Fondshandel: Wiedereinsteiger unterwegs


11.05.20 12:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Nach dem großen Ausverkauf im März und den ersten April-Wochen wagen sich immer mehr Fondsanleger vor und kaufen wieder, doch sind die Umsätze zurückgegangen, so die Deutsche Börse AG.

"Es ist ruhiger geworden", stelle Jan Duisberg von der ICF Bank fest. "Kurschwankungen und Volatilität sind weiter hoch, bei allerdings niedrigeren Umsätzen", berichte Anja Deisenroth-Boström von der Baader Bank. "Die DAX-Erholung bis auf 11.127 Punkte Ende April glich schon einer rechten Kaufpanik und war dementsprechend ungesund schnell." Am Donnerstagnachmittag habe der DAX bei 10.700 Punkten gelegen, seit dem Tief vom März bei 8.263 Zählern immer noch ein Plus von fast 30 Prozent.

Zugegriffen werde laut Deisenroth-Boström bei DWS Deutschland und Barings German Growth Trust, abgegeben würden hingegen der FT Frankfurt-Effekten-Fonds, der UniFonds und der Cominvest Fondak. An der Performance der Fonds in diesem Jahr könne das nicht liegen: Während der DWS Deutschland seit Jahresanfang 21,2 Prozent und der Barings German Growth Trust 22,9 Prozent verloren hätten, kommt der FT Frankfurt-Effekten-Fonds nur auf ein Minus von 18,9 Prozent, der UniFonds auf minus 16,5 Prozent und der Fondak sogar nur auf minus 14,5 Prozent.

Im Bereich internationale Aktien würden Anleger laut Deisenroth-Boström den LBBW Global Warming, den Comgest Growth World und den DWS Concept Platow kaufen, während sie sich vom M&G Global Basics trennen würden. Weiter gut an komme der Dirk Müller Premium Aktien. "Allerdings ist der Zufluss nicht mehr so enorm wie im März und Anfang April", stelle die Händlerin fest. Der Fonds habe zu Anfang der Krise reüssiert, zuletzt aber wieder verloren und verzeichne seit Jahresanfang ein Minus von 1,7 Prozent.

Auch der LBBW Global Warming habe sich im Vergleich zu anderen internationalen Aktienfonds gut gehalten und in diesem Jahr nur 2,9 Prozent verloren. Auf Sicht von fünf Jahren könne er sogar mit einem jährlichen Plus von 8,6 Prozent punkten. Der Fonds investiere überwiegend in Unternehmen mit Produkten und Dienstleistungen, die der globalen Erderwärmung entgegenwirken oder deren Folgen abmildern würden - etwa aus den Bereichen Erneuerbare Energien, Versorger, Wasser, Nahrungsmittel oder Forstwirtschaft. Top-Positionen seien aktuell der US-Mischkonzern Danaher Corp, der US-Chiphersteller NVIDIA, der niederländische Zulieferer für die Halbleiterindustrie ASML, der Medizintechnikhersteller Boston Scientific und Microsoft.

Anleger von ESG-Fonds hätten in der Corona-Krise eher an ihren Investments festgehalten als Anleger konventioneller Fonds, wie Morningstar berichte: "Nachhaltigkeitsfonds bleiben auf Wachstumskurs, auch wenn das vorerst bedeutet, dass die Einbußen weniger stark sind als beim europäischen Fondsuniversum insgesamt." Morningstar zufolge sei im ersten Quartal das Vermögen in ESG-Fonds um gut 10 Prozent auf 621 Milliarden Euro per Ende März gesunken. Dieser Rückgang stehe im Kontrast zum Einbruch von gut 16 Prozent beim europäischen Fondsvermögen insgesamt.

Leicht überdurchschnittliche Umsätze melde Deisenroth-Boström für asiatische Aktien - mit einem "marginalen Kaufüberhang". "Im Schatten der Corona-Krise schwingt sich die chinesische Wirtschaft wieder auf zu alten Höhen", bemerke die Händlerin. Das Schlimmste scheine dort überstanden, das spiegle auch der Leitindex CSI300 mit einem Plus von 13 Prozent seit Mitte März wider. "Auch die Fondsanleger scheinen die positiven Signale zu erkennen und sind überwiegend auf der Käuferseite unterwegs." In den Portfolios würden der DWS Top Asien, der JPM Pacific Equity und der FF ASEAN landen, während der Baring Hong Kong China verkauft werde.

Infolge des Ölpreisverfalls registriere Duisberg hohe Umsätze von Energie-Fonds, etwa dem BGF World Energy In US-Dollar oder Euro (ISIN LU0171301533 / WKN A0BMA5). Der BGF World Energy setze auf Unternehmen, die in der Erforschung und Erschließung von Energiequellen bzw. der Energieerzeugung und -versorgung tätig seien, Schwergewichte seien die großen Ölkonzerne Chevron, BP, Royal Dutch Shell, Total und Conocophillips. "Nach einer großen Verkaufswelle sehen wir da nun durchaus wieder Käufer, die den Preisrückgang bei Öl übertrieben finden." Rege gehandelt würden auch der Allianz Global Metals and Mining und der Baring Global Resources, die beide in Rohstoffkonzerne investieren würden.

Durch den Crash am Aktienmarkt fänden auch konservativere Fonds wieder mehr Anhänger, wie Duisberg außerdem feststelle. Beliebt seien etwa der Rentenfonds Templeton Global Total Return, der LGT Bond Global Inflation Linked mit inflationsgeschützten Anleihen, der Mischfonds Patriarch Classic TSI und der Rentenfonds Aramea Rendite Plus.

Im Bereich Immobilienfonds hätten sich laut Duisberg der Grundbesitz Global und der Deka-ImmobilienGlobal nach dem heftigen Einbruch im März stabilisiert. "Da sehen wir gute Umsätze auf beiden Seiten", berichte der Händler. Mit am besten durch die Krise gekommen sei der Fokus Wohnen Deutschland, dessen Kurs das Vorkrisenniveau wieder erreicht habe. "Das liegt wohl daran, dass die Fondseinnahmen hauptsächlich aus Mieteinnahmen von Wohnimmobilien stammen." (Ausgabe vom 07.05.2020) (11.05.2020/fc/a/f)






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