ETF-Handel: Noch ein Boom-Jahr


05.01.22 14:43
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - "Diese ETF-Tipps sind bares Geld wert", "ETF-Tipps: So verdienen Sie jeden Monat ein bisschen mehr", dazu eine Serie mit ETF-Papst Gerd Kommer - ETFs sind in der Breite angekommen, selbst in der Bild-Zeitung, so die Deutsche Börse AG.

"Die Privatanleger sind voll im Markt", berichte auch Frank Mohr von Société Générale. Gerade junge Leute hätten den Aktienmarkt für sich entdeckt. "Und den meisten Neukunden geht es nicht ums Zocken, sondern um langfristiges Ansparen und Investieren." Das werde den ETF-Markt weiter unterstützen.

Bleiben beziehungsweise noch verstärken dürfte sich Marktbeobachtern zufolge auch der Trend in nachhaltige ETFs. 2021 seien dem Emittenten Amundi zufolge von den insgesamt 110,2 Milliarden Euro an Zuflüssen in Aktien-ETFs in Europa (bis Ende November) 57,3 Milliarden Euro auf ESG-Produkte entfallen - also mehr als die Hälfte. "Das wird ein großes Thema bleiben", meine Mohr.

Michael Jantzi, Geschäftsführer der Morningstar-Tochtergesellschaft Sustainalytics, gehe davon aus, dass ESG immer "normaler" werde. 2022 würden zwar Nachhaltigkeitserwägungen bei der Offenlegung von Finanzkennzahlen, der Aufsicht, dem Risiko und bei aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen zunehmen, es werde aber nicht mehr so viel über ESG und nachhaltige Finanzen gesprochen werden. "In zunehmendem Maße werden wir unsere Arbeit einfach als Investment oder Finanzen bezeichnen. Eine Vorsilbe wird nicht mehr nötig sein, wenn Nachhaltigkeit zur Norm wird."

Von den über 1.600 an der Börse Frankfurt gelisteten ETFs entfalle mit 446 mittlerweile über ein Viertel auf die Kategorie nachhaltig. Diese würden auch einen immer größeren Anteil am Handel ausmachen. Der iShares Global Clean Energy stehe auf der Liste der 2021 meistgehandelten ETFs an der Börse Frankfurt sogar auf dem dritten Platz - gleich hinter dem iShares Core DAX und dem iShares Core MSCI World. Auch in SRI-Varianten des MSCI World sei extrem viel umgegangen, vor allem im UBS MSCI World Socially Responsible und im iShares MSCI World SRI.

Sehr beliebt seien Amundi zufolge 2021 auch Branchen- und Themen-ETFs mit Zuflüssen von 29,6 Milliarden Euro von den insgesamt 110,2 Milliarden Euro in Aktien-ETFs in Europa gewesen. Bei den Themen-ETFs sei das Klimathema ebenfalls ganz vorn gewesen, gefolgt von Finanzen, IT, Gesundheit und Energie. Frank Mohr sehe zwei große Themenfelder, die immer wichtiger würden: Gesundheit und Technologie. "Darunter fällt etwa Biotechnologie, die klassische Pharmaindustrie, Batterieherstellung, Cyber Security, Cloud Computing."

Fabian Wörndl von Lang & Schwarz rechne für 2022 mit anhaltend hohen Zuflüssen in Wasser-ETFs wie den schon 2021 sehr beliebten Lyxor MSCI Water ESG Filtered (ISIN FR0010527275 / WKN LYX0CA). Auch Rohstoff-ETFs und -ETCs würden gefragt bleiben, ebenso Spezialthemen wie die Batterieproduktion, etwa mit dem WisdomTree Battery Solutions. "Und wenn Cannabis in Deutschland legalisiert wird, dürfte außerdem die Nachfrage nach Cannabis-ETFs wieder steigen."

Umsatzstärkste Branchen-ETFs an der Börse Frankfurt seien 2021 zwei Banken-Tracker (ISIN DE0006289309 / WKN 628930; ISIN DE000A0F5UJ7 / WKN A0F5UJ) gewesen, gefolgt vom iShares Automation & Robotics und - aufgrund des rasanten Ölpreisanstiegs - dem iShares Stoxx Europe 600 Oil & Gas.

Nicht mehr ganz so beliebt seien Smart Beta-ETFs, der Zuspruch sei laut Amundi ab Jahresmitte 2021 abgeebbt. Insgesamt seien laut Amundi bis Ende November in Europa 13,9 Milliarden Euro in diese Produkte geflossen. Gut seien vor allem Value- und Quality-ETFs angekommen, während Minimum Volatility-Produkte meist auf den Verkaufslisten gestanden hätten. Nach Einschätzung von Mohr würden sich Privatanleger*innen auch eher für Themen- als für Smart Beta-Produkte interessieren. "Themen-ETFs sind leichter verständlich. Smart Beta-Strategien werden eher von Profis verfolgt."

Im Geschäft mit Anleihen-ETFs seien chinesische Staatsanleihen 2021 laut Amundi ein echter Renner gewesen, hohe Zuflüsse hätten aber auch Unternehmensanleihen aus der Eurozone und den USA sowie inflationsgebundene Produkte verzeichnet. Nach Ansicht von Mohr dürfte sich der Trend in inflationsgeschützte Anleihen-ETFs fortsetzen. "Die Inflation wird wohl länger bleiben als von den Notenbanken erwartet."

Weiter viel Geld werde nach Einschätzung der Händler in Krypto-Produkte fließen. "Es werden wohl noch mehr Produkte aufgelegt werden, auch auf kleinere Kryptowährungen", meine Fabian Wörndl.

An der Börse Frankfurt könnten Anleger*innen mittlerweile auf 35 Krypto-ETNs setzen, und zwar von sieben Anbietern. Die ETNs würden die Kursentwicklungen von Bitcoin, Bitcoin Cash, Cardano, Ethereum, Litecoin, Polkadot, Solana, Stellar, Tezos und TRON sowie vier Körbe an Kryptowährungen widergeben. (Ausgabe vom 04.01.2022) (05.01.2022/fc/a/e)






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