Berenberg European Focus Fund: Gewinnwachstum in Europa sorgt weiterhin für Auftrieb - Fondsanalyse


02.11.17 13:00
Berenberg Bank

Hamburg (www.fondscheck.de) - Fondsmanager Matthias Born setzt in seinen Anfang Oktober 2017 aufgelegten europäischen Aktienfonds Berenberg European Focus Fund (ISIN LU1637618155 / WKN A2DVP7, Anteilklasse R; ISIN LU1637618239 / WKN A2DVP8, Anteilklasse I) und Berenberg Eurozone Focus Fund (ISIN LU1637618403 / WKN A2DVQG, Anteilklasse R; ISIN LU1637618585 / WKN A2DVQH, Anteilklasse I) auf Unternehmen mit stabilem Gewinnwachstum, so die Analysten der Berenberg Bank.

Umso mehr erfreue es ihn, dass 2017 zum ersten Mal seit Langem die Gewinne in Europa wieder kräftig zugelegt hätten. Auch für das kommende Jahr erwarte er ein starkes Gewinnwachstum. Vor allem zyklischere Sektoren würden deutlich anziehen. Im Fonds seien derzeit die Branchen Technologie, zyklischer Konsum, Industrie und Gesundheit bevorzugt. Diese Gewichtung ergebe sich aber aus der Einzeltitelselektion und werde nicht nach makroökonomischen Trends gesteuert.

In den vergangenen Jahren seien die Gewinne vieler europäischer Unternehmen nicht gewachsen. Jetzt würden sie wieder sprudeln. "2017 ist das erste Jahr seit Langem, in dem die Firmen wieder ordentlich verdienen. Die Gewinne haben im zweistelligen Bereich zugelegt", sage Berenberg-Fondsmanager Matthias Born. Da schon in den vergangenen Jahren die Aktienkurse gestiegen seien, hätten sich Bewertungskennziffern wie das Kurs/Gewinn-Verhältnis ausgeweitet. "Jetzt wurde von einer bewertungsgetriebenen auf eine gewinngetriebene Aktienmarktrally umgeschaltet. Das ist eine sehr gesunde Entwicklung", so Born.

Er rechne auch im kommenden Jahr mit einer guten Konjunktur in Europa, sodass einem weiteren starken Gewinnwachstum nichts im Wege stehen dürfte. Das Sentiment sei sehr positiv, Stimmungsindikatoren seien auf langjährigen Hochs. "Zwar kann die Stimmung an den Börsen immer kurzfristig kippen, da auch die zuletzt starken Kursgewinne zu Gewinnmitnahmen führen können. Der unterliegende fundamentale Gewinntrend bleibt jedoch zunächst intakt", sage Born und empfehle, potenzielle Rücksetzer für Zukäufe in europäischen Aktien zu nutzen.

Als einzigen möglichen Bremsfaktor für die Gewinne sehe Born die Entwicklung des Euro. "Zum ersten Mal seit mehreren Jahren hat der Euro gegenüber vielen Währungen wie dem US-Dollar, dem Pfund Sterling und dem Chinesischen Renminbi aufgewertet. Eine weitere Aufwertung könnte die Gewinnentwicklung belasten", warne Born. Politische Brandherde hingegen, etwa die Lage in Katalonien oder die Brexit-Verhandlungen, sehe er nicht als Bedrohung für den europäischen Aktienmarkt insgesamt. Hier rechne er höchstens mit kurzfristigen stimmungsbedingten Kursrückschlägen. "Komplett ausbremsen könnte den Markt aber nur eine Gewinnrezession, und die sehen wir zurzeit nicht", erkläre Born.

Die lokalen Märkte allerdings seien von den politischen Themen durchaus betroffen. "Spanische Aktien dürften sich erst einmal weiter volatil entwickeln", sage Born. In Großbritannien verunsichere der anstehende Brexit Unternehmen, die sich mit Investitionen zurückhalten würden, und dämpfe das Konsumverhalten. "Wir sehen in Großbritannien zurzeit relativ viele Gewinnwarnungen von Unternehmen, die lokal orientiert sind, zum Beispiel Unternehmen aus dem Konsumbereich", erläutere Born. "In unseren Fonds spielen Überlegungen über politische Entwicklungen und Währungsschwankungen allerdings keine Rolle. Die Diversifizierung über viele verschiedene Endmärkte reduziert ein geballtes Risiko und zudem hat es sich immer gezeigt, dass man sich von diesen kurzfristigen Störfaktoren nicht irritieren lassen sollte. Mittel- bis langfristig zählen die unternehmensspezifischen Umsatz- und Gewinntreiber."

Ein weiteres Argument, das für europäische Aktien spreche, sei die Bewertung. Insbesondere im Vergleich zu US-Aktien seien europäische Werte weiterhin günstig. "In diesem Jahr ist der Bewertungsabschlag auf dem gleichen Niveau geblieben. Der US-Aktienmarkt hat ein weiteres Mal eine bessere Performance erzielt als der europäische Markt", so Born. Auch in den USA laufe die Konjunktur rund, ein schwächerer Dollar helfe vielen Unternehmen. Das komme Borns Strategie entgegen. Er investiere zwar mit dem Berenberg European Focus Fund in Europa und mit dem Berenberg Eurozone Focus Fund in der Eurozone. In beiden Fonds fokussiere er sich aber auf global agierende Unternehmen. Daher sei für ihn eine weltweit gute Wirtschaftslage ebenso vorteilhaft wie ein Aufschwung in Europa.

"Wir sind überzeugt, dass sich die Aktienkurse langfristig an der Gewinnentwicklung orientieren. Wir setzen daher auf Unternehmen mit stabilem Gewinnwachstum", so Born. Um dies zu erreichen, müssten sie ein robustes Geschäftsmodell mit hohen Eintrittsbarrieren aufweisen. Diese Art von Unternehmen finde er in Europa vor allem in Deutschland, Frankreich, Skandinavien, Großbritannien und der Schweiz. Im Sektorbereich werde er vor allem bei Technologie, Konsum, Gesundheit und Industrie fündig. Weniger vertreten sei der von ihm bevorzugte Unternehmenstyp unter Banken, Versorgern und Telekom-Firmen.

"Gerade in Europa können nur sehr wenige Banken strukturell wachsen", so Born. Versorger oder Telekommunikation seien zudem sehr homogene Sektoren. Die Unternehmen würden sich kaum unterscheiden und hätten ähnliche Treiber. Als Stockpicker bevorzuge er Sektoren wie Industrie, Konsum und Technologie. Hier würden sich viele Unternehmen durch Innovationen, Marken oder besondere Geschäftsmodelle abheben. "Europa ist nach wie vor eine Region, in der man starke globale Player und Hidden Champions finden kann, die durch hohe Eintrittsbarrieren ihre Gewinnentwicklung langfristig absichern können."

Im Sektor zyklischer Konsum verzichte Born auf Automobilhersteller und setze stattdessen lieber auf Luxusgüterproduzenten. "Die zunehmende Regulierung hinsichtlich CO2-Einsparungen sowie der Trend zum E-Auto erfordern von den Autobauern hohe Investitionen. Das hemmt die Gewinnentwicklung. Zudem entsteht mehr Wettbewerb, da es beim E-Auto neue Anbieter gibt", erkläre Born. Bei Luxusgütern sei nach der Durststrecke der letzten zwei Jahre wieder der langfristige Wachstumspfad intakt, der unterliegend durch den Anstieg des globalen Wohlstands untermauert werde. Zudem würden es hier viele Firmen schaffen, sich ihre Position durch starke Marken langfristig zu sichern.

Auch Big Pharma hat er von seiner Einkaufsliste gestrichen. "Die großen Pharmafirmen leiden unter dem ständigen Druck auslaufender Patente und dem Preisdruck durch die Gesundheitssysteme", warnt Born und bevorzugt daher Spezialpharma- und Medizintechnikfirmen, die sich davon zum Teil besser abkoppeln können.

Den defensiven Konsumgüterkonzernen macht immer mehr lokale Konkurrenz, vor allen Dingen in den Schwellenländern, zu schaffen, deswegen geht Born hier sehr selektiv vor. Auch die disruptive Veränderung der Verkaufskanäle hin zu Online wirkt sich in der Branche negativ aus. (02.11.2017/fc/a/f)






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