DWS Invest ESG Equity Income-Fonds: Das "S" in ESG - schwer zu fassen, aber wichtig fürs Risiko


06.02.20 11:00
DWS

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Viele Investoren beschäftigen sich bei nachhaltigen Investments vor allem mit dem "E" und "G" der sogenannten ESG-Kriterien, so die Experten der DWS im Kommentar zum DWS Invest ESG Equity Income.

Dabei habe das "S" durchaus interessante Auswirkungen auf das Risiko eines Portfolios.

Ein nachhaltiges und verantwortungsvolles Leben zu führen, heiße für immer mehr Menschen auch bei der Geldanlage Titel von Unternehmen auszuwählen, die auf solche Aspekte achten würden. Indexanbieter würden zur Beurteilung der Unternehmen in diesem Bereich die sogenannten ESG-Kriterien nutzen. Dabei stehe das "E" für Environment - Umwelt, das "S" für Social - Soziales und das "G" für Governance - Unternehmensführung. Weil die Klimakrise aktuell ein großes Thema auf der politischen und medialen Agenda ist, scheinen sich viele Investoren momentan vor allem auf das "E" in ESG zu fokussieren, so die Experten der DWS.

Dass Titel von Unternehmen mit guter Governance zu einer höheren Performance führen könnten, sei Thema im Artikel "Gute Unternehmensführung zahlt sich aus". Wie aber sehe es mit dem Einfluss sozialer Aspekte bei der Geldanlage aus? Und welche Auswirkungen habe die Auswahl besonders sozial eingestellter Unternehmen auf das Investmentportfolio?

Dass Investoren bislang noch nicht so sehr auf Sozialstandards bei Unternehmen achten würden, zeige sich etwa daran, dass sich bei den Firmen noch kein einheitliches Reporting für soziale Aspekte eingebürgert habe. Nur wenige Unternehmen würden über ein Berichtswesen verfügen, um Investoren Daten zu sozialen Themen präsentieren zu können. Im Vergleich dazu habe die starke Konzentration auf Umweltfaktoren die Herausgeber von Wertpapieren veranlasst, Systeme und Berichtskonzepte zu Themen wie Kohlenstoffemissionen, fossile Brennstoffreserven und Nutzung von sauberer Energie zu entwickeln.

Verbunden damit sei die Schwierigkeit, soziale Kennzahlen überhaupt festzulegen. Denn Soziales umfasse sehr viele verschiedene Themen: Von Verbraucherschutz über Produktsicherheit, Arbeitsrecht und Arbeitssicherheit, Diversität, Bekämpfung von Korruption bis hin zur Einhaltung der Menschenrechte in der gesamten Lieferkette.

Erschwerend komme hinzu, dass die Faktoren in einzelnen Ländern unterschiedlich hoch gewichtet würden. So würden Deutsche im Schnitt ein höheres Gewicht auf die Einhaltung der Menschenrechte und die Vermeidung von Kinderarbeit legen. In England habe dagegen das Thema Diversität in der Belegschaft in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen.

"Um hier voranzukommen, gilt es klar zu definieren und zu messen, was in erster Linie ein soziales Unternehmen ausmacht", erläutere Robin Braun, Responsible Investment Officer bei der DWS. "Im nächsten Schritt muss entschieden werden, wie die einzelnen Aspekte zu gewichten sind, damit Anleger verschiedene Firmen und Sektoren im Bereich Soziales besser vergleichen können."

Trotz der Herausforderung soziale Faktoren zu greifen, zeige die Praxis, dass Unternehmen, die beispielsweise ihre Mitarbeiter schlecht bezahlen würden, mit erheblichen Schwierigkeiten rechnen müssten. So habe etwa ein Personenbeförderungsdienst aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen vorerst seine Lizenz in London verloren. Und eine Airline habe rückläufige Passagierzahlen verbucht, nachdem bekannt geworden sei, dass sie ihren Piloten einen vergleichsweise niedrigen Lohn bezahle. Ein weiteres Beispiel sei der Aufschrei, der nach eingestürzten Nähereien in Bangladesch durch die Medien gegangen sei und die Modebranche unter Druck gesetzt habe.

"Solche Beispiele unterstützen die Annahme, dass Unternehmen, die soziale Standards einhalten, stabiler wirtschaften können", sage DWS-ESG-Experte Robin Braun. "Denn kommen soziale Missstände einer Firma ans Licht, hat die Vergangenheit gezeigt, dass Stakeholder dies in der Regel abstrafen."

Auch eine Studie von Professor Alfonso Del Giudice von der katholischen Universität in Mailand zeige, dass soziale Kriterien für das Risikomanagement von Bedeutung seien. Er habe mehr als 1.000 Firmen aus 18 Ländern über einen Zeitraum von 14 Jahren analysiert. Das Ergebnis: Hohe soziale Standards könnten das systematische Risiko eines Unternehmens reduzieren. Als systematisches Risiko werde in der Portfolio-Theorie jenes Risiko bezeichnet, welchem alle Unternehmen ausgesetzt seien und das sich nicht durch Diversifikation verringern lasse. Für die Faktoren "E" und "G" habe Alfonso Del Giudice diesen Effekt nicht nachweisen können.

Der Studie zufolge scheinen Unternehmen mit hohen Sozialstandards gegenüber Einflüssen wie beispielsweise Inflation oder wirtschaftlichen Schwächephasen robuster zu sein, so die Experten der DWS. Demnach könnte das "S" Investoren dabei unterstützen, ein Portfolio aufzubauen, das weniger volatil auf Marktveränderungen reagiere. (Ausgabe vom 05.02.2020) (06.02.2020/fc/a/f)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
111,03 € 111,06 € -0,03 € -0,03% 01.01./01:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
LU1616932940 DWS2NY 122,84 € 89,16 €