Classic Funds: Das anhaltende schlechte Abschneiden von Value-Titeln wirft Fragen auf


07.06.19 09:30
Classic Funds Management AG

Triesen (www.fondscheck.de) - Das anhaltende schwache Abschneiden von Value-Titeln wirft bei Anlegern Fragen auf, die Georg von Wyss, Mitgründer des Schweizer Fondsverwalters BWM AG (Braun, von Wyss & Müller) und Manager der Deep-Value-Fonds Classic Global Equity Fund und Classic Value Equity Fund (ISIN LI0019077903 / WKN A0DK5K) bei der Classic Funds Management AG gern beantwortet.

Die BWM AG sei 1997 aus einem Team von erfahrenen Finanzanalysten und Bankfachleuten gegründet worden. Sie verfolge einen Value-Ansatz und agiere dabei selbstständig und völlig unabhängig.

Bei Value-Titeln wird regelmäßig der langfristige innere Wert in den Vordergrund gestellt. Sind langfristige Betrachtungen hingegen nicht mit großen Unsicherheiten verbunden?

Georg von Wyss: Kurzfristig werden Aktienkurse von Nachrichten, der Marktstimmung und neuerdings auch Tweets bestimmt. Diese Einflüsse sind unseres Erachtens sehr schwer vorauszusehen, sodass die von ihnen verursachten Schwankungen de facto zufällig zustande kommen. Langfristig aber bestimmen die Gesetze der Mikroökonomie die Kurse - allen voran die Regel, dass ein normal geführtes Geschäft industrieübliche Wachstumsraten und Margen erreichen sollte. Die darauf basierenden Prognosen sind zwar immer noch mit Unsicherheiten verbunden, aber weniger als wenn man kurzfristig spekuliert. Unter anderem aus diesem Grund funktioniert Value-Investing.

Warum kaufen Sie für Ihre Fonds Unternehmen, die bei 60% des inneren Werts notieren, wenn Sie sie mit etwas Geduld vielleicht auch für 40% oder weniger bekommen könnten?

Georg von Wyss: Unsere Erfahrung ist, dass die meisten Titel selten zu 60% des inneren Werts notieren, und noch seltener zu 40%. Wir müssen daher intensiv nach ihnen suchen. Wenn wir dabei feststellen, dass ein Titel nicht nur bei einem Kurs von 60% des inneren Werts notiert, sondern noch weiter fallen könnte, dann würden wir natürlich auf noch tiefere Kurse warten. In der Regel gehen wir aber vom wahrscheinlicheren Fall aus und beginnen bei 60% die Position aufzubauen. Fällt die Aktie dann weiter, dann kaufen wir nach - und sofern wir einen aussichtsreichen Titel auf bereits extrem tiefem Niveau entdecken, dann greifen wir natürlich erst recht zu.

Die zurückliegende Entwicklung des Value-Segments zeigt doch, dass der aktuelle Markt nicht an langfristige Perspektiven glaubt und auch nicht bereit ist, dafür zu zahlen, oder?

Georg von Wyss: Das scheint im Moment tatsächlich der Fall zu sein. Unserer Überzeugung nach wird sich der Markt allerdings nicht auf Dauer so verhalten, denn das hieße, dass Anleger Gewinnchancen bewusst ignorieren würden. Wir denken vielmehr, dass Anleger gegenwärtig Titel trotz offensichtlicher Unterbewertung nicht kaufen, weil sie kurzfristige Kursverluste fürchten. Value-Aktien sind ja gerade die Titel, von denen Anleger am wenigsten Wachstum erwarten. Dies bringt es mit sich, dass sie in unsicheren Zeiten erst mal diese Titel verkaufen.

Zugleich sind gerade diese niedrigen Erwartungen einer der wichtigsten Gründe, warum der Value- Stil bei einem längeren Anlagehorizont funktioniert. Sind die Unternehmen an sich gesund, werden zwischenzeitlich negative Einschätzungen über kurz oder lang von sachlich begründeten, optimistischeren abgelöst. Mit anderen Worten, sind die Ängste weg, dann greifen auch die anderen Anleger zu. Bis dahin ist bisweilen allerdings viel Geduld nötig.

In "Geschichte des Value Investing" auf der BWM.ch-Webseite steht geschrieben, dass massive Unterbewertungen selten geworden seien. Beweist die anhaltend große (und wachsende) Unterbewertung des Value-Segments wie auch Ihrer Fonds nicht das Gegenteil?

Georg von Wyss: Im Moment trifft unsere Aussage tatsächlich nicht mehr zu. Es gibt recht viele unterbewertete Titel, weil die Anleger Unsicherheit zurzeit scheuen. Leider kann man das auch an der gegenwärtigen Performance unserer Value-Fonds ablesen. Die positive Kehrseite von dieser Aussage ist natürlich, dass die Fonds zurzeit besonders viel Potenzial bieten. Für alle, die investieren möchten, ist daher jetzt eine gute Gelegenheit.

Wieso glauben Sie, dass Ihr lange Zeit funktionierendes Erfolgsmodell für Überperformance und Vermögensbildung auch in der heutigen Zeit noch funktioniert?

Georg von Wyss: Es ist immer schwer, in einer Phase von großer Underperformance an die langfristigen Vorteile des Value Investing zu glauben. Doch hilft in solchen Situationen, eine historische Perspektive zu berücksichtigen und zu bedenken, dass es immer schon solche Schwächephasen gegeben hat, denen Zeiten sehr guter Performance folgten.

Die Frage impliziert auch, ob sich der Value-Stil überlebt hat und ob Anleger in Zukunft nicht nur temporär, sondern dauerhaft Firmen ignorieren, die massiv unterbewertet sind. In der Vergangenheit war das nie der Fall. Früher oder später hat sich das Blatt immer gewendet und die ersten stark unterbewerteten Titel begannen, eine gute Performance abzuliefern - und Value- Investing wurde wieder populär.

GMO LLC., ein in Boston domizilierter Value Manager, hat jüngst das Paper "Bruised by a 1000 Cuts" publiziert, indem der Autor zeigt, dass die Bewertungen über alle Regionen momentan sehr tief sind, und erklärt, dass das nicht ewig so bleiben wird.

Wie müsste die Anlegerwelt beschaffen sein, dass die Aktien-Börse motiviert wäre, die Unterbewertung des Value-Sektors zu reduzieren und wie realistisch ist das nach einem langen Bullenmarkt? Ist es nicht wahrscheinlicher, für die nächsten Jahre sogar eine deutliche Marktkorrektur nach unten zu erwarten?

Georg von Wyss: Wie bereits ausgeführt, hat sich historisch betrachtet das Blatt immer wieder zu Gunsten von Value gewendet, wenn es auch teilweise sehr lange Durststrecken gab.

Die Befürchtungen einer deutlichen Marktkorrektur nach unten halten wir wiederum für übertrieben bzw. verfrüht. Solange die Inflation niedrig bleibt, werden die Zentralbanken keine Rezession herbeiführen - und von einem solchen Szenario sind wir wahrlich sehr weit entfernt. Zudem sind die Bewertungen aktuell nicht hoch. Es gibt also keinen zwingenden Grund für eine Korrektur, es sei denn wir gehen wirklich in einen Handelskrieg. Aber das ist ja gerade das Szenario, welches die Börse im Moment eskomptiert, das also bereits eingepreist ist. Damit kann die Lage an den Börsen eigentlich nur besser werden! (07.06.2019/fc/a/f)





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