Classic Funds: Value vs. Growth - Ein Déjà-vu in einem von Euphorie geprägten Markt


02.11.20 10:00
Classic Funds Management AG

Triesen (www.fondscheck.de) - Value-Investoren hatten in den letzten Jahren wenig zu lachen, so Georg von Wyss, Gründer des Schweizer Fondsverwalters BWM Value Investing und Manager der Classic Funds.

Das gelte erst recht in diesem Kalenderjahr, in dem die großen und beliebten Tech-Werte sehr (Apple) bis unglaublich (Tesla) teuer geworden seien. Doch es gebe allmählich Lichtblicke, und einer davon sei das vermehrte Erscheinen von Beiträgen, die suggerieren würden, es sei nicht mehr nötig und auch nicht mehr möglich, Aktien zu bewerten. Für erfahrene Börsianer sei das ein Déjà-vu!

Fundamentale Aktieninvestoren könnten den Value- oder den Growth-Ansatz verfolgen; oder etwas dazwischen. Alle würden sie dabei immer den gleichen, grundsätzlichen Bewertungsprozess verwenden, sich aber in den Annahmen unterscheiden, die sie treffen würden. Growth-Investoren seien in der Regel optimistischer über die Wachstumsperspektiven bestimmter Unternehmen und seien daher auch eher bereit, den vollen Preis - also die volle Bewertung - dafür zu bezahlen - oder sogar noch einen Aufschlag.

Value-Anleger seien eher pessimistisch bezüglich der Entwicklung künftiger Gewinne und würden Aktien bevorzugt unter Wert kaufen, um eine höhere Rendite sowie eine Sicherheitsmarge gegen Fehler zu erhalten. Dank der vielen Bewertungs- und Anlageentscheide, die fundamental orientierte Anleger treffen würden, fließe das Geld über kurz oder lang dorthin, wo die Bewertungen, je nach Optik, am attraktivsten seien. So, wie Konsumenten tendenziell die Produkte aussuchen würden, die das beste Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen und Händler zwingen würden, sich dem allgemeinen Preisniveau anzupassen, so werde an der Börse über Millionen Kauf- und Verkaufsentscheide ein Konsens über den "richtigen Wert" der Unternehmen gebildet.

Allerdings könne dieser Prozess zeit- oder sektorweise aussetzen. Schätze die Gemeinde der Marktteilnehmer einzelne Titel oder Gruppen von Aktien zu tief ein, dann würden Value-Anleger zuschlagen. Kurse könnten natürlich auch übertrieben hoch klettern. Das sei gegenwärtig der Fall bei Technologiefirmen und bei solchen, die zur Verbesserung der Umwelt beitragen würden und daher von Investoren gesucht würden, die ihr Geld nach Nachhaltigkeitskriterien (ESG: Environmental, Social, Governance) investieren würden.

Diese Aktien würden immer weiter steigen und enorm viel Geld anziehen, das nicht (mehr) nach fundamentalen Kriterien investiert werde - dazu gehöre auch Geld aus den Bondmärkten, das angesichts der niedrigen Zinsen in Aktien fließe. Entsprechend hätten die Bewertungen dieser Titel ein Niveau erreicht, das selbst für ausgemachte Optimisten nicht mehr nachvollziehbar sei.

Daraus nun zu schließen, die alten Bewertungstechniken würden nicht mehr funktionieren, heiße aber, Ursache und Wirkung zu verwechseln. Es sei keineswegs so, dass die Euphorie in gewissen Sektoren die alten Kennziffern obsolet gemacht hätte. Vielmehr würden diese gegenwärtig vor einer Euphorie warnen, die, wie immer wieder an den Märkten, irgendwann übel enden werde.

Dass Bewertungsregeln für besonders viele Marktteilnehmer in den letzten Jahren tatsächlich unwichtig geworden seien, erkläre unter anderem die schlechte Performance des Value-Stils. Glücklicherweise gebe es mittlerweile viele Anzeichen, dass diese haltlose Euphorie bald verpuffen und die fundamentale Analyse ihre Wirksamkeit zurückgewinnen werde.

Die Verkündung der Obsoleszenz der alten Bewertungsmethoden sei ein solches Signal. Die Beteiligung vieler neuer, unbedarfter Spekulanten am Markt sei ein anderes. Sie gehe Hand in Hand mit dem Verhalten vieler institutioneller Anleger; diese würden die Welle wider besseres Wissen mitreiten, weil sie die letzten Prozentpunkte relativer Performance nicht verpassen möchten. Zudem werde Value-Managern Geld entzogen, und einige von ihnen würden das Geschäft freiwillig oder unfreiwillig verlassen.

Die hier skizzierten Muster seien altbekannt und würden sich periodisch wiederholen. Vor 20 Jahren seien sie besonders auffällig aufgetreten, als die Internet-Spekulationsblase ihren Höhepunkt erlebt habe. Nur seien es gemäß den damaligen Artikeln zur angeblich neuen Welt nicht Visionen einer technologisierten grünen Zukunft, welche die Bewertungskennzahlen ersetzen würden, sondern "Klicks" gewesen.

Es habe damals nicht mehr lange gedauert, bis die Blase geplatzt sei. Viele Investoren hätten massiv Geld verloren, nicht aber die, die unterbewertete Aktien gehalten hätten. Mit der Renaissance der Value-Investoren sei die Diskussion um die Relevanz von Bewertungen und fundamentaler Analyse vorerst wieder beigelegt gewesen. Das werde dieses Mal nicht anders sein.

Der Classic Global Equity Fund wie auch der Classic Value Equity Fund (ISIN LI0019077903 / WKN A0DK5K) seien für langfristig orientierte Anleger konzipiert, die über mehrere Jahre hinweg nachhaltig Kapital bilden möchten. Da bei Aktien Rückschläge von über 30 Prozent nie auszuschließen seien, sollte der Anlagehorizont mindestens sieben Jahre betragen, um eine Erholung abwarten zu können. (02.11.2020/fc/a/f)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
523,75 CHF 528,35 CHF -4,60 CHF -0,87% 26.01./00:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
LI0008328218 964903 584,20 CHF 303,10 CHF
Werte im Artikel
157,60 plus
+2,01%
523,75 minus
-0,87%