ETF-Handel: US-Unternehmen erste Wahl


06.06.18 11:12
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Vor dem Hintergrund der unübersichtlichen Regierungsbildung in Italien und einer damit einhergehenden wachsenden Risikoscheu unter Anlegern verbuchen Händler ansehnliche Umsätze mit börsengehandelten Indexfonds, so die Deutsche Börse AG.

"Rund 38.000 ETF-Trades in einer Woche mit gefühlt zwei heimischen Feiertagen plus einem Bank Holiday in Großbritannien sind ausgesprochen stark", beschreibe Andreas Bartels von der Commerzbank. Auch die dahinterstehenden Volumina hätten gestimmt. Das meiste habe sich in den Aktiensegmenten entwickelter Märkte abgestimmt. "Insgesamt hatten wir mehr Zu- als Abflüsse."

Für Rick van Leeuwen sei mit Formierung der neuen italienischen Regierung die Risikoscheu abgelegt worden. "Das große Sicherheitsbedürfnis gehört vorerst der Vergangenheit an", schätze der Händler von IMC Markets. In Folge hätten sich Investoren unterm Strich vermehrt kleinen und mittelgroßen europäischen Aktien zugewandt. "Hier stehen Käufe im Vordergrund."

Das gestiegene Interesse an NASDAQ-ETFs führe van Leeuwen auf das deutliche Plus des technologielastigen Index in den vergangenen Tagen zurück. Dieser kratze bei einem Stand von 7.165 Punkten fast am bisherigen Allzeithoch.

Ein Blick auf Bartels Bestenliste verrate: "Der Trend Richtung US-Aktien ist ungebrochen." Auf der Kaufseite hätten S&P 500-Produkte dicht hinter den meist gehandelten EURO STOXX 50-ETFs rangiert. Das europäische Barometer habe vergangene Woche von gut 3.500 auf zeitweise unter 3.400 Zähler nachgegeben und sich in Folge wieder auf 3.480 Punkte erholt.

Auch die UniCredit spreche von einem Schwerpunkt hin zu Aktien der Industrienationen und mache dabei insgesamt starke Bewegungen in beide Richtungen mit einem leichten Kaufüberhang aus. Zumeist Zuspruch gebe es für Portfolios mit S&P 500- (ISIN IE00B5BMR087 / WKN A0YEDG; ISIN IE00B3ZW0K18 / WKN A1C5E9; ISIN LU1681048804 / WKN A2H573) und Russel 2000-Aktien. Ausgeglichen auf beiden Seiten gehandelt würden NASDAQ- (ISIN FR0007063177 / WKN 541523; ISIN IE0032077012 / WKN 801498) und MSCI North America-ETFs (ISIN LU1437016543 / WKN A2ATYS; ISIN IE00B14X4M10 / WKN A0J201).

Neben US-Aktien kämen bei Investoren verstärkt kanadische Werte etwa im in US-Dollar geführten MSCI Canada Index zum Zug, aber auch in einer gegen Währungsschwankungen zwischen US- und Kanadischen Dollar abgesicherten Version, die in Deutschland nicht angeboten werde (ISIN LU1130155861 / WKN A12D6F). "Bei beiden dominieren die Käufe", beschreibe Oliver Kilian, der ebenfalls von überdurchschnittlichem Interesse an ETFs berichte. "Wir hatten doppelt so viele Umsätze wie im Durchschnitt."

In ihren Erwartungen hinsichtlich der weiteren Entwicklung heimischer Bluechips seien sich Anleger weitgehend einig. Produkte, die an die Entwicklung des DAX anknüpfen würden, führe Bartels in der Verkaufsstatistik ganz vorn.

Mit Blick auf die chaotische Regierungsfindung sei für Kilian die Abkehr von italienischen Unternehmen beispielsweise im S&P MIB und FTSE Italia Mid Cap Net Tax Index (ISIN FR0011758085 / WKN LYX0RV) kaum überraschend. "Auffällig häufig trennten sich Anleger zudem von ihren Positionen mit Schweizer Aktien." Zur Disposition stünden Indexfonds, die sich am MSCI Switzerland Net Return Index (ISIN nicht bekannt/ WKN A1V7EE; ISIN LU0977261329 / WKN A1W6DC) orientieren würden.

Mit hohen Umsätzen würden britische Aktien-ETFs verkauft. Etwa hätten sich Anleger Kilian zufolge unterm Strich von MSCI UK-Smallcap-ETFs sowie von den Large- und Midcaps verabschiedet, die im MSCI United Kingdom Index (ISIN LU0950670850 / WKN A1W3AB) enthalten seien.

EURO STOXX 50-Tracker (ISIN nicht bekannt/ WKN A14VTV; ISIN DE0005933956 / WKN 593395; ISIN LU0136234068 / WKN 794357) seien laut Kilian rege gehandelt und tendenziell dabei zurückgegeben worden. Ebenfalls häufig seien MSCI EMU Small Cap-ETFs (ISIN IE00B3VWMM18 / WKN A0X8SE; ISIN LU1598689153 / WKN LYX0W3) über den Verkaufstisch gegangen. Ansehnliche Umsätze in beide Richtungen gebe es für MSCI World-Tracker (ISIN IE00B441G979 / WKN A1C5E7; ISIN IE00B0M62Q58 / WKN A0HGV0).

Schwellenländeraktien seien im Moment eher ein Randthema im ETF-Handel, wie Kilian anmerke. Auf überschaubarem Niveau würden MSCI Emerging Markets-Positionen (ISIN LU1681045370 / WKN A2H58J; ISIN IE00B0M63177 / WKN A0HGWC; ISIN IE00BKM4GZ66 / WKN A111X9) in Summe aufgelöst. Die Umsätze in Länder-ETFs seien ganz vernachlässigbar. Die Kunden der Commerzbank hätten sich ebenfalls per saldo von ihren MSCI Emerging Markets-Investments verabschiedet, die in Bartels Orderbüchern Platz zwei der von Anlegern meist verkauften ETFs belegen würden.

Direkt dahinter seien Stoxx Europe 600 Banks-ETFs gefolgt. Nach Auffassung von Kilian sei die Abkehr von Banken beispielsweise im MSCI Banks und Stoxx Europe 600 Banks der Unsicherheit rund um Italiens politische Zukunft geschuldet. (Ausgabe vom 05.06.2018) (06.06.2018/fc/a/e)





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