DPAM Sustainable-Fonds: Auch Staaten müssen unter Nachhaltigkeitskriterien beurteilt werden


04.06.19 11:30
Degroof Petercam

Brüssel (www.fondscheck.de) - Unsere globalisierte Wirtschaft ist mit vielen Herausforderungen konfrontiert, allen voran dem Klimawandel, so die Experten von Degroof Petercam Asset Management (DPAM).

Aber auch die Verknappung der natürlichen Ressourcen, der Anstieg der Staatsverschuldung und die demographische Entwicklung seien sich immer weiter verschärfende Probleme. Um diese langfristig in den Griff zu bekommen, müssten Regierungen von Staaten weltweit stärker in die Pflicht genommen werden. Auch unter sozialen und gesellschaftlichen Aspekten würden Staaten als wichtige Akteure eine Schlüsselrolle spielen.

"Investoren können und müssen dazu beitragen, weltweit eine nachhaltige Staatsführung in der Breite zu fördern", sage Ophélie Mortier, Head of Responsible Investments bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM). "Die voranschreitende ESG-Regulierung unterstreicht die treuhänderische Pflicht von Investoren, ökologische, soziale und Governance-Faktoren in die Anlageprozesse und das Risikomanagement zu integrieren. Wie wichtig dies ist, zeigt ein Blick in die Portfolios von Pensionsfonds in Europa. Darin haben Staatsanleihen immerhin ein Gewicht von 30 Prozent".

Durch die Eurokrise hätten viele Länder ihren Status als risikofreie Anlagen verloren. Eine ausufernde öffentliche Verschuldung und unsolide Haushaltsführung würden nicht von guter, nachhaltiger Staatsführung zeugen. Schon damals habe sich gezeigt, wie wichtig es sei, ESG-Kriterien bei Investitionen in Staatsanleihen zu berücksichtigen. Denn Staatspapiere nachhaltiger Länder würden sich in Krisenzeiten grundsätzlich widerstandsfähiger zeigen. Zum Beispiel habe sich Skandinavien, dessen Regierungen soziale und ökologische Qualität unterstützen würden, während der Eurokrise deutlich besser behauptet als beispielsweise Südeuropa.

"Staatsführung, also die Governance von Ländern, bezieht sich auf die Qualität, Stabilität und Vorhersehbarkeit der umgesetzten Politik. Das ermöglicht den staatlichen Institutionen, sich im Hinblick auf endogene und exogene Ereignisse widerstandsfähiger zu verhalten - im Gegensatz zu nicht-nachhaltigen Faktoren wie Korruption, Unfreiheit und Bürokratie, die insbesondere auch ausländischen Investoren schaden können. Forschungsergebnisse belegen zudem den Zusammenhang zwischen der Qualität der Regierungsinstitutionen eines Landes und seinem Schuldenausfallrisiko", sage Ophélie Mortier. Sie betone zudem, dass sich die Meinung über wichtige Risikoparameter in den letzten zehn Jahren verschoben habe und Klimarisiken heute ganz oben auf der Prioritätenskala stünden. Deshalb würde eine bessere Nachhaltigkeitspositionierung südeuropäische Länder im heutigen Kontext wieder risikoärmer dastehen lassen.

Bereits 2007 habe DPAM ein eigenes Analysemodell zur Einschätzung der Nachhaltigkeit von OECD-Staaten entwickelt, das seit 2013 im Wesentlichen auch für Schwellenländer Anwendung finde. Im Zentrum der halbjährlich aktualisierten ESG-Untersuchung, die von externen unabhängigen Spezialisten unterstützt werde, stünden neben dem Hauptkriterium "Transparenz und demokratische Werte" die Faktoren "Umwelt", "Wirtschaft", "Bildung und Innovationen" sowie "Gesundheit und Vermögensverteilung der Bevölkerung".

In den letzten zehn Jahren habe Japan die untere Hälfte der Nachhaltigkeits-Rangliste der OECD-Mitgliedstaaten nicht verlassen können. Ein Blick auf die Schlüsselindikatoren für das Land zeige die Schwäche in Bezug auf Bevölkerung, Gesundheitsversorgung und Vermögensverteilung. Vor allem mit Blick auf die Umwelt seien die Ergebnisse enttäuschend. Als ressourcenarmes Land stelle Energie eine der größten Herausforderungen dar. Japan habe Mitte des 20. Jahrhunderts mit dem Ausbau der Kernenergie begonnen und sie zu einer seiner Prioritäten in den 1970er Jahren gemacht. Bis 2010 habe diese Energiequelle über 25 Prozent der Stromerzeugung ausgemacht, mit dem Ziel, diese auf 40 Prozent zu steigern. Erneuerbare Energien seien dementsprechend systematisch vernachlässigt worden. Heute würden auf sie nur 7 Prozent der gesamten Stromerzeugung entfallen. Dies sei im Vergleich zu Ländern wie Dänemark mit einem Anteil erneuerbarer Energien von 65 Prozent verschwindend gering.

Zudem stelle sich die Biodiversität als zunehmend problematisch heraus. Selbst wenn Japan seine Schutzgebiete auf 10 Prozent der gesamten Territorialfläche verfünffacht habe, lägen die Werte in Australien bei etwa 30 Prozent und in den Vereinigten Staaten bei 25 Prozent. Mit Blick auf die Demographie würden sich in Japan schwerwiegende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die soziale Sicherheit ergeben. Aus diesem Grund habe sich die Regierung in Tokio für erhebliche Investitionen in Bildung und Innovation entschieden.

"Dies ist auf mehreren Ebenen unseres Nachhaltigkeitsmodells sichtbar", sage Sam Vereecke, Portfoliomanager des DPAM L Bonds Government Sustainable. "Bereits seit 1972, als es den weltweit ersten vollwertigen intelligenten Roboter entwickelte, ist Japan führend in der Robotik. Die Mitarbeiter der Industrieroboter produzierenden Branche in Japan werden bis 2025 auf über eine Million geschätzt, und die Umsätze aus diesem Industriezweig werden dann einen Umsatz von fast 70 Milliarden US-Dollar erwirtschaften."

Im Kreis der Schwellenländer sei Brasilien ein Beispiel dafür, dass es wichtig sei, als Anleiheinvestor auf Nachhaltigkeitskriterien zu achten. In den letzten sechs Jahren habe das größte südamerikanische Land, das immerhin knapp 10 Prozent der traditionellen Schwellenländer-Anleihenindices repräsentiere, einen rasanten Abstieg um 33 Plätze im DPAM-Länderranking vollzogen.

"Das wichtigste Kriterium in unserem Nachhaltigkeitsmodell für Staaten sind Transparenz und demokratische Werte. Die Verschlechterung der bürgerlichen Freiheiten und politischen Rechte in Brasilien ist auffallend. Auch die Korruptionswahrnehmung ist nach wie vor hoch. Langsame Verbesserungen sind innerhalb der letzten sechs Jahre zwar sichtbar. Dennoch steht Brasilien in dieser Hinsicht immer noch am unteren Ende des Schwellenländer-Universums", kommentiere Michael Vander Elst, Portfoliomanager des DPAM L Bonds Emerging Markets Sustainable, die Entwicklung.

Er verweise zudem auf den Stillstand bei den Fortschritten zur Armutsbekämpfung und Wohlstandsverteilung. Der so genannte GINI-Index, der die Einkommensverteilung unter der Bevölkerung messe, habe sich in Brasilien seit Einführung des DPAM-Modells verschlechtert. Eine weitere besorgniserregende Entwicklung sei die Arbeitslosigkeit, die im Zeitraum von 2013 bis 2018 von 7 auf 12 Prozent stark angestiegen sei.

Schließlich seien auch die Bemühungen Brasiliens um den Treiber der ökologischen Nachhaltigkeit kritisch zu betrachten. Hier würden sich der Trend und der Vergleich zu anderen Ländern in der Region wie Mexiko ebenfalls nicht gut entwickeln. Die Luftqualität habe sich zuletzt in Bezug auf die Partikelkonzentration und den Prozentsatz der betroffenen Bevölkerung spürbar verschlechtert, weil der Einsatz von Kohle im Energiemix wieder zugenommen habe. Die erneuerbaren Energien würden angesichts der Größe des Landes auf einem marginalen Niveau bleiben.

"Der wesentlich kleinere mittelamerikanische Nachbar Costa Rica hat sich verpflichtet, bis 2050 keine Nettoemissionen zu verursachen. Die politischen Entscheidungsträger in Brasilien sollten sich davon inspirieren lassen. Fortschritte erfolgen zu langsam, und der Beitrag von Solar-, Wind-, und Wasserkraft zur gesamten Energieerzeugung ist zu gering", sage Michael Vander Elst. (04.06.2019/fc/a/f)





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