Franklin Diversified Fonds: Virtuelles Zinskarussell


06.09.19 12:00
Franklin Templeton

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Matthias Hoppe, Portfolio Manager der Franklin Diversified Fonds - Franklin Diversified Conservative Fund, Franklin Diversified Balanced Fund, Franklin Diversified Dynamic Fund - von Franklin Templeton, analysiert die aktuelle Lage am Anleihenmarkt.

Investoren weltweit würden sich fragen, wie es an den Märkten weitergehen solle angesichts schwacher Konjunkturdaten, Handelskonflikt, politischer Unsicherheiten (Argentinien, Brexit, Italien) und geopolitischer Risiken (Irankonflikt). Lange schien die Lage nicht mehr so undurchsichtig wie heute, so die Experten von Franklin Templeton. Ein virtuelles Karussell von Sorgen und Nöten der Anleger drehe sich scheinbar immer schneller - mit entsprechenden Auswirkungen an den Märkten, insbesondere denen für Anleihen.

Je weiter die Unsicherheit anhalte, desto wahrscheinlicher sei es, dass die Renditen von US-Staatsanleihen und Bundesanleihen weiter sinken und die Zentralbanken durch weitere Zinssenkungen den Trend verstärken würden. Seit einigen Monaten würden die Investoren Zinssenkungen seitens der wichtigsten Notenbanken einpreisen. Und allein in den vergangenen zwei Monaten hätten die Notenbanken in Brasilien, Russland und der Türkei sowie in Australien und den USA die Zinsen gesenkt. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) habe bereits signalisiert, im September eine Wiederaufnahme ihres Programms zur "quantitativen Lockerung" in Betracht zu ziehen - wahrscheinlich einhergehend mit einer Zinssenkung. Die Bank of Japan (BoJ) habe ebenfalls erklärt, dass sie bereit sei, "bei Bedarf entschlossen zu handeln" - insbesondere wenn der Japanische Yen aufwerten sollte und es somit schwieriger werde, das Inflationsziel zu erreichen.

Die Wiederbelebung der Inflationserwartungen bleibe wohl der wichtigste Treiber der Geldpolitik weltweit. Denn die Inflationserwartungen der Investoren, Verbraucher und Ökonomen seien stark gesunken und lägen deutlich unter den Zielen der Notenbanken.

Schwache Inflationserwartungen, gepaart mit schwachem Wachstum weltweit, würden eine perfekte Mischung ergeben, damit die Renditen von Staatsanleihen in vielen Märkten auf historische Tiefststände hätten fallen können - und zwar über die gesamte Zinskurve hinweg. Mittlerweile sei die Zinsstrukturkurve für Bundesanleihen flach wie ein Pfannkuchen - und sogar durchweg negativ, sprich selbst 30-jährige Anleihen hätten eine negative Rendite (Ende August habe diese bei -0,18% gelegen). In den USA sei die Renditekurve für Laufzeiten ab einem Jahr ebenfalls flach - und im Bereich ein Monat bis 30 Jahre sogar invers (das heiße, Anleihen mit einem Monat Restlaufzeit würden höher als 30-jährige Anleihen rentieren). Was sagen uns diese flachen Zinskurven? - so die Experten von Franklin Templeton.

In der Regel würden inverse Zinskurven darauf hindeuten, dass die Marktteilnehmer eine Rezession erwarten würden. Bevor eine Kurve invers werde, werde sie in der Regel flacher. Dass 30-jährige Bundesanleihen negativ rentieren würden, könnte auf eine tiefe wirtschaftliche Krise, wie man sie lange nicht erlebt habe, hindeuten. Wirklich? Nein!

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland sei den Daten nach zu urteilen zwar schwach und habe sich insbesondere bei der Industrie weiter verschlechtert, aber: Die aktuelle Struktur der Zinskurve werde eher durch die EZB als durch die Wirtschaftsdaten geformt. Zum einen könnten die kurzfristigen Zinssätze in der Eurozone nicht wesentlich vom derzeitigen Niveau abweichen, da die EZB die Zinsen negativ halte und eventuell sogar noch mal weiter senken werde. Wolle die EZB das aktuelle finanzielle Umfeld (niedrige Zinsen, viel Liquidität) noch weiter verbessern (um die Inflationserwartungen durch höhere gesamtwirtschaftliche Nachfrage anzukurbeln), könne sie im Prinzip nur deutlich machen, dass sie die kurzfristigen Zinssätze länger negativ belassen werde. Gleichzeitig könne sie langfristige Anleihen durch ein weiteres umfangreiches Programm aufkaufen. Und dies führe naturgemäß zu niedrigeren Anleiherenditen und flacheren Zinsstrukturkurven. Sinkende Anleiherenditen in der Eurozone und der ganzen Welt hätten wiederum die US-Renditen nach unten gedrückt - zumal Anleger Anleihen nachfragen würden in der Erwartung, dass die Zentralbanken genau diese Politik verfolgen würden.

Neben dem Kauf von Vermögenswerten durch die Zentralbanken drücke auch die steigende Nachfrage nach Anleihen von institutionellen Investoren die Renditen. Unter anderem würden Anleger Anleihen als eine gute Absicherung gegen Aktienrisiken betrachten. Beim aktuellen Umfeld und der damit einhergehenden Unsicherheit hätten viele Anleger die Allokation in Anleihen erhöht. Und dann wären da noch die Investoren, denen nichts anderes übrig bleibe, als Anleihen zu kaufen. Um ihre langfristigen Verbindlichkeiten mit ebenso langfristigen Vermögenswerten abzugleichen, seien Versicherungsgesellschaften und Pensionsfonds gezwungen, Anleihen mit niedrigen (und manchmal sogar negativen) Renditen zu kaufen. Und je weiter die Renditen für lange Laufzeiten fallen würden, desto mehr müssten diese Investoren nachkaufen. Sprich: Die Nachfrage sei hoch und drücke den Preis (den Zins).

Von daher sollte das vermeintliche rezessive Signal aus einer invertierten oder flachen Zinsstrukturkurve mit Vorsicht genossen werden. (Ausgabe 92 vom September 2019) (06.09.2019/fc/a/f)






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