DNB Fund Technology: Historische Chance für Telekommunikationsaktien


11.11.20 12:00
DNB Asset Management

Luxemburg (www.fondscheck.de) - Mit Blick auf das ewige Duell zwischen Growth und Value könnte ein Paradigmenwechsel bevorstehen, so Anders Tandberg-Johansen, Portfolio Manager des DNB Fund Technology von DNB Asset Management.

Die Diskrepanz zwischen beiden Kategorien sei fast so hoch wie kurz vor der dem Platzen der Dotcom Blase. Ohne auf die Bewertung zu achten, hätten sich Anleger im Zuge der Coronakrise in großem Stil in Wachstumswerten und Titeln engagiert, die in den vergangenen Jahren besonders beliebt gewesen seien.

Die Dominanz der Technologiewerte in den Indices sei heute so stark wie seit dem Platzen der Internetblase zu Beginn dieses Jahrtausends nicht mehr. Mit Facebook, Amazon, Google, Apple und Microsoft seien es nur fünf Aktien gewesen, die den 500 Titel umfassenden S&P 500-Index in positives Terrain geführt hätten. Seit Beginn dieses Jahres seien ihre Kurse, aber nicht die Gewinne gestiegen, was zu deutlich größeren Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGVs) geführt habe. Bei Amazon betrage es derzeit 69, nach 46,7 Anfang Januar. Gerade die Dotcom-Krise habe gezeigt, dass sich Anleger bei zu hoch bewerteten Aktien nicht der langfristigen Risiken bewusst seien und sich stattdessen zu stark auf das kurzfristige Momentum fokussieren würden. Dies stelle auch heute eine Herausforderung dar.

Ein Beispiel: Das KGV auf Basis der Gewinnprognosen für die kommenden zwölf Monate im Bereich Software und Services liege bei durchschnittlich 36. Berücksichtige man die Aktienoptionen als Teil der Kompensation der Führungskräfte - was viele Anleger nicht tun würden - ergebe sich ein deutlich höheres Niveau. Firmen wie Adobe oder Salesforce kämen gar auf KGVs von 50 bzw. 75. Im gesamten Sektor gebe es derzeit nur wenige vernünftig bewertete Unternehmen, die langfristig überzeugende Renditechancen bieten würden.

Die Märkte seien nach wie vor sehr enthusiastisch, was Wachstumsaktien betreffe. Auf der anderen Seite seien Unternehmen mit gutem strukturellem Wachstum wie etwa Autozulieferer wegen des Lockdowns abgestraft worden. Dies schaffe gute Investmentmöglichkeiten.

Gute Chancen biete etwa der von stabilen Erträgen geprägte Bereich Telekommunikationsdienstleistungen, der historisch günstig bewertet sei. Die Sektorvertreter würden kontinuierlich ihre Kapitalrendite verbessern und ihre Kosteneffizienz steigern. Die Gewinnschätzungen seien niedrig und die Pandemie wirke als Katalysator für die Unternehmen, deren Cashflow-Rendite bis zu 10% pro Jahr steigen dürfte. Mit Blick auf die Bewertungen hätten sich die Telecoms vom Software und Services-Sektor entkoppelt. Erstere hätten seit Jahresbeginn im Schnitt um 11,1% an Wert verloren, während der Gewinn je Aktie in diesem Zeitraum um 5% nachgegeben habe. Software-Titel hingegen seien um 22,7 Prozent gestiegen, obwohl der Ertrag je Anteilschein um 6% abgeschmolzen sei. Die lange Zeit der Outperformance des Tech-Sektors gegenüber den Telecoms dürfte sich daher dem Ende nähern. Zwar sei das Timing schwierig zu greifen, doch langfristig biete das günstige Risiko-Ertrags-Profil attraktive Renditechancen.

Blicke man beispielsweise auf die Kursentwicklung der Deutschen Telekom sei verwunderlich, dass sie so weit hinter dem Markt herhinke. Während die Tochter T-Mobile US in diesem Jahr mehr als 40 Prozent gestiegen sei, liege die Performance der Telekom-Aktie bei minus 10%. Diese Diskrepanz sei enorm, zumal 80 Prozent der Geschäftsaktivitäten der Deutschen Telekom mit den USA verbunden seien. Nach der Fusion von mit Sprint werde T-Mobile US in diesem Jahr einen Cashflow von rund 10 Milliarden Dollar erwirtschaften, der sich dank der Synergien und des Marktanteils innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre nochmals verdoppeln dürfte. Mit einem KGV von 4 sei die Deutsche Telekom vor diesem Hintergrund deutlich unterbewertet.

Die US-Regierung wolle die Marktmacht von Google bei der Internetsuche brechen und habe kürzlich eine Kartellklage gegen den Konzern erhoben. Dies sei für Google beherrschbar und im aktuellen Kurs eingepreist. Zwar könnte sich das Prozedere über mehrere Jahre hinziehen, doch seien keine gravierenden Folgen für das Geschäftsmodell absehbar. Die großen Internetunternehmen würden dazu tendieren, größer zu werden - und das werde sich nicht ändern.

Die schwachen Quartalszahlen, die jüngst von SAP gemeldet worden seien, seien kein Anzeichen für eine allgemeine Nachfrageschwäche im Software-Sektor. Microsoft etwa habe kürzlich mit sehr starken Ertragskennziffern gepunktet. Bei SAP seien es eher hausgemachte Probleme. Belastend habe vor allem die gekappte Mittelfrist-Prognose gewirkt. Gleichwohl sei der Kursabschlag übertrieben gewesen. Wenn SAP zeige, dass es die Transition zu einem besseren Business-Modell komme, werde der Markt dies belohnen.

Mit Blick auf die regionale Allokation sollten Anleger die USA auf Basis einer Bottom-up-Analyse untergewichten. US-Aktien seien nicht nur deutlich höher bewertet als ihre europäischen Pendants. Sie könnten zudem unter steigenden Unternehmenssteuern leiden, falls Biden die Präsidentschaftswahlen gewinne. (11.11.2020/fc/a/f)





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