Franklin Diversified Fonds: Virus und Wirtschaft


07.02.20 12:00
Franklin Templeton

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Matthias Hoppe, Portfolio Manager der Franklin Diversified Fonds - Franklin Diversified Conservative Fund, Franklin Diversified Balanced Fund, Franklin Diversified Dynamic Fund - von Franklin Templeton, analysiert, welche Auswirkungen der Ausbruch des Coronavirus auf die internationalen Finanzmärkte haben könnte.

Die Ausbreitung des Coronavirus in China beunruhige die Kapitalmärkte. Dabei habe das Jahr an den Börsen gut angefangen. Selbst die kurze Eskalation im Konflikt zwischen den USA und Iran gleich zu Jahresbeginn habe den Aktienmärkten wenig anhaben können.

Mehr und mehr Konjunkturindikatoren sprächen für eine Stabilisierung der Weltwirtschaft, in einigen Teilen der Welt sogar für eine leichte Besserung. So würden die jüngsten Exportzahlen aus Südkorea und Taiwan, die als Frühindikatoren für die globale Wirtschaftsaktivität gelten würden, auf eine Erholung hindeuten. Ebenso die globalen Halbleiterverkäufe, die ihren Tiefststand von 2019 hinter sich gelassen hätten. Die Talsohle des Abschwungs, der im vergangenen Jahr vor allem im Verarbeitenden Gewerbe begonnen habe, scheine durchschritten.

Dieser zarte Aufschwung scheine nun aber gefährdet. Der Ausbruch des Coronavirus, welches mit einer neuartigen, lungenentzündungsähnlichen Krankheit einhergehe, könnte auch negative Folgen für die Weltwirtschaft haben. Der Ausbruch des Virus erinnere an SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) im Jahr 2003. SARS habe ebenfalls seinen Ursprung in China gehabt und das Wirtschaftswachstum für zwei Quartale ausgebremst.

Aber die negativen Auswirkungen von SARS auf die Konjunktur seien kurzlebig gewesen. Im 2. Quartal 2003 sei die jährliche Veränderungsrate des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwar von 11,1% im Vorquartal auf 9,1% gefallen. Im 2. Halbjahr 2003 habe das jährliche Wachstum aber wieder 10% betragen. Im 1. Halbjahr 2004 habe die Rate dann wieder bei 11% gelegen.

Das Corona-Virus, das seinen Ursprung auf dem Fisch- und Geflügelmarkt der zentralchinesischen Stadt Wuhan in der Provinz Hubai haben solle, sei mittlerweile über die Grenzen Chinas gelangt, habe inzwischen mehr als 17.000 Menschen infiziert und bereits Todesopfer gefordert. Das Virus scheine aber weniger tödlich zu sein als SARS, so die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) - allerdings seien die Zählungen erst am Anfang des Ausbruchs und der Höhepunkt der Infektionen sei noch nicht bekannt. Die Sterblichkeitsrate des aktuellen Virus liege bei 2% bis 3% im Vergleich zu 10% bei SARS und die überwiegende Mehrheit der aktuellen Todesfälle konzentriere sich auf ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Die WHO habe dann doch nach der rapiden Zunahme von Infektionen in China am 31. Januar eine "gesundheitliche Notlage von internationaler ­Tragweite" ausgerufen.

Während es 2003 wenig Vertrauen in die Reaktion Chinas auf die Epidemie gegeben habe, hätten dieses Mal die Behörden schnell und transparent reagiert. Das komplette Genom des Virus habe entschlüsselt werden können und sei auch veröffentlicht worden. So hätten bereits sehr früh Tests zur Verfügung gestanden. Um der steigenden Zahl der Fälle entgegenzuwirken, habe China den Reiseverkehr in Wuhan, einer Stadt mit 11 Millionen Einwohnern, eingestellt. Ähnliche Maßnahmen seien auch in anderen Städten durchgeführt worden. Viele öffentliche Veranstaltungen seien abgesagt worden.

Der erste Fall sei am 30. Dezember gemeldet worden, doch die Zahl der Kranken sei ausgerechnet zu Beginn des chinesischen Neujahrsfests, welches dieses Jahr vom 25. Januar bis zum 8. Februar stattfinde, angestiegen. Während dieser Zeit seien die Reisetätigkeit und die öffentlichen Versammlungen am höchsten - es sei von der größten jährlichen Wanderung der Welt die Rede, da Millionen Menschen quer durchs Land reisen würden, um ihre Verwandten zu besuchen. Entsprechend stark sei die Wirtschaftstätigkeit zu dieser Jahreszeit. Sowohl die menschlichen als auch die wirtschaftlichen Auswirkungen würden durch den Zeitpunkt des Ausbruchs verstärkt, ähnlich wie bei SARS, das ebenfalls während des Neujahrsfestes 2003 seinen Höhepunkt erreicht habe.

Aus makroökonomischer Sicht würden der Konsum- und der Reisesektor in China wahrscheinlich am stärksten betroffen sein, so genannte Spillover-Effekte auf die Weltwirtschaft durch Unterbrechung des Handels und der Lieferketten seien nicht auszuschließen. Sollte das Virus zu einem langsameren Wachstum in China führen, würde das nur eine bescheidene Wachstumsbremse für Europa bedeuten, so die Ökonomen der Bank HSBC. Der direkte Handel der Eurozone mit dem chinesischen Festland sei begrenzt: Nur 8% der Exporte, die in Länder außerhalb der Eurozone gehen würden. Laut den Berechnungen der HSBC-Volkswirte bedeute eine Verlangsamung des BIP-Wachstums in China um 1 Prozentpunkt eine Verringerung des BIP in der Eurozone um 0,1 Prozentpunkte.

Eine echte Gefahr bestehe dann, wenn es zu einer hohen Übertragungsrate und einer hohen Todesrate kommen sollte. Dafür gebe es laut WHO aber noch keine Anzeichen. Zum Vergleich: Grippeinfektionen hätten in der Saison 2018/19 nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) rund 852 Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Insgesamt seien über 181.000 Fälle gezählt worden. In der Grippewelle von 2017/18 seien sogar 25.100 Menschen allein in Deutschland gestorben.

Eine andere Wirkungskette wäre über Vertrauenseffekte. Aufgrund der Ausbreitung des Virus könnte der Handel nochmals ins Stocken geraten. So habe sich der Handelskonflikt seit 2018 als eine erhebliche Belastung für das Vertrauen der Unternehmen in Europa erwiesen - und sich somit negativ auf die Investitionen ausgewirkt.

Viele Investoren seien deshalb nervös. Sie würden auf die Marktreaktion beim Ausbruch von SARS verweisen. US-Aktien seien ab der Meldung des ersten SARS-Falls Ende 2002 bis zum Tief von 2003 um fast 13% gefallen. Der MSCI China Index sei in der Phase um über 8% gefallen. Ein wichtiges Ereignis zu dieser Zeit mache den Vergleich aber fraglich: Der Irak-Krieg, der am 19. März 2003 begonnen habe. Die US-Regierung habe bereits Anfang September 2002 damit begonnen, die Argumente für einen Krieg zu entwickeln. Der US-Kongress habe einem militärischen Angriff Mitte Oktober 2002 zugestimmt. Einen Monat später sei in Guangdong der erste Fall von SARS gemeldet worden. Der Irak-Krieg habe eine Woche begonnen, nachdem die WHO eine weltweite Warnung vor SARS herausgegeben habe.

Anders als heute seien auch die wirtschaftlichen Fundamentaldaten in den USA damals ziemlich schwach gewesen. Die US-Wirtschaft habe am Rande einer erneuten Rezession (Double-Dip-Rezession) gestanden. Das Verbrauchervertrauen habe im 1. Quartal 2002 seinen Höhepunkt erreicht, um dann zu einer Talfahrt anzusetzen. Die Arbeitslosenrate sei gestiegen. Die US-Notenbank habe nur spät auf die Krise reagiert.

Die Geldpolitik heute sehe anders aus: Eine globale, synchrone Lockerung in Form von weltweit mehr als 80 Zinssenkungen in den vergangenen zwölf Monaten. Die Ausweitung der Bilanz der US-Notenbank um rund 400 Milliarden US-Dollar seit August 2019 scheine mit Blick auf die anfangs erwähnte Erholung ebenfalls zu greifen.

Für Investoren gelte deshalb, alle Faktoren zu berücksichtigen. Auch wenn der Faktor Angst einen großen Einfluss habe und die Aktienkurse nach unten ziehen könnte - die bisherigen Erfahrungen mit Marktreaktionen bei solchen Ereignissen würden darauf hindeuten, dass die Kurse mit dem Höhepunkt neuer Fälle und dem Abflachen des Nachrichtenflusses eher wieder nach oben drehen würden. (Ausgabe 97 vom Februar 2020) (07.02.2020/fc/a/f)





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