Franklin Diversified Fonds: Die Fortsetzung der lockeren Geldpolitik


08.10.19 11:00
Franklin Templeton

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Der EZB-Rat beschloss am 12. September ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur weiteren Lockerung der Geldpolitik und ließ dabei die Tür für weitere Senkungen offen, so Matthias Hoppe, Portfolio Manager der Franklin Diversified Fonds von Franklin Templeton: Franklin Diversified Conservative Fund, Franklin Diversified Balanced Fund, Franklin Diversified Dynamic Fund.

Die große Frage und die Zweifel, ob das Paket ausreiche, die Inflation in der Eurozone wieder auf das EZB-Ziel von 2% zu heben, würden bleiben.

Während eine Lockerung erwartet worden sei, hätten Marktteilnehmer mit Spannung auf die Details geblickt. Zum einen, und nicht überraschend, habe die EZB den Einlagensatz für die Mindestreserve von -0,4% auf -0,5% gesenkt. Die Mindestreserve sei der Betrag, den Banken bei der EZB hinterlegen müssten.

Außerdem habe Draghi ein neues Anleiheankaufprogramm angekündigt. Ab November werde die EZB monatlich Bonds im Wert von 20 Mrd. Euro kaufen. Das Volumen liege etwas unter den Markterwartungen. Einige Beobachter seien von 30 bis 40 Mrd. Euro ausgegangen. Überrascht habe die EZB die Märkte aber damit, dass sie bereits im November mit dem Programm beginnen werde. Analysten hätten mit einem Start im Januar 2020 gerechnet.

Neu sei, dass die Notenbank die Zinsen so lange niedrig halten werde, bis die Inflationsrate wieder ihrem Ziel nahekomme. Bisher sei der Zinsausblick immer mit einem voraussichtlichen Endtermin versehen gewesen. Die EZB könne somit die Zinsen nicht nur sehr lange negativ lassen, sondern auch noch weiter senken. Und hier sei das Problem:

Mit -0,5% sei der Leitzins bereits nahe einem Niveau, bei dem Gefahr bestehe, dass die Geldpolitik nicht mehr expansiv wirke, sondern der Wirtschaft sogar schade. Negative Zinsen könnten der Wirtschaft zum Beispiel schaden, indem sie die Investitionen und den Konsum bremsen würden. So würden etwa Haushalte in der Eurozone dazu neigen, den größten Teil ihres Vermögens in niedrig verzinslichen Bankeinlagen und nicht etwa in Aktien zu halten. Fallende Zinsen könnten sie dazu veranlassen, mehr zu sparen (etwa für den Ruhestand) und nicht zu konsumieren. Kein Konsum, keine Nachfrage, keine Investitionen, keine Preiserhöhungen - so die stark vereinfachte Wirkungskette. Negative Zinsen würden aber auch den Banken schaden, die Unternehmen und Haushalte mit Krediten versorgen sollten.

Die Banken in der Eurozone würden indes rund 2.000 Mrd. Euro als Reserven bei der EZB halten. Der große Anteil seien Überschussreserven, also Reserven, die weit über der obligatorischen Mindestreserve lägen. Diese Überschussreserven seien bisher ebenfalls mit -0,4% verzinst worden. Jeder Zinsschritt von -0,1% belaste somit den Gewinn der Geldinstitute - grob gesprochen - um 2 Mrd. Euro. Das drücke auf die Gewinnmargen der europäischen Banken, die sowieso schon mager ausfallen würden.

Und so habe die EZB ein weiteres Instrument aus dem geldpolitischen Werkzeugkoffer geholt: Ein so genanntes "Tiering"-System - ein Freibetrag, bei dem ein Teil der Überschussliquidität der Banken vom negativen Einlagenzinssatz befreit werde. Ab dem 30. Oktober würden Überschüsse (bis zum sechsfachen Betrag der Mindestreserve) zu 0% verzinst. Das Ziel sei, die angespannte Lage der Banken etwas zu lockern und den Transmissionsmechanismus der Geldpolitik zu unterstützen. Sprich: Die niedrigen Zinsen sollten über Kredite bei Haushalten und Unternehmen ankommen.

Es lasse sich aber darüber streiten, ob diese Freibeträge den Bankensektor entlasten würden, ohne den Anreiz zu mindern, Kredite zu vergeben. Immerhin werde das Anleiheaufkaufprogramm nochmals 20 Mrd. Euro pro Monat in den Markt spülen, die wiederum angelegt werden müssten - oder als Guthaben bei der EZB landen. Hinzu komme Liquidität aus der neuen Serie "vierteljährlicher gezielter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte" (die so genannten TLTRO III). Der Effekt des Freibetrags würde sich für (vorwiegend deutsche und französische) Geldhäuser mit bereits sehr hohen Überschussreserven mehr oder weniger verflüchtigen. Die EZB müsste dann den Freibetrag erhöhen. In der Schweiz etwa entspreche der Freibetrag dem 20Fachen der Mindestreserve.

Es stelle sich dann die Frage, warum Banken überhaupt so viele Reserven, die über die obligatorische Mindestreserve hinausgehen würden, halten würden, anstatt das Geld anzulegen oder zu verleihen. Zum Beispiel könnte eine Bank in Bundesanleihen investieren. Aber einjährige Bundesanleihen würden -0,69%, also noch weniger als -0,5% bei der EZB rentieren. Das Problem: Selbst wenn sie die Anleihen kaufen würden, würde sich die Überschussliquidität im System nicht verändern. Eine Bank müsste die Anleihe direkt von der EZB kaufen. Denn nur die EZB bestimme die Höhe der Guthaben, welche die Banken bei ihr halten würden. Und hier komme das Anleiheaufkaufprogramm ins Spiel.

Stark vereinfacht und unter sonst gleichen Bedingungen sei das so: Wenn die EZB einer Bank eine Anleihe abkaufe, bezahle sie diese, indem sie das Guthaben der Bank bei der EZB um den Betrag des Kaufpreises erhöhe. Verkaufe sie eine Anleihe wieder an eine Bank, reduziere sich das Guthaben bei der Zentralbank. Die hohen Überschussreserven der Banken würden also zum Teil aus den Anleihekäufen der EZB stammen. Kaufe die Bank die Anleihe einer anderen Bank ab, werde nur das Geld von einem Zentralbankkonto auf ein anderes umgebucht. Das Gleiche gelte für Kredite. Es fließe zwar Geld von einem Konto auf ein anderes, im Hintergrund finde jedoch lediglich die Umbuchung von Zentralbankgeld statt. Die Summe der von den Geldinstituten gehaltenen Guthaben habe sich nicht verändert.

Die Liste der Maßnahmen solle der EZB die Flexibilität bewahren, die Zinsen noch länger negativ zu belassen, als noch im vergangenen Jahr angenommen, und je nach Bedarf noch weiter zu senken. Allerdings erscheine die Möglichkeit, die Zinsen am Markt noch weiter zu drücken, fragwürdig. Experten würden bereits über die mögliche Unwirksamkeit der Geldpolitik diskutieren. Könne die EZB die Inflation wieder näher an das Ziel von 2% bringen? Ein Blick auf die preisbasierten Markterwartungen verrät: Viele scheinen nicht daran zu glauben, so die Experten von Franklin Templeton. (Ausgabe 93 vom Oktober 2019) (08.10.2019/fc/a/f)





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