka" zu entdecken. Hoppe habe ihn enttäuschen müssen: Nach Angaben der Regierung belaufe sich das Gesamtvolumen auf 54 Mrd. Euro - oder 1,5% des BIP. Nicht alle Ausgaben seien dabei neu. Im Jahr 2020 solle es ein Volumen von 8,8 Mrd. Euro oder 0,25% des BIP geben. Der geschätzte Netto-Fiskalimpuls: 1,8 Mrd. Euro, das wären 0,05% des BIP.

Warum mache Deutschland nicht mehr? Zum einen habe sich die große Koalition einen ausgeglichenen Haushalt verschrieben - die berühmte "schwarze Null". Im Gegensatz zu anderen Ländern im Süden Europas werde das von der Mehrheit der deutschen Wähler nicht als Einschränkung, sondern als politische Tugend gewertet. Zum anderen müsse Deutschland auf europäischer Ebene den Musterschüler geben, wenn sich andere Länder an die Regeln halten sollten.

Das Mantra der "schwarzen Null" könnte jedoch aufgeweicht werden, sollte sich die Konjunktur weiter abschwächen. In ihrem Entwurf des Haushaltsplans, der Mitte Oktober der Europäischen Kommission gemeldet worden sei, rechne die Regierung zwar weiterhin mit einem ausgeglichenen Haushalt - aber die Berechnung basiere auf einem prognostizierten Wachstum des BIP von 1,5%. Damit liege die Zahl deutlich über den Konsensprognosen, die vom Nachrichtendienst Bloomberg berechnet würden.

Die Schar der befragten Volkswirte gehe im Schnitt für 2020 von einem Wachstum von 0,8% aus. Interessant: Vor sechs Monaten habe die Prognose noch bei 1,4% gelegen.

Die Wirtschaftsinstitute jedenfalls seien der Meinung, dass der wirksamste finanzpolitische Stabilisierungsbeitrag darin bestehe, "die öffentlichen Haushalte mit der Konjunktur atmen zu lassen" (Zitat). Hierzu biete die Schuldenbremse explizit Spielraum. Sie würden davon abraten, im Falle einer stärkeren als vorhergesagten Konjunkturschwäche an der "schwarzen Null" festzuhalten. Dies würde auch dem Mechanismus der automatischen Stabilisatoren entgegenwirken.

Bleibe der Rest der Eurozone. Die Ökonomen von HSBC hätten die Haushaltsentwürfe für 2020 aller Länder der Eurozone analysiert. Der finanzpolitische Impuls, nach Abzug von Zinseinsparungen, dürfte laut den Experten im kommenden Jahr etwa 0,4% des BIP betragen. Der Großteil der Maßnahmen fokussiere sich dabei auf die Unterstützung des inländischen Konsums. Die Volkswirte würden schätzen, dass aber Ausgaben von mindestens 1% des BIP erforderlich wären, um die Eurozone an ihr potenzielles Wachstum anzunähern. Sie kämen zum Schluss, dass eine gewisse fiskalpolitische Lockerung erkennbar sei, eine "Bazooka" sei das aber nicht - eher eine Wasserpistole. (Ausgabe 94 vom November 2019) (07.11.2019/fc/a/f)





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