Anleihekäufer sollten verstärkt auf Zukunftsfähigkeit achten


06.10.20 10:30
SIGNAL IDUNA AM

Hamburg (www.fondscheck.de) - Wenn es stimmt, dass Anleihekäufer Unsicherheit zu vermeiden suchen, dann dürfte man nur noch in strahlende Gesichter blicken, so Christian Bender, Portfoliomanager bei der SIGNAL IDUNA Asset Management, der unter anderem den global agierenden Rentenfonds HANSAinternational verantwortet.

Denn Jerome Powell, Chairman der US-Notenbank, habe verkündet, die US-amerikanischen Leitzinsen bis 2023 auf dem derzeitigen Niveau belassen zu wollen. Und damit habe sich nach Japan und der Euro-Zone nun auch die dritte große Welt-Währung dauerhaft für die Null entschieden.

Mehr Anlass für (Vor)Freude biete allerdings Powells ergänzende Botschaft, das Inflationsziel künftig nunmehr als einen langjährigen Durchschnittswert und nicht als einen fixen Wert zu begreifen. Das eröffne die - zumindest theoretische - Möglichkeit für deren zukünftiges Überschießen über die bislang vermeintlich feste Zielmarke von 2% hinaus. Und das wiederum habe den Boden für eine höhere Risikoprämien- und damit auch eine generelle Renditeforderung seitens des Marktes für das lange Ende bereitet. Damit könnte die US-Zinskurve steiler und attraktiver werden. Und die US-Banken könnten ihren Vorsprung gegenüber ihren japanischen und europäischen Wettbewerbern noch weiter ausbauen.

Mit ihrem Schritt aber habe die FED auch in weiten Teilen für den Anleihemarkt die Spannung aus der US-Präsidentschaftswahl genommen. Denn ob nun Donald Trump oder Joe Biden aus der Wahl am 3. November als Sieger hervorgehe: Da diese Maßnahme der US-Notenbank nicht politisch motiviert gewesen sei, sondern mit Blick auf die wirtschaftliche Situation getroffen worden sei, werde sie Bestand haben.

Den US-Dollar erwarte Christian Bender, Portfoliomanager bei der SIGNAL IDUNA Asset Management, in der Folge 2021 gleichwohl in einem noch weiten Korridor zwischen 1,12 und 1,25. Dabei spreche die Zinsseite eher für einen schwächeren US-Dollar und motiviere den Portfoliomanager, entsprechende Positionen abzubauen. Aber für den Fall, dass ein überzeugender Impfstoff nicht gefunden werde, könne dem Greenback durchaus wieder temporär die Rolle eines sicheren Hafens zuwachsen.

Fänden sich vom Rendite-Risiko-Profil her attraktive US-Dollar-Bonds, werde Christian Bender dennoch zugreifen. Denn infolge der Zinsannäherung zwischen US-Dollar und Euro seien die Kosten für einen Währungs-Hedge deutlich gesunken. So habe sich die Zinsdifferenz im 1-Jahresbereich von 300 auf unter 100 Basispunkte reduziert. Im Ergebnis könne man heute mit Blick auf die zuvor skizzierte Range der erwarteten Wechselkursbewegung eine langlaufende US-Dollar-Anleihe für mehrere Monate absichern, ohne seinen Renditevorteil komplett aufzubrauchen. Und das mache einige US-Dollar-Papiere noch interessanter.

Mehrwert finde sich auch, wenn man vermeintlich Gleiches nebeneinander stelle. So verkaufe Christian Bender, Portfoliomanager bei der SIGNAL IDUNA Asset Management, gerade eine italienische Euro-Staatsanleihe, die mit ihrer zweijährigen Restlaufzeit sichtbar im negativen Bereich rentiere. Und im Gegenzug erwerbe Bender eine philippinische Euro-Staatsanleihe. Beide würden seitens der etablierten Rating-Agenturen gleich benotet.

Doch so gern Christian Bender in Italien Urlaub mache: Für die Südeuropäer sehe er auf Sicht der kommenden Monate - leider - wenig Potenzial für positive Überraschungen. Ganz anders die Philippinen und ihre regionalen Nachbarn, wie z.B. Vietnam, Thailand und Indonesien. Chinas unabwendbares Erstarken werde positiv auf diese Länder abfärben. Hinzu komme die Erfahrung im Umgang mit Pandemien, wie der vor fast 20 Jahren grassierenden Lungenkrankheit SARS. Und wenn ein Impfstoff gefunden werde, werde das den für Teile der Region so wichtigen Tourismus stärken. Abseits dessen liege die Verschuldung hier über alle Sektoren hinweg - Staat, private Haushalte, Banken und Industrie - relativ wie absolut auf deutlich niedrigeren Niveaus. Vor diesem Hintergrund halte Christian Bender Zinsaufschläge gegenüber Italien im Euro-Segment von 0,35 Prozent und mehr für ausnehmend attraktiv. Aber auch in den heimischen Währungen der Region erhalte man ein gutes Risk-Return-Verhältnis.

Wer sich für weniger exotische Fremdwährungen interessiere, werde in Nordeuropa gut bedient: Die Kronen aus Norwegen, Dänemark und Schweden würden aufgrund der fundamentalen Rahmendaten ihrer Länder überzeugen. Auch in einem bislang primär mit fossilen Brennstoffen assoziierten Norwegen würden die Offenheit für neue Technologien und die Betonung des Bildungssektors von Zukunftsfähigkeit zeugen.

Und das sei etwas, was Anleihekäufer auch längerfristig strahlen lasse. (06.10.2020/fc/a/f)





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