Berenberg Variato Fonds: "Haben die Tiefststände bei Aktien bereits gesehen" - Fondsanalyse


14.05.20 09:30
e-fundresearch.com

Wien (www.fondscheck.de) - Wie die von Prof. Dr. Bernd Meyer und Ulrich Urbahn gemanagte Multi Asset Strategie "Berenberg Variato" mit dem Coronavirus-Marktumfeld bislang zurecht gekommen ist, wo man taktische Opportunitäten erfolgreich nutzen konnte und warum man sich mit der strategischen Allokation auch für die Welt nach Covid-19 gut aufgestellt sieht, konnte "e-fundresearch.com" in einem Interview erfahren.

"e-fundresearch.com": Die von Ihnen beiden gemanagte Multi-Asset Strategie Berenberg Variato verfügt zwar erst über knapp anderthalb Jahre an Track-Record, wurde im Zuge der Coronakrise aber gleich einmal einem wahrhaftigen "Black-Swan"-Stresstest unterzogen. Wie haben Sie und Ihre Strategie sich in diesem turbulenten Umfeld bewähren können? Bei der Erstellung des Fondskonzepts werden Sie eine Pandemie derartigen Ausmaßes ja wohl noch nicht auf dem Schirm gehabt haben.

Bernd Meyer: Nein, eine Pandemie in dieser Form sicherlich nicht. Allerdings sind wir in den letzten Jahren immer mehr zu der Überzeugung gekommen, dass sich die Struktur und das Verhalten der Märkte wesentlich verändert haben. Beispielsweise ist ein zunehmend gleichgerichtetes Verhalten der Marktteilnehmer zu beobachten, nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Bedeutung regelbasierter Anlagestrategien, wie sie beispielsweise auch Roboadvisors einsetzen. Das führt zu einer zunehmenden Anzahl abrupter, starker Marktbewegungen und regelmäßiger Übertreibungen sowohl nach oben als auch unten. Vor diesem Hintergrund haben wir uns bewusst für eine flexiblen, opportunistischen und ideengetriebenen Ansatz entschieden, der von den Chancen des veränderten Marktumfeldes profitieren kann. Dass das funktionieren kann, hat sich dieses Jahr gezeigt. Sicherlich hat auch der Variato einen deutlichen Drawdown hinnehmen müssen. Wir konnten diesen aber auf gut 10% limitieren und der Fonds stand bereits im April wieder höher als zum Jahresstart.

"e-fundresearch.com": Global anlegende Multi Asset Fonds mit vielen Freiheitsgraden gibt es wie Sand am Meer, dennoch können nur die wenigsten Strategien auf Sicht seit Jahresbeginn eine positive Performance vorweisen (Stand 30.04.2020). Was ist Ihnen hier bislang besser als dem freundlichen Wettbewerb gelungen?

Ulrich Urbahn: Zum einen waren wir zu Jahresbeginn nur verhalten optimistisch. Die Aktienmärkte hatten bereits eine deutliche Wachstumserholung eingepreist und regelbasierte Anlagestrategien wie beispielsweise Risikoparitätische Strategien oder Strategien mit Zielvolatilität waren hoch in Aktien gewichtet. Das machte die Märkte aus unserer Sicht anfällig für eine Korrektur. Neben Gold, US-Staatsanleihen (zeitweise auch mit 30-jähriger Laufzeit) hatten wir im Umfeld niedriger Volatilität im Januar und Februar auch Long-Positionen in Volatilität zur Absicherung aufgebaut. In der Phase des starken Abverkaufs des Marktes minderten kurzfristig auch Short-Positionen mittels Aktienfutures die Verluste. Ab Mitte März, als sich abzeichnete, dass systematische Anleger ihre Aktienquote auf Tiefstände reduziert hatten und sich die starke Unterstützung sowohl von Geld- als auch der Fiskalpolitik abzeichnete, stellten wir das Portfolio wieder etwas offensiver auf.

"e-fundresearch.com": In Ihrem Factsheet wird erwähnt, dass ESG-konforme Anlagen im Rahmen des Investmentprozesses wenn möglich bevorzugt werden. Wie hat sich jener ESG-Fokus bislang auf das Performance- und Risiko-Profil ausgewirkt? Zuletzt kursierten innerhalb der Asset Management Industrie ja einige (Kurz-)Studien, die ESG-Anlagen während der Coronavirus-Stressphasen eine geringere Drawdown-Anfälligkeit attestierten...

Bernd Meyer: Nachhaltiges Investieren ist in der Tat auch als ein Aspekt des Risikomanagements zu sehen. Nachhaltig agierende Unternehmen weisen im Schnitt auch eine bessere Qualität des Wachstums, der Bilanzen und des Managements auf. Und Qualitätsaktien hatten in der Tat in der Krise die Nase vorn. Die relativ bessere Performance von ESG-konformen Anlagen liegt in der Phase teilweise auch am Ausschluss von Titeln aus dem Energie- oder Grundstoffsektor. Der Variato hat keinen expliziten ESG Ansatz, jedoch setzen wir beispielsweise bei globalen Aktienprodukten explizit Fonds mit positivem Impact ein. Auch bei den Themeninvestments spielt Nachhaltigkeit eine Rolle. So setzten wir beispielsweise auf das Thema Water & Waste.

"e-fundresearch.com": Im Rahmen Ihres Investmentprozesses unterscheiden Sie zwischen einem strategischen Kernportfolio, thematischen Anlageschwerpunkten und taktischen Opportunitäten. Wo sehen Sie mit Blick auf taktische Trades das derzeit vielversprechendste Potenzial?

Ulrich Urbahn: Wir haben im April beispielsweise die Verwerfungen im Anleihemarkt genutzt und uns sowohl in High Yield als auch in Nachranganleihen engagiert. Das hat gut funktioniert. Durch die starke Unterstützung von den Zentralbanken ist aber leider schon ein Großteil des Potentials realisiert. Das Umfeld hoher Volatilität legt auch Short-Positionen in Volatilität nahe durch den Einsatz von Volatilitätsfuture oder Discountzertifikaten. Das ist aus unserer Sicht weiterhin attraktiv.

"e-fundresearch.com": Stichwort "New Normal": Vielfach ist davon die Rede, dass selbst nach überstandener Pandemie nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. Haben derartige Gedankengänge Sie auch bereits dazu veranlasst, die langfristigen Anlageschwerpunkte des Berenberg Variato anzupassen?

Bernd Meyer: Nein, nicht wirklich. Der Variato ist auch für die Welt nach Covid-19 gut aufgestellt. Viele Trends, die sich schon vor der Krise abzeichneten, und für die wir positioniert sind, werden durch die Krise verstärkt. Die Verkürzung von Lieferketten und Nearshoring begünstigen den Themenkomplex Automatisierung und Sensoric, das veränderte Konsumentenverhalten unterstützt den Themenkomplex Internetplattformen und ein gestärktes Gesundheitsbedürfnis den Bereich längeres/besseres Leben. Das sind alles Themen, die wir schon seit Auflage des Fonds besetzen.

"e-fundresearch.com": Prognosen sind aktuellen Umfeld wohl geradezu unmöglich: Gibt es dennoch ein gewisses "Base-Case"-Szenario mit dem Sie mit Blick auf den weiteren Verlauf von 2020 rechnen?

Ulrich Urbahn: Wir sind davon überzeugt, dass wir bei Aktien die Tiefststände gesehen haben. Das noch vorherrschend skeptische Sentiment, die im Schnitt defensive Positionierung nicht zuletzt der regelbasierten Strategien unterstützt die Märkte. Wir denken aber, dass die Erholung der Wirtschaft in den kommenden Monaten für die Märkte recht zäh und langsamen als erwartet vonstatten gehen dürfte. Über den Sommer erwarten wir deshalb eher eine volatile Seitwärtsbewegung. Auf Jahressicht sehen wir aber weiter deutliches Potenzial bei Aktien.

"e-fundresearch.com": Vielen Dank für das Gespräch! (14.05.2020/fc/a/f)






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