Franklin Diversified Fonds: Eine Verhandlung oder der Beginn eines Handelskrieges? Fondsanalyse


08.05.18 09:30
Franklin Templeton

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Matthias Hoppe, Portfolio Manager der Franklin Diversified Fonds - Franklin Diversified Conservative Fund, Franklin Diversified Balanced Fund, Franklin Diversified Dynamic Fund - von Franklin Templeton, analysiert die protektionistischen Maßnahmen der USA und gibt eine Einschätzung der aktuellen Lage.

Die globalen Handelsbedingungen hätten sich in diesem Monat verschlechtert. Die USA hätten erklärt, die Einführung von Zöllen auf zusätzliche chinesische Waren im Wert von 100 Mrd. USD in Erwägung zu ziehen, wodurch sie einen potenziell schädlichen Handelsstreit eskalieren könnten. Dieser Schritt sei auf die Ankündigung Chinas gefolgt, als Vergeltung für die von den USA erhobenen Abgaben auf Stahl und Aluminium Zölle auf mehr als 100 US-Güter zu erheben, insbesondere auf landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Sojabohnen. Auch wenn diese Zölle noch nicht eingeführt worden seien und es vor deren Umsetzung noch zu Verhandlungen kommen dürfte, stelle dies eine deutliche Verschlechterung der Handelsbeziehungen dar.

China habe sich in seiner Rhetorik entschlossen gezeigt und erklärt, Protektionismus bis zum bitteren Ende und um jeden Preis bekämpfen zu wollen. Allerdings habe Präsident Trump in seiner Erklärung zum Ausdruck gebracht, die Möglichkeit neuer Zölle schließe Diskussionen mit China "zum Schutz der Technologie und des geistigen Eigentums amerikanischer Unternehmen und des amerikanischen Volkes" nicht aus, was darauf hindeute, dass dies eher eine Verhandlungstaktik und nicht der Beginn eines echten Handelskriegs sei.

So sei es etwa interessant, dass die USA im Zuge der Neuaushandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) Zugeständnisse gemacht hätten, während sich gleichzeitig die Beziehung zu China verschlechtert habe. Erst kürzlich hätten die Verhandlungsführer des Landes eine der umstrittensten Forderungen aufgegeben, nämlich dass 50% der Inhalte eines Automobils in den USA hergestellt werden müssten - eine für die kanadische und mexikanische Automobilbranche völlig inakzeptable Bedingung. Dieses Zugeständnis könnte den Wunsch der USA signalisieren, zeitnah eine Einigung zu finden, damit das Land seine Aufmerksamkeit auf China richten könne.

Die USA hätten gegenüber China ein sehr viel größeres Handelsdefizit gehabt als gegenüber ihren nordamerikanischen Partnern. Dies könnte die Leichtigkeit erklären, mit der sie Zugeständnisse gemacht hätten, um den Weg zu einem Abkommen zur Erneuerung der NAFTA zu ebnen. Allerdings passe das alles andere als gut zu einigen von Trumps Kommentaren über das südliche Nachbarland Mexiko.

Zudem falle auf, dass die USA auch gegenüber der Europäischen Union und Japan erhebliche Defizite aufweisen würden. Auch wenn die USA in Bezug auf den Abschluss von "Deals" mit ihren Sicherheitspartnern weiterhin optimistisch klingen würden, würden angesichts der Rechtfertigung der ursprünglichen Zölle, diese seien aufgrund von Fragen der nationalen Sicherheit erforderlich, für alle Handelspartner unbeabsichtigte Folgen drohen. Welchen Preis würden die USA fordern, etwa im Hinblick auf erhöhte Militärausgaben zur Erfüllung der NATO-Zusagen? Wir wissen es einfach nicht, so die Experten von Franklin Templeton.

Die Welthandelsorganisation (WTO) sei nicht ermächtigt, Zölle anzufechten, die aus Gründen der nationalen Sicherheit erhoben würden. Allerdings beziehe sich diese Regelung eigentlich auf Krisenzeiten, in denen es eine klare und akute Gefahr für die nationale Sicherheit gebe. Als Rechtfertigung für Protektionismus sei sie nicht vorgesehen.

Das Augenmerk habe sich bislang vor allem darauf gerichtet, wie und wo die Zölle gegebenenfalls erhoben würden. Dabei werde die Frage, ob sie überhaupt funktionieren würden, oft außen vor gelassen. Es sollte beachtet werden, dass das Leistungsbilanzdefizit eines Landes aus wirtschaftlicher Sicht per definitionem das Gegenstück zum Saldo aus inländischen Investitionen und nationalen Ersparnissen sei. Die USA hätten ein Defizit, das sich vor allem auf den Handel konzentriere, weil es ihnen an inländischen Ersparnissen fehle, um die Investitionen im Inland zu finanzieren. Sofern die US-Verbraucher ihre jüngsten Steuersenkungen nicht nutzen würden, um Investitionen anstelle von Konsum zu finanzieren, sei eine Verringerung des Handelsdefizits unwahrscheinlich. Und daran könnten auch noch so viele angekündigte protektionistische Maßnahmen nichts ändern.

Angesichts der Art und Weise, wie diese Verhandlungen geführt werden (vor den Augen der Öffentlichkeit und der Finanzmärkte), fragen wir uns, ob die Hauptmotivation nicht möglicherweise politisch ist, so die Experten von Franklin Templeton. Da die USA im ersten Jahr seit dem Amtsantritt von Präsident Trump Handelskonflikte gemieden haben, scheinen die anstehenden Mid-Term-Wahlen einen Motivationsfaktor darzustellen, so die Experten von Franklin Templeton.

Unter dem Strich sei die derzeitige US-Regierung oft von Unvorhersehbarkeit geprägt. Der persönliche Verhandlungsstil Donald Trumps scheine in erster Linie auf die Schaffung von Chaos ausgerichtet zu sein. Hieraus würden sich dann häufig Veränderungen ergeben, die er seiner politischen Basis als "Gewinne" anpreisen könne. Die Tatsache, dass die ergriffenen Maßnahmen die Handelsbilanz nicht verbessern würden, würde etwa als Beweis gehandelt werden, dass China das Welthandelssystem manipuliere.

Die mit einer so durchsichtigen und waghalsigen Politik verbundenen Risiken seien Hoppes Meinung nach weitaus größer als die direkten finanziellen Auswirkungen dieser relativ moderaten Zölle. Die Experten von Franklin Templeton werden die Entwicklung der Lage auch weiterhin im Auge behalten und sind optimistisch, dass dies nicht der Beginn eines Handelskriegs ist. Allerdings bereitet uns die mögliche Entwicklung der Lage durchaus Sorgen, und dies stellt nach wie vor eines der größeren Risiken dar, das dafür sorgen dürfte, dass die Märkte 2018 volatiler bleiben als in den vergangenen Jahren, so die Experten von Franklin Templeton. (Ausgabe 76 vom Mai 2018) (08.05.2018/fc/a/f)





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