Fonds-Handel: Keine Heimatliebe


03.08.17 08:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Wegen der zuletzt enttäuschenden Entwicklung am deutschen Aktienmarkt wenden sich Anleger wieder verstärkt ausländischen Werten zu, so die Deutsche Börse AG.

"Internationale Fonds werden viel gekauft, während deutsche und europäische Titel eher verkauft werden", berichte Andreas Kehnen von der Baader Bank.

Von seinem Allzeithoch bei 12.951,54 Punkten habe sich der DAX mittlerweile weit entfernt, am Mittwochmittag liege der Index bei 12.230 Punkten, Anfang dieser Woche seien es im Tief nur 12.100 Zähler gewesen. In den USA sei der Dow Jones am gestrigen Dienstag hingegen auf ein neues Allzeithoch geklettert und habe nur knapp die 22.000 Punkte-Marke verfehlt. Der S&P 500 habe vergangene Woche ein Rekordhoch erreicht. Auf dem DAX würden derzeit der starke Euro und die Querelen um die Autoindustrie lasten - Deutschlands wichtigster Branche.

Insgesamt seien die Umsätze im Fondshandel saisonal bedingt zurückgegangen. Ivo Orlemann von der ICF Bank berichte von einem ruhigen Handel. "Das liegt an den Sommerferien." Das sehe auch Kehnen so. "Außerdem fehlen die Impulse."

Auf den Verkaufslisten stünden etwa der DekaFonds CF und der Allianz Nebenwerte Deutschland, wie Kehnen beobachtet habe. Zugegriffen werde allerdings beim MainFirst Germany und beim DWS Aktien Strategie Deutschland. Der DWS-Fonds sei zum 17. Juli wieder für Anleger geöffnet worden. Im März 2016 sei er geschlossen worden, nachdem die Kapazitätsgrenze des Fondsvolumens erreicht worden sei.

In der Gunst der Anleger weit oben stehe Orlemann zufolge der Apus Capital ReValue, der auf europäische Nebenwerte setze. "Das war auch in den vergangenen Wochen so", ergänze der Market Maker. Der Fonds von Hansainvest, der eine Value-Strategie verfolge, komme laut Morningstar im laufenden Jahr schon auf ein Plus von 26,7 Prozent. Auf Sicht von drei Jahren seien es 22,5 Prozent, auf Sicht von fünf Jahren 20,1 Prozent jährlich.

Kunden der Baader Bank würden beim weltweit investierenden Siemens Global Growth und beim Morgan Stanley Global Opportunity einsteigen.

Ebenfalls begehrt sei ein gänzlich anderes Konzept, der ETF-Dachfonds Easyfolio 50. "Das liegt wohl auch an den niedrigen Gebühren", meine Kehnen. Der Robo-Advisor Easyfolio setze auf Einfachheit und biete daher genau drei Anlagestrategien an: Easyfolio 30, Easyfolio 50 und Easyfolio 70. Dabei würden die Zahlen im Fondsnamen dem prozentualen Aktienanteil entsprechen.

Darüber hinaus seien an der Börse Frankfurt in den vergangenen vier Wochen die Umsätze mit Anteilen des DWS Top Dividende und des DWS Deutschland hoch gewesen.

Der Höhenflug der US-Technologiewerte mache sich auch im Fondshandel bemerkbar: Orlemann sehe sehr viel Nachfrage nach dem Fidelity Funds Global Technology. Der investiere weltweit in Unternehmen, die aller Voraussicht nach besonders von neuen technologischen Produkten, Prozessen oder Dienstleistungen profitieren würden. Das Fondsmanagement konzentriere sich dabei auf Wachstumsunternehmen, die etablierte Marktführer seien, sowie Unternehmen, die in aufstrebenden Marktnischen Fuß gefasst hätten. Seit Anfang des Jahres liege die Rendite laut Morningstar - wegen des schwachen US-Dollars - "nur" bei 7,3 Prozent, in den vergangenen fünf Jahren waren es aber 20,1 Prozent im Jahr.

"Auch Biotech-Unternehmen, die lange kein Thema waren, werden wieder mehr beachtet", ergänze der Händler. Als Beispiele nenne er den Credit Suisse Global Biotech Innovators (ISIN LU0130190969 / WKN 762220) und den SEB Concept Biotechnology. Die Baader Bank melde zudem Zuflüsse im DWS Water Sustainability (ISIN DE000DWS0DT1 / WKN DWS0DT).

Sehr umsatzstark würden sich weiter Immobilienfonds präsentieren. "Bei uns wurden vor allem der Hausinvest, der UniImmo Deutschland sowie der UniImmo Europa (ISIN DE0009805515 / WKN 980551) viel gehandelt", stelle Orlemann fest. Auch an der Börse Frankfurt stünden die Immobilienfonds auf der Umsatzliste für die vergangenen vier Wochen weit oben, etwa der Deka Immobilien Europa (ISIN DE0009809566 / WKN 980956), der Grundbesitz Europa, der Hausinvest, der Fokus Wohnen Deutschland, der Grundbesitz Global und der UniImmo Deutschland (ISIN DE0009805507 / WKN 980550).

Etwas belebt habe sich der Handel mit Fonds für asiatische Aktien. "Lange Zeit war ja hier gar nichts los, das ist jetzt anders", stelle Kehnen fest. Anleger hätten sich etwa im UBS Equity Fund China Opportunity USD, im Comgest Growth Greater China Euro (ISIN IE0030351732 / WKN 756455) und im Fidelity Funds Asian Smaller Companies positioniert. Viel gehandelt worden sei an der Börse Frankfurt der Aberdeen Global Asian Smaller Companies.

Unter den Mischfonds bleibe der Flossbach von Storch Multiple Opportunities Favorit der Anleger, wie Orlemann erkläre. "Der wird meist gekauft, manchmal auch verkauft." Ebenfalls eher Käufe sehe er bei der ausschüttenden Variante des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, der schwerpunktmäßig auf kleine und mittlere Werte aus dem deutschsprachigen Raum setze. Von der thesaurierenden Version (ISIN DE000A0M8HD2 / WKN A0M8HD), dem sehr beliebten Klassiker, könnten neue Investoren bis auf Weiteres keine Fondsanteile mehr erwerben. Altinvestoren könnten im Rahmen dieses "Soft Closing" allerdings weiter kaufen.

Kaum Anhänger würden Kehnen zufolge derzeit Minenfonds finden. Der Goldpreis selbst sei zuletzt wieder etwas gestiegen, schwanke aber weiter um 1.250 US-Dollar je Feinunze, am Mittwochmittag seien es 1.266 US-Dollar. "Vielleicht wird lieber direkt auf Gold gesetzt." Zuflüsse auf niedrigem Niveau sehe Kehnen allenfalls im BGF World Mining. (Ausgabe vom 02.08.2017) (03.08.2017/fc/a/f)





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