Einstieg oder Ausstieg? Die Rentenmärkte präsentieren sich uneinheitlich


04.05.21 09:30
SIGNAL IDUNA AM

Hamburg (www.fondscheck.de) - Reden ist Silber, Schweigen ist Gold - dass diese Redensart unter Kapitalmarktteilnehmern vergleichsweise wenig Anhänger hat, sollte in den letzten Jahren auch in den oberen Etagen der Notenbanken angekommen sein, so Christian Bender, CEFA, Portfoliomanager bei der SIGNAL IDUNA Asset Management, der unter anderem den global agierenden Rentenfonds HANSAinternational verantwortet.

Umso unbefriedigender sei es gewesen, wie schwer sich scheinbar die EZB getan habe, die in den ersten Monaten des Jahres gestiegenen Inflationsraten zu kommentieren und zu interpretieren. Es habe einige Zeit gebraucht, bis die diesbezügliche Kommunikation Fahrt aufgenommen habe. Die FED habe in dieser Hinsicht deutlich zupackender und vorausschauender agiert. Das habe dem US-Dollar nicht geschadet.

Die Frage, ob die Signale von der Preisfront nun der Einstieg in eine - wieder - inflationäre Welt seien oder nur den Ausstieg aus den Corona-induzierten Sondereffekten des Jahres 2020 markieren würden, dürfe und müsse gleichwohl jeder Investor letztlich weiterhin für sich beantworten.

Denn mit der Antwort auf diese Frage gehe mittelbar auch die Antwort auf die Frage einher, ob die in der Folge gestiegenen Zinsniveaus Anlass zum Ein- oder Ausstieg in den jeweiligen Rentenmarkt sein sollten.

Als Fondsmanager eines globalen Rentenfonds sei man in der Antwort auf Dauer und in der Breite des eigenen Portfolios nicht wirklich frei. Doch einzelnen Marktsegmenten könne man sich natürlich verweigern - insbesondere, wenn deren Risiken auf der Zinsseite nicht ausreichend bezahlt würden. Das gelte seit geraumer Zeit für deutsche Bundesanleihen. Und das habe sich trotz des jüngsten Renditeanstiegs nicht geändert: Europas Benchmark-Anleihen würden weiterhin negativ rentieren - und das für Zeiträume von bis zu 15 Jahren. Attraktiv sei das nicht. Das gelte auch beim Blick auf die Alternativen: Eine 10-jährige italienische Staatsanleihe mit einer Rendite von 0,83 Prozent sollte eher Anlass zum Grübeln als zum Zugreifen sein.

In den USA habe sich das Bild hingegen gewandelt. Der Zinsanstieg sei hier weniger inflations-, sondern konjunkturinduziert und damit positiv besetzt. Und eine Treasury-Rendite von 1,59 Prozent für die kommende Dekade sei insofern ein Anlass aufzustocken. Per Saldo gelte es mit Blick auf die nächsten Monate gleichwohl auch hier, die Duration nicht ausufern zu lassen und die Zinsempfindlichkeit des Portfolios zu beschränken. Zinssätze für die 30-Jährige von wieder über 3 Prozent seien nicht mehr so unwahrscheinlich. Insofern teile Christian Bender von SIGNAL IDUNA Asset Management die erschrockene Reaktion vieler Marktteilnehmer auf die mit den jüngsten Zinsanstiegen einhergehenden Kurswertminderungen nicht. Das seien durchaus Kaufkurse.

Kaufkurse würden sich ebenfalls für ausgewählte Währungen im asiatisch-pazifischen Raum zeigen. Der Rückendwind durch das Freihandelsabkommen sollte anhalten. Für global agierende Anleger würden sich insofern verschiedenste Möglichkeiten bieten. Sowohl von der Zins- als auch von der Währungsseite attraktiv würden die Indonesische Rupiah und der Chinesische Renminbi wirken. Das gelte auch für den Australischen und in dessen Gefolge den Neuseeland-Dollar. Australien sei einer der Profiteure der sich weltweit andeutenden Dekade der Rohstoffe. Der Konsumhunger der etablierten und der aufstrebenden Volkswirtschaften in Verbindung mit der Erwartung eines Endes der Corona-Pandemie werde die Nachfrage und damit die Währungen der rohstoffreichen Länder treiben.

Davon zeuge auch die Norwegische Krone. Bereits in meinen jüngeren Marktkommentaren hatte ich diese favorisiert, da der Druck vonseiten des Ölpreises im vergangenen Jahr sehr übertrieben schien, so Christian Bender von SIGNAL IDUNA Asset Management. Mit den sich erholenden Preisen für das schwarze Gold erhole sich auch die Währung der Skandinavier. Hinzu komme ein Zinsvorsprung von gut 1,71 Prozent gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen.

Ähnliche Entwicklungen seien in Verbindung mit Erdöl vom Mexikanischen Peso zu erwarten. Gehe es um mineralische Rohstoffe, würden zudem Brasilien und Chile in den Blick rücken. Nickel, Lithium, Kupfer und Bauxit seien nur einige der hier geförderten Bodenschätze. Zinsniveaus zwischen 2,3 und 7,7 Prozent für jeweils 5-jährige Laufzeiten in den lokalen Währungen dieser drei lateinamerikanischen Staaten würden in Verbindung mit den erwarteten Stabilisierungen bzw. Aufwertungen der lokalen Währungen eine aussichtsreiche Kombination darstellen. Ob der Weg dabei über Emittenten aus den jeweiligen Ländern oder Off-Shore-Schuldner erfolge, sei der Risikobereitschaft des Anlegers überlassen.

Sollte jedenfalls die Konjunktur, wie von den Kapitalmärkten schon vorweggenommen, deutlich anziehen, werde das der Kreditwürdigkeit zahlreicher Unternehmen zugutekommen - auch und gerade außerhalb des Rohstoffsektors. Selbst wenn das nicht für alle Branchen gleichermaßen gelte, würden zahlreiche Corporate Bonds dadurch an Attraktivität gewinnen und sich so auch zunehmend wieder als Aktien-Surrogat präsentieren. Insofern ein Anlass, die über die vergangenen 15 Monate sicherlich zurecht hochgehaltenen Staatsanleihen in Teilen auch wieder durch Unternehmensanleihen und deren höhere Coupons zu substituieren. (04.05.2021/fc/a/f)





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