Comgest Growth Emerging Markets-Fonds: China bleibt Wachstumsmotor der Schwellenländer - Fondsanalyse


22.07.20 11:00
Comgest

Paris (www.fondscheck.de) - Die Weltwirtschaft steckt in einer Rezession, von der auch die Schwellenländer nicht verschont bleiben, so Emil Wolter, Portfoliomanager des Comgest Growth Emerging Markets.

Allerdings gebe es bei all dem Schatten, der sich derzeit breit mache, auch Licht: Aus Sicht der unabhängigen internationalen Fondsgesellschaft Comgest hätten Schwellenlandaktien nach einem Jahrzehnt der schwachen Performance nun starkes Aufholpotenzial. Der Wachstumstreiber dieser Renaissance ist und bleibt vorerst China, so die Experten von Comgest. Das Land habe sich nicht nur während der Covid-19-Krise, trotz Handelskrieg, Virus-Eindämmung und Dollar-Stärke, für viele als unerwarteter sicherer Hafen bewährt. Vielmehr wachse seine Bedeutung für die Weltwirtschaft sowie an den Börsen zunehmend, während sich das Reich der Mitte allmählich zum Zentrum wichtiger Zukunftstrends entwickle.

Aktuell würden sich die einzelnen Länder unterschiedlich schnell von der Pandemie erholen. Auch unter den Schwellenländern würden sich Unterschiede beobachten lassen: "China und Nordasien bewältigen die Krise rasch und das Konsum- und Wirtschaftsleben ist wieder im Aufschwung. Beispielsweise hat das Disney Resort in Shanghai seine Pforten bereits seit Ende Mai wieder geöffnet und profitiert von Nachholeffekten. Insgesamt handelt es sich um eine kurze, aber harte Angebotskrise", so Emil Wolter, Portfoliomanager des Comgest Growth Emerging Markets. Doch für Länder mit schwachen Gesundheits- und Verwaltungssystemen, wie in Brasilien oder Südafrika, werde die Lage durch Covid-19 verschärft.

Der Comgest-Manager sehe bei Schwellenländern sowohl Risiken als auch Chancen: "Die Inflation könnte sich beschleunigen. Allerdings ist die Teuerung in den Schwellenländern 2019 so niedrig ausgefallen, wie seit 30 Jahren nicht mehr, was Spielraum für Stimulus bietet. Im Risiko der Dollar-Stärke sehe ich die starke Unterbewertung der Währungen als Chance. Eine durchgreifende Bewertungskorrektur ist möglich. Die Blase ist nicht in den Schwellenländern, denn die KGVs sind relativ und absolut niedrig." Insbesondere China sehe Comgest als Wachstumsmotor unter den Entwicklungsländern. Die Bedeutung des Landes für die Weltwirtschaft wachse nicht nur seit Jahren kontinuierlich, was auch am Anteil Chinas am globalen, kaufkraftbereinigten BIP sichtbar werde - 6 Prozent in 2000 gegenüber 19 Prozent in 2019 -, sondern auch an den Aktienmärkten. "Der Geldzufluss an den Börsen von Shenzhen und Shanghai steigt. Seit sich der Markt in den Jahren 2014/2015 geöffnet hat, ist die Nachfrage stark gestiegen", meine der Experte.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für diese Entwicklung seien Zukunftstrends, die Fahrt aufnehmen würden und ihren Ursprung in China hätten. Wolter sehe in der Innovation einen zentralen Wettbewerbsvorteil: "Patentanmeldungen schießen in die Höhe. China meldet neben den USA die meisten Patente an und investiert immer mehr in Innovation. So sind im "Made in China 2025"-Plan 180 Milliarden US-Dollar als jährliche Investition in Zukunftsindustrien wie künstliche Intelligenz, 5G, Internet of Things, Augmented Reality und Elektromobilität vorgesehen. China strebt 70 Prozent Selbstversorgung mit High-Tech-Produkten auf lange Sicht an. Hier entwickelt sich ein starkes Exportmodell." Neben dem Technologiesektor sei Comgest überzeugt, dass der Gesundheitsmarkt im Reich der Mitte fruchtbaren Boden für Investoren biete. Denn die privaten und öffentlichen Gesundheitsausgaben würden schnell steigen, angefacht von einer immer größer werdenden Mittelschicht. Darauf baue beispielsweise der Versicherungsdienstleister Ping An Insurance, der eine Position im Comgest Growth Emerging Markets bilde.

Weitere spannende Titel seien der Gaming-Anbieter NetEase, der durch die Coronakrise einen deutlichen Aufschwung erfahren habe, und der Internet-Gigant Tencent, zu dessen Schwerpunkt soziale Netzwerke, Gaming- und FinTech-Dienste zählen. Auch in anderen Schwellenländern, wie Südafrika oder Brasilien, wären Wolter zufolge starke Unternehmen zu finden. "Allerdings sind in diesen Ländern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich schwieriger, was die Performance in den vergangenen Jahren erheblich belastet hat", sage er.

Zu den neuesten Zugängen im Comgest Growth Emerging Markets zähle HDFC, eine der größten indischen Privatbanken. Vor dem Hintergrund eines vergleichsweise schwachen öffentlichen Bankensektors, einer recht jungen Bevölkerung und fortschreitender Urbanisierung gelte HDFC als stark etablierter Player im Bereich der Immobilienfinanzierung. Das Unternehmen weise geringe Kreditrisiken, ein starkes Filialnetz, wachsende Kundeneinlagen, starke Bilanzen sowie eine hohe Eigenkapitalrendite auf - und das seit 20 Jahren.

Eine Position, die kürzlich verkauft worden sei, sei Hikvision, der weltweit führende Anbieter von Produkten und Lösungen für die Videoüberwachung und Sicherheitstechnik. Das Unternehmen habe sich trotz Engagement nicht von seiner Beteiligung an einem Erziehungscamp für die muslimische Minderheit in der Xinjiang-Region getrennt. "Das ist aus ESG-Gründen für uns nicht tragbar. Sehen wir kritische Bereiche, sprechen wir sie proaktiv an und versuchen im Austausch mit dem jeweiligen Unternehmen, Veränderungen herbeizuführen", sage Wolter. So habe Comgest erst kürzlich zusammen mit anderen Investmentgesellschaften einen offenen Brief an Brasiliens Staatspräsidenten Jair Bolsonaro unterzeichnet. In diesem sei er aufgefordert worden, die Rodung des Amazonas-Regenwalds zu stoppen, die Kohlendioxidemissionen und den Verlust der biologischen Vielfalt zur Folge habe. (22.07.2020/fc/a/f)






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