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Blended-Finance-Fondsstrukturen: Investitionsalternative in Afrika


04.04.19 12:00
BlueOrchard

Zürich (www.fondscheck.de) - In Afrika konzentrieren sich traditionelle Banken bei der Vergabe von Finanzierungen auf große lokale und internationale Unternehmen oder investieren ihre liquiden Mittel in Staatsanleihen, sagt Yann Groeger, Regional Manager Afrika bei BlueOrchard.

Man sehe zudem häufig, dass lokale Finanzinstitutionen nicht über die Strukturen und Kapazitäten verfügen würden, kleinvolumige Kredite zu vergeben. Dies führe dazu, dass je nach Land bis zu 25 Prozent der Bevölkerung keinen Zugang zu einem formalen Finanzsystem hätten, um Kredite zu erhalten. Davon seien insbesondere Einzelpersonen und Besitzer kleiner und mittelständischer Unternehmen betroffen.

Hier sei der Mikrofinanzsektor behilflich, der genau für diese Zielgruppen alternative Zugänge zu Krediten ermögliche. Bei der Refinanzierung des Mikrofinanzsektors würden vermehrt sogenannte Blended-Finance-Fondsstrukturen eine große Rolle spielen. Diese würden für private Investoren eine interessante Beteiligungsmöglichkeit darstellen, da öffentliche Geldgeber hierbei häufig ein First Loss Agreement anbieten würden, wodurch sie das Ausfallrisiko bis zu einer gewissen Höhe übernehmen würden. Ein Bereich, in dem sich nach Erachten der Experten durch Mikrofinanzierung und Blended Finance Chancen bieten würden, sei der afrikanische Bildungssektor - einer der wichtigsten Bereiche für eine nachhaltige Entwicklung des Kontinents.

In den meisten afrikanischen Ländern würden private Schulen, eher als öffentliche, den Zugang zu guter Bildung ermöglichen. So könnten die Menschen von Impact Investing profitieren: Auf der einen Seite würden die Schulen und Universitäten Kredite brauchen, um diese aufzubauen oder zu modernisieren. Auf der anderen Seite würden vielerorts Einzelpersonen oder Familien Ausbildungskredite benötigen, um einen Studienplatz an einer privaten Schule oder Universität zu finanzieren. Es ergebe sich dadurch die Möglichkeit einer Win-Win-Situation: Sowohl die Menschen vor Ort, als auch Impact Investoren würden Vorteile davon tragen.

Eine weitere Besonderheit von Blended-Finance-Fondsstrukturen sei, dass Institutionen neben der Finanzierung auch Experten zur Seite gestellt würden, die sie bei der Entwicklung von Finanzprodukten unterstützen würden. Dies stelle beispielsweise im Bildungssektor sicher, dass die Produkte im Einklang mit den jeweiligen Kreditnehmern wie Universitäten, Gehaltsempfängern oder SMEs seien.

Die Ausfallraten im Mikrofinanzsektor, und besonders bei Krediten für Ausbildung, seien zudem sehr gering. Nach der Erfahrung der Experten würden 99 Prozent der Kredite zurückbezahlt. Das Risiko könne demnach als moderat eingestuft werden - wenngleich Risiken bei Investments selbstverständlich niemals vollkommen ausgeschlossen werden könnten. (04.04.2019/fc/a/f)