Franklin Diversified Fonds: Virus und Wirtschaft


05.03.20 13:30
Franklin Templeton

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Matthias Hoppe, Portfolio Manager der Franklin Diversified Fonds - Franklin Diversified Conservative Fund, Franklin Diversified Balanced Fund, Franklin Diversified Dynamic Fund - von Franklin Templeton, analysierte bereits in der letzten Ausgabe die Auswirkungen des Coronavirus auf die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte - aufgrund der letzten Ereignisse musste der Ausblick angepasst werden.

Bis zur vorletzten Februarwoche sei es sowohl an den Aktien- als auch an den Rentenmärkten stramm nach oben gegangen. Die Aktienmärkte hätten sich bisher nicht aus der Ruhe bringen lassen. Vom Jahresanfang bis zum 19. Februar sei der US-Aktienindex S&P 500 um 5% gestiegen, das europäische Pendant STOXX 600 um 4,5%. Befürchtungen, dass das Coronavirus über die Unterbrechung von Lieferketten und einem Einbruch der globalen Nachfrage auf das globale Wachstum überspringen würde, hätten den Aktienmärkten wenig anhaben können.

Interessanterweise seien im selben Zeitraum auch die Renditen von "sicheren Häfen", wie etwa Bundesanleihen und US-Staatsanleihen, sehr stark gefallen - entsprechend positiv sei die Wertentwicklung gewesen. Die Rendite von 10-jährigen Bundesanleihen sei vom Anfang des Jahres bis zum 19. Februar von -0,18% auf -0,41% gefallen! Anleihen hätten somit bereits seit Jahresanfang "Gefahr im Verzug" signalisiert, Aktienmärkte aber hätten "kein Problem" gesagt.

Die Ausbreitung des Coronavirus außerhalb Chinas sei dann aber in der letzten Februarwoche nicht mehr spurlos an den Finanzmärkten vorübergegangen. Der sprunghafte Anstieg von Infizierten, vor allem in Südkorea und Italien, habe Befürchtungen einer Pandemie geweckt. An den Aktienmärkten hätten die Nachrichten eine heftige Korrektur ausgelöst. Die Renditen von US-Staatsanleihen und von Bundesanleihen seien noch einmal gerutscht, die Renditen 10-jähriger US-Staatanleihen hätten sogar ein historisches Tief erreicht.

Die Reaktion an den Kapitalmärkten ziele darauf ab, die wirtschaftlichen Erwartungen im Zuge der Nachrichten zu korrigieren. Angesichts der extremen Ungewissheit darüber, wie viel wirtschaftlichen Schaden die Bemühungen um die Eindämmung des Virus letztendlich verursachen würden, habe der globale Aktienindex MSCI All Country World vom 19. Januar bis zum 28. Februar rund 11,5% (in US-Dollar) verloren. Die Performance der unterschiedlichen Sektoren habe entsprechend stark divergiert: Wachstumssensitive Sektoren wie Energie und Finanzen hätten deutlich schlechter abgeschnitten als defensive, nicht-zyklische Sektoren wie REITs, IT und Versorger. Die größten Verluste würden sich auf Sektoren konzentrieren, die offensichtlich am stärksten betroffen seien, wie etwa Tourismus und Verkehr, und bei Unternehmen, die ausdrücklich darauf hingewiesen hätten, dass sie negative Folgen erwarten würden.

Mehrere Firmen hätten bereits Umsatz- und Gewinnwarnungen gemeldet. Apple habe seine Umsatzprognose für das erste Quartal 2020 nach unten revidiert, da die Epidemie die Verkäufe von iPhones und die Produktion verlangsamt habe. Das Unternehmen habe wegen des Ausbruchs auch alle Läden auf dem chinesischen Festland geschlossen. In Südkorea habe Samsung die Produktion von Smartphones vorübergehend eingestellt. Diageo, der Hersteller von Johnnie-Walker-Whisky, rechne mit einem Umsatzeinbruch für dieses Jahr, nachdem Bars und Restaurants in vielen Teilen Chinas geschlossen worden seien.

Obwohl die Fälle in China vielleicht ihren Höhepunkt erreicht hätten, bestehe das Risiko, dass das Virus noch mehr Länder, die bisher noch nicht davon betroffen gewesen seien, erreiche. Die Sterblichkeitsrate von 2% bis 3% sei zwar niedriger als die 9% bei SARS im Jahr 2003, aber die Übertragungsgeschwindigkeit sei höher. Die Zahl der weltweit Infizierten könnte noch deutlich höher werden, bevor sie anfänge zu fallen. Auch eine zweite Welle von Infektionen in China, sobald dort die Arbeit in den Unternehmen wieder aufgenommen werde, könnten Gesundheitsexperten nicht ausschließen.

All diese Annahmen seien mit hoher Unsicherheit verbunden. Es bleibe nur die ernüchternde Erkenntnis, dass sich dieses Virus von anderen Epidemien unterscheide und es in den vergangenen Jahrzenten keinen für die Kapitalmärkte als Vergleich nützlichen Präzedenzfall gebe. Und so würden die Finanzmärkte das bis vor Wochen erzählte Narrativ einer V-förmigen Erholung im 2. Quartal infrage stellen.

Wie gehe es also weiter? Vor der globalen Ausbreitung des Virus waren wir recht positiv für das globale Wachstum und die Entwicklung für die Aktienmärkte gestimmt, so die Experten von Franklin Templeton. Die Gründe hierfür hätten die Experten von Franklin Templeton in der global lockeren Geldpolitik, allen voran in den USA und der Eurozone, der damit verbundenen hohen Liquidität und der sich langsam bemerkbar machenden Erholung der Wirtschaftsaktivität weltweit gesehen. Die Geldpolitik und die Liquidität seien immer noch positive Faktoren. Die wirtschaftliche Erholung hingegen stehe auf der Kippe.

Nach dem Handelskonflikt zwischen den USA und China in 2018 und 2019 komme ein erneuter wirtschaftlicher Schock, jetzt durch das Coronavirus, für die Weltwirtschaft zu einem undenkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Von den Ökonomen seien die Prognosen für 2020 für das Wachstum des Bruttoinlandprodukts für große Volkswirtschaften bereits nach unten revidiert worden, insbesondere für China und Südkorea. Japan, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, könnte sich bereits in einer Rezession befinden.

Die Anleihemärkte würden mittlerweile bis zur US-Präsidentenwahl im November zwei Zinssenkungen von jeweils 25 Basispunkten einpreisen. Dabei nähmen die Anleihemärkte den Zentralbanken die Arbeit ab. Nach Brexit und dem US-China-Handelskonflikt habe das Coronavirus den dritten großen globalen Zinsschock der letzten vier Jahre ausgelöst. Die gesamte Zinsstrukturkurve sei in zahlreichen Märkten für Staatsanleihen mittlerweile negativ. In elf Ländern seien selbst Anleihen über zehn Jahre Laufzeit bei negativen Renditen, darunter Deutschland, die Schweiz und Frankreich.

Weltweit würden fast 14 Billionen US-Dollar an verzinslichen Wertpapieren eine negative Rendite aufweisen. Anfang Januar seien es noch 11 Billionen US-Dollar gewesen.

Noch niedrigere Zinssätze könnten natürlich nichts gegen eine globale Pandemie ausrichten. Aber sie könnten dazu beitragen, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus abzuschwächen. Der Haken dabei: Da der Markt in der Annahme kommender Zinssenkungen diese bereits fest eingepreist habe und sich bereits jetzt bemerkenswert niedriger Kapitalkosten erfreue, hätte eine weitere Senkung wahrscheinlich nicht die gleichen positiven Auswirkungen wie in der Vergangenheit.

Trotzdem gebe es keinen Grund zur Panik. Zwar werde sich die globale Erholung nach hinten verschieben. Dennoch würden die Experten von Franklin Templeton für das dritte, spätestens aber das vierte Quartal mit einem erneuten, wenngleich schwachen Aufwärtstrend rechnen. Denn zum einen bestehe aufgrund der unterbrochenen Lieferketten und geschlossenen Fabriken in China Nachholbedarf durch die globale Nachfrage.

Des Weiteren dürfte China erhebliche fiskal- und geldpolitische Impulse setzen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. So habe allein die Chinesische Zentralbank in dem Bemühen, die Märkte zu stabilisieren, dem lokalen Banken- und Finanzsystem bereits Liquidität im Gegenwert von Hunderten von Milliarden US-Dollar zugeführt.

Allerdings sind die Vorteile fiskal- und geldpolitischer Anreize bei einem Angebotsschock, wie wir ihn aktuell erleben, weniger eindeutig als bei einem Nachfrageschock, so die Experten von Franklin Templeton.

Ein Problem bleibe: Trotz der Kurskorrekturen seien Aktien immer noch nicht wirklich günstig. In den vergangenen zwei Jahren seien die Kurse stärker gestiegen als die Unternehmensgewinne - was das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) habe ansteigen lassen. Auf der anderen Seite könne ein höheres KGV auch mit den extrem niedrigen Zinsen gerechtfertigt werden. Mit immer weiter sinkenden Zinsen würden Aktien immer attraktiver.

Ein starker und sprunghafter Renditeanstieg an den Bondmärkten wäre ein signifikantes Risiko für die Aktienmärkte, da dies zu einer Neubewertung führen würde. Dieses Risiko dürfte momentan aber relativ gering sein, auch weil die Inflation durch die negativen Folgen des Virus nicht steige.

Die Experten von Franklin Templeton würden glauben, dass die derzeitige Korrektur Chancen bieten werde, zusätzliches Engagement in Risikoanlageklassen wie etwa Aktien aufzubauen - aber Anleger müssten geduldig sein. Die Bewertungen könnten noch weiter unter Druck geraten, da die Unsicherheit über die Auswirkungen des Coronavirus auf die Weltwirtschaft sehr wahrscheinlich noch einige Wochen hoch bleiben werde. (Ausgabe 98 vom März 2020) (05.03.2020/fc/a/f)





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