Ethna-Fonds: Hypes und Innovationen


06.07.21 08:30
ETHENEA

Munsbach (www.fondscheck.de) - Batterietechnik, Wasserstoffwirtschaft und Blockchain-Technologie: An der Börse wurde diesen Themen jüngst viel Aufmerksamkeit geschenkt, so Philip Bold, Portfolio Manager bei ETHENEA.

Sie würden auf Innovationen basieren, die zukunftsträchtig aber (noch) unausgereift seien. Deshalb sei ihre Bewertung schwierig und kontrovers. Entsprechend breit gefächert und wechselhaft sei auch die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer. Sie reiche von der Lobpreisung bis zur Totsagung der Innovation. In dieser Spannweite würden sich auch die Aktienkurse als Manifestation dieser Erwartungshaltung bewegen. Sie seien in der Regel sehr volatil und könnten je nach Marktsentiment stark von der fundamentalen Realität der zugrunde liegenden Innovation abweichen.

Diese Divergenz zwischen Erwartungshaltung und fundamentaler Realität lasse sich im sogenannten Hype-Zyklus schematisieren. Dieser sei ursprünglich vom IT-Marktforschungsunternehmen Gartner zur Einordnung neuer Technologien etabliert worden. Das Muster sei aber auch auf die Aktienbewertung junger, innovativer Unternehmen übertragbar. Der Zyklus unterscheide fünf Phasen:

1. Innovationsauslöser: Eine Innovation, oft im experimentellen, kleinskaligen Status, löse Aufmerksamkeit aus - häufig zuerst in Expertenkreisen.

2. Erwartungsinflation: Die Innovation werde als vermeintlicher Durchbruch medial aufgegriffen und zum neuen Narrativ für verschiedene Anwendungsfälle deklariert. Dadurch rücke der Innovator in den Fokus der breiten Öffentlichkeit. Der Aktienkurs steige - häufig flankiert von verheißungsvollen Marktausblicken und gestützt von Analystenkommentaren - als Funktion der aggressiven Erwartungshaltung der Marktteilnehmer. Der Kursanstieg ziehe in einer sich selbst verstärkenden Aufwärtsdynamik weitere Marktakteure an. In dieser Phase entkopple sich der Marktwert immer stärker von der fundamentalen Realität.

3. Desillusionierung: Der Realitätscheck in Form von langwierigen, großskaligen Implementierungsversuchen offenbare die vorausgegangene Maßlosigkeit. Zusätzlich sorge der Finanzierungsbedarf des Innovators, der häufig durch wertverwässernde Kapitalerhöhungen gedeckt werde, für Verkaufsdruck. Die Marktakteure, die in Phase zwei für die Aufwärtsdynamik gesorgt hätten, seien nun die Treiber der Abwärtsdynamik. Das breite Interesse am Innovator werde geringer und der Marktwert unterschreite den fairen Wert.

4. Kommerzialisierung: Dem Innovator würden im weiteren Zeitverlauf großskalige Anwendungsnachweise gelingen, die die zunehmende Kommerzialisierung bei einem wachsenden Kundenstamm ermöglichen würden. Umsatz- und Ergebniswachstum würden die innere Finanzierung zur Weiterentwicklung der Innovation sichern. Die Erwartungshaltung, reflektiert im Marktwert, nähere sich der Realität wieder an.

5. Massenadoption: Die ursprüngliche Innovation werde als marktreifer Anwendungsstandard angenommen. In dieser Phase seien Realität und Erwartung, abgesehen von temporären Abweichungen, weitestgehend deckungsgleich.

So viel zur Theorie. Als prägnantes Praxisbeispiel für dieses Schema würden sich die Innovationen rund um den Themenkomplex Internet besonders gut eignen. In den 1990er Jahren sei das Internet durch den Zugang zum World Wide Web über Webbrowser populär geworden (1). Zahlreiche neu gegründete Firmen hätten sich die aufkommenden Geschäftsfelder der New Economy erschließen wollen. Die meist unprofitablen Unternehmen hätten ihren Kapitalbedarf durch Börsengänge zu Bewertungen finanziert, die - entkoppelt von der fundamentalen Realität - Ausdruck eines exzessiven Optimismus der Marktteilnehmer gewesen seien (2). Mit der (drohenden) Insolvenz zahlreicher Unternehmen sei die Dotcom-Blase im Frühjahr 2000 geplatzt und habe für eine nachhaltige Ernüchterung gegenüber der New Economy gesorgt (3). Mit dem Nachweis eines nachhaltigen Geschäftsmodells hätten trotzdem einige dieser Technologieunternehmen ihre ökonomische Daseinsberechtigung unter Beweis stellen können (4). Heute würden die Produkte und Dienstleistungen, beispielsweise von Amazon.com oder Alphabet (Google), viele Lebensbereiche als Anwendungsstandard durchdringen (5).

Der Hype-Zyklus sei immer wieder in neuen, innovativen Marktsegmenten zu beobachten, weil sein zugrunde liegender Treiber - die Anlegerpsychologie - den gleichen Mustern folge. Trotzdem handle es sich dabei nicht um ein exaktes Regelwerk. Sowohl die Erwartungsdimension als auch die Zeitdimension würden variieren. Deshalb sei die Identifizierung eines Hypes und dessen genaue Einordnung in den Zyklus nur ex-post valide. Allgemeingültig sei aber der Grundsatz, auf dem der Hype-Zyklus basiere: Eine Entkopplung von Erwartung und Realität löse sich im Zeitverlauf immer auf. Damit würden sich für die Frühphase des Hype-Zyklus grobe Handlungsregeln ableiten lassen.

A. Glücksspiel: Eine Positionierung in der ersten Phase setze voraus, dass man erstens zeitnah von der Innovation erfahre und zweitens in der Lage sei, sie nach technischen und ökonomischen Maßstäben fundiert zu beurteilen. Die zweite Voraussetzung sei ein inhärenter Widerspruch, da ein Urteil zu diesem Zeitpunkt nur rudimentär und annahmenbasiert möglich sei. Deshalb sei die Investition in ein Einzelunternehmen in dieser Phase überwiegend als Glücksspiel zu charakterisieren.

B. Irrationalität: Ausschließlich hoffnungsgetriebene Kursexplosionen seien in der Regel nicht nachhaltig. Auch der opportunistische Einstieg in der Phase der Erwartungsinflation sei bei einer offensichtlichen Entkopplung zwischen fundamentaler Realität und Marktwert sehr riskant. Denn die Auflösung der dem Kursanstieg zugrunde liegenden Irrationalität trete erfahrungsgemäß unvorhersehbar ein und laufe rasant ab.

C. Potenzielle Chance: Die Desillusionierungsphase könne einen geeigneten Zeitraum zum Aufbau einer langfristigen Position darstellen. Zum einen sei die Beurteilung der Kommerzialisierungsfähigkeit valider. Zum anderen habe die vorausgegangene Abwärtsdynamik unter Umständen zu einer attraktiven Bewertung geführt. Aber auch in dieser Phase sei eine Investition wegen des immer noch hohen Unsicherheitsniveaus riskant und der Erfolg sei - je nach Anlagehorizont - auch vom Timing abhängig.

Hypes seien nachvollziehbar: Je höher die zukünftige Wachstumsaussicht, desto attraktiver sei der frühestmögliche Einstieg. Diese Devise bestimme die anfängliche Dynamik im Hype-Zyklus. Ihre Kehrseite sei eine temporär überhöhte, teilweise exzessive Erwartungshaltung. Unter Umständen könne die fundamentale Realität dieser anfänglichen Erwartungshaltung im Zeitverlauf nicht mehr gerecht werden.

Aus dieser Ambivalenz formt sich unsere Grundhaltung gegenüber gehypten Themen, so die Experten von ETHENEA. Einerseits seien die Experten von ETHENEA in der Frühphase des Zyklus tendenziell zurückhaltend. Denn die Wahrscheinlichkeit, nachhaltig erfolgreiche Unternehmen bereits in diesem Stadium zu identifizieren, sei vergleichsweise gering. Andererseits sei das zukünftige Wachstum der Haupttreiber in der Bewertung eines Unternehmens und es sei sinnvoll, dieses erwartete Wachstum möglichst früh abzugreifen. Diesen Balanceakt vollführen wir, in dem wir bereits die Frühphase des Hype-Zyklus nutzen, um die Innovation zu analysieren, potenzielle Investitionskandidaten zu selektieren und deren Marktdynamiken zu verfolgen, so die Experten von ETHENEA. Basierend auf diesen Informationen könne man in der Regel im Übergang zur Spätphase des Hype-Zyklus eine adäquate Einschätzung von Wachstumschancen und Bewertungsrisiken vorzunehmen.

Zur risikokontrollierten Investition in innovative Themen greifen wir fallspezifisch und fondsspezifisch auf unterschiedliche Möglichkeiten zurück, so die Experten von ETHENEA. Im aktienfokussierten Ethna-DYNAMISCH könnten kleine Investments in junge, innovative Unternehmen eine attraktive Ergänzung zum Kernportfolio darstellen. Um der im Vergleich höheren Unsicherheit Rechnung zu tragen, würden Positionsgrößen in Aktien solcher Unternehmen deutlich geringer ausfallen als bei etablierten Qualitätsunternehmen. Der weniger risikoaffine Ethna-AKTIV setze Investitionen in Innovationen tendenziell über breit diversifizierte Themen-ETFs um. Darüber hinaus seien beide Fonds in attraktiven Industrie- und Technologieunternehmen positioniert, die ebenfalls einen nicht unerheblichen Teil ihrer Forschung und Entwicklung künftigen Innovationen widmen würden. So würden die genannten Ethna Funds über vielfältige Wege sowohl direkt als auch indirekt an den Chancen neuer, zukunftsträchtiger Technologien partizipieren. (Ausgabe 7 vom Juli 2021) (06.07.2021/fc/a/f)





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