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Blockchain-Aktienfonds: Facebook-Leck - Blockchain als Bedrohung und Rettung - Fondsanalyse


05.10.18 09:30
ChainBerry Asset Management

Hamburg (www.fondscheck.de) - In der vergangenen Woche musste Facebook gestehen, dass bei einem Hacker-Angriff Daten von 50 Millionen Nutzern offengelegt wurden, so die Experten von ChainBerry Asset Management.

Nach dem Skandal um die Datenweitergabe an externe Analysefirmen sei dies ein weiterer Rückschlag auf dem Weg gewesen, sich als vertrauenswürdiger Dienstleister zu präsentieren. Facebook scheine jetzt auf Blockchain-Technologie zu setzen, um sein Ziel zu erreichen - und werde sich dafür grundlegend wandeln.

"Der neuerliche Datendiebstahl wäre nicht möglich gewesen, wenn Facebook die Blockchain-Technologie eingesetzt hätte", sage Karsten Müller, Geschäftsführer der ChainBerry GmbH, die den ersten Blockchain-Aktienfonds aufgelegt habe. "Die Nutzerdaten lägen dann dezentral und sicher in einer Blockchain, kaum noch zugänglich für Datendiebe." Allerdings würde das eine vollständige Häutung des Riesen Facebook bedeuten, denn auch der Konzern käme nur eingeschränkt an die Daten, seine bislang wichtigste Einnahmequelle. "Aber hier setzt ein Umdenken ein. Und wie wir Facebook kennen, kann es sehr schnell gehen", sage Müller.

Derzeit lebe Facebook davon, maßgeschneiderte Werbung zu verkaufen. Das setze aber die Kenntnis über seine Nutzer voraus. Mit Blockchain wäre das deutlich schwieriger. Das sei wohl auch der Grund, warum Facebook lange gezögert habe, bis es auf Blockchain aufgesprungen sei. Doch seither gehe es sehr zielstrebig voran und die ersten Schritte würden andeuten, wohin sich Facebook entwickeln könnte.

Erst im Mai dieses Jahres habe Facebook-Chef Mark Zuckerberg ein Blockchain-Team, geführt von David Marcus, auf die Beine gestellt. Marcus sei zuvor Chef des Messenger-Dienstes von Facebook gewesen und kenne sich in der Materie aus: Bis vor wenigen Tagen sei er im Verwaltungsrat der weltgrößten Krypto-Börse Coinbase aktiv gewesen. "Diese Personalentscheidung verrät also viel über Zuckerbergs zukünftige Blockchain-Strategie", sage Müller.

Denn wenn der Verkauf von Werbung wegen der Blockchain-Technologie schwieriger werde, müssten andere Erlösmodelle gefunden werden. "Die riesige Kundenbasis gepaart mit dem hauseigenen Messenger-Dienst könnte Facebook in ganz neue Sphären heben", sagr Müller. "Und zwar als Anbieter mobiler Bezahldienstleistungen."

Weltweit seien aktuell eine Reihe von Unternehmen dabei, Messenger-Dienste mittels Blockchain mit Bezahlfunktionen zu unterlegen. So habe Softbank gemeinsam mit dem US-amerikanische Unternehmen Synchronoss jüngst verkündet, auf dieses Gebiet vorzudringen. Ein japanischer Tourist könne dann, nur mit seinem Smartphone ausgerüstet, in den USA, in Europa oder wo auch immer in der Welt in beliebiger Währung einkaufen. Sicher und extrem günstig. Und lukrativ für den Anbieter, der eine große Kundenbasis habe.

Das treffe bei Facebook mehr als bei fast allen anderen Konzernen zu. Ein logischer Schritt also, dem Facebooks Blockchain-Chef auch vertraut sein sollte: David Marcus sei bis 2014 Präsident von PayPal gewesen. Er kenne den Markt und könnte Facebook im Rekordtempo auf völlig neues Terrain führen. (Ausgabe vom 04.10.2018) (05.10.2018/fc/a/f)