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Die Rückkehr der Volatilität, Ausverkauf bei ETFs


08.02.18 12:59
GAM

Berlin (www.fondscheck.de) - GAM-Investmentexperten geben ihre Einschätzungen zu den Marktbewegungen in dieser Woche: Nach einer ungewöhnlich langen Ruhephase kehrt die Volatilität zurück.

Das auffälligste Merkmal dieser turbulenten Marktbewegungen ist die Diskrepanz zwischen den Veränderungen bei den Aktienkursen verglichen mit anderen Anlageklassen, so Larry Hatheway, Group Head of Investment Solutions und Chefökonom. Zu den meistgehandelten Trades (sogenannten "crowded trades") hätten Long-Positionen auf die Aktienmärkte und Short-Positionen auf die implizite Aktien-Volatilität gezählt. Entsprechend hätten die aktuellen Marktbewegungen bei vielen Anlegern Trigger in ihren Risikomanagement-Systemen ausgelöst, die dann automatisch diese Positionen zu verkaufen begonnen hätten - was den Ausverkauf noch weiter beschleunigt habe.

Auch wenn diese technischen Faktoren zum Ausmaß der Korrektur beigetragen haben mögen, so scheine die Quelle der Marktkorrektur doch hauptsächlich von fundamentalen Faktoren getrieben zu sein. Die Marktteilnehmer scheinen sich mit dem beginnenden Abschied von der sogenannten neuen Normalität abzufinden, so die GAM-Experten. Angesichts der Aussicht auf eine steigende Inflation, die sowohl die Unternehmensgewinne bremse als auch die künftige Geldpolitik unberechenbar mache, seien sie der Ansicht, dass die Erwartungen an die Aktienrenditen nach unten revidiert werden müssten, während die implizite Volatilität von zuvor sehr niedrigen Niveaus ansteigen werde.

Wir erwarten schon seit Längerem, dass der Inflationsdruck wieder anzieht, so Ali Miremadi, Investment Director für globale Aktien. Die Experten hätten daher ihre globalen Aktienportfolios so positioniert, dass sie von einem höheren Zinsumfeld profitieren würden. Steigende Zinsen dürften sich zwar dämpfend auf die Aktienbewertungen auswirken, aber die Experten würden glauben, dass starke Unternehmen angesichts einer erstarkenden Weltwirtschaft dennoch von steigenden Gewinnen profitieren würden. Daher könnten solche Aktien mittel- bis langfristig im Takt mit ihren Ergebnissen steigen und so einen positiven Rückenwind für die Aktienrendite liefern.

Die Experten würden eine relativ starke Performance der Value-Strategien und eine Zunahme der Renditestreuung zwischen verschiedenen Titeln erwarten. Dies werde sinnbildlich gesprochen allerdings eine Flut sein, die ausnahmsweise nicht alle Boote gleichmäßig anheben werde. Daher sei es unerlässlich, sich auf Fundamentaldaten und die Aktienauswahl zu konzentrieren. Kurzfristig könnte es zu weiteren technischen Schocks kommen, wenn sich die zum Teil hochgradig fremdfinanzierten Trader im Markt auf ein Umfeld mit tieferen Korrelationen einstellen würden. Langfristig werde der Aktienmarkt jedoch nach wie vor die Ertragskraft der zugrunde liegenden Unternehmen widerspiegeln. Die Experten würden sich daher weiterhin auf die Fundamentaldaten in einem sich verbessernden wirtschaftlichen Umfeld konzentrieren.

Wir sind nicht der Meinung, dass der jüngste Ausverkauf in irgendeiner Form die Erwartungen an das Wirtschaftswachstum oder die Fundamentaldaten der Unternehmen in Europa widerspiegelt, so Niall Gallagher, Investment Director für europäische Aktien. Stattdessen könnte die Korrektur vielmehr als Reaktion des Marktes verstanden werden, der sich von einem extrem niedrigen Volatilitätsniveau lediglich normalisiert habe. Die Verkäufe könnten die daraus resultierende kurzfristige Neupositionierung einiger Marktteilnehmer widerspiegeln. Mit einem starkem Wirtschaftswachstum, einem gutem Gewinnwachstum der Unternehmen und eher durchschnittlichen Bewertungen (also weder günstig noch teuer) würden die Fundamentaldaten für europäische Aktien sehr gut aussehen.

Wir sehen keinen besonderen Grund zur Panik, da die Wirtschaftsdaten in den USA und Europa nach wie vor stark und die Aussichten für das globale Wachstum robust sind, so Paul McNamara, Investment Director für Schwellenländeranleihen. Dies dürfte auch weiterhin Schwellenländeranleihen in Lokalwährung stützen und auf der starken Performance der letzten zwei Jahre aufbauen. Die Währungen der Schwellenländer seien fair bewertet und die Handelsbilanzen solide. Damit befinde man sich in einer grundlegend anderen Situation als bei allen vorangegangenen größeren Schwellenländer-Währungsabverkäufen der letzten 20 Jahre. Der US-Dollar könnte sich verteuern, wenn die FED dazu gezwungen werde, ihre Haltung von der aktuellen proaktiven, präventiven Straffung zu einer aggressiveren Geldpolitik infolge einer deutlicheren Belebung der US-Inflation anzupassen. Auf Grundlage der jüngsten Daten würden die Experten dies jedoch nicht für sehr wahrscheinlich halten.

Die Leitzinsen in Nordamerika und Großbritannien steigen, so Tim Haywood, Investment Director für festverzinsliche Absolute-Return-Strategien. Nach Jahren der Zinssenkungen hätten die meisten Zentralbanken ihre Mittel ausgeschöpft. In Europa und Japan werde eine Änderung der Geldpolitik wohl aber nur sehr langsam erfolgen. Das werde einige Leerverkäufer enttäuschen, aber die Vermeidung von aggressiveren Sofortmaßnahmen, um die kurzfristigen Zinsen auf null oder in einen positiven Bereich zurückzuführen, wären weniger wirklich kontraktive Maßnahmen als vielmehr eine Beseitigung von Verzerrungen. 2018 könnte es in diesen Ländern zu größeren Kursrückgängen bei fünfjährigen Anleihen kommen. Generell würden die Anleihemärkte den Rückenwind der sinkenden Leitzinsen verlieren, den sie seit nun fast 30 Jahren in praktisch allen Ländern hätten genießen dürfen.

Während wir in den vergangenen Tagen große Schwankungen an den Aktienmärkten erlebt haben, ist der für unsere Anlagestrategie entscheidende Aspekt in unsicheren Zeiten wie diesen vor allem die Bonitätsstärke der Unternehmen in unserem Portfolio, so Anthony Smouha und Gregoire Mivelaz, Co-Fondsmanager für Credit-Anleihestrategien (Atlanticomnium SA.). Die jüngsten Gewinnmitteilungen hätten den Erwartungen der Experten entsprochen und somit ihre positive Einschätzung der Unternehmen bestätigt, in die sie investiert hätten. Ihr Ansatz ziele darauf ab, eine relative Unempfindlichkeit gegenüber steigenden Zinsen zu bieten.

Die Experten würden die Preise aber sorgfältig beobachten und gegebenenfalls einige ihrer bevorzugten Positionen ausbauen, wenn sie dabei von übermäßigen Preisbewegungen profitieren könnten - in einigen Fällen hätten sie so bereits attraktive Renditen absichern können. Ihr oberstes Gebot sei es, die Qualität ihrer Credit-Exposures sicherzustellen und stets daran zu denken, dass selbst wenn sich die Preise auf einer Mark-to-Market-Basis nach oben oder unten bewegen würden, die Couponeinnahmen, die ihre Portfolio-Renditen antreiben würden, täglich auf attraktiven Niveaus ansteigen würden. Außerdem bleibe die Kreditqualität hoch, und der Effekt der schrittweisen Annäherung an den Nominalwert (Pull to Par) sollte wieder einsetzen, sobald die Volatilität nachlasse.

Obwohl sich die jüngsten Turbulenzen schnell auf die globalen Finanzmärkte ausgeweitet hätten, habe sich in der Zwischenzeit gezeigt, dass sich dies angesichts der positiven makroökonomischen Aussichten als eine gesunde Korrektur erweisen könnte. Verantwortlich gemacht würden nun der Ausverkauf bei ETFs und eine breit angelegte Risikoreduzierung der Anleger, da diese die beobachteten Preisbewegungen deutlich verstärkt hätten. Im Januar hätten ETFs die größten Zuflüsse verzeichnet. Diese Dynamik habe sich in den vergangenen Tagen allerdings etwas gedreht. Die Marktbewegungen der vergangenen Tage hätten für Anleger eine große Herausforderung dargestellt. Der Ausverkauf habe Auswirkungen auf alle Anlageklassen gehabt und Rückschläge in sehr vielen Märkten mit sich gebracht.

Nun da die Märkte noch verunsichert scheinen, beobachten wir die Situation sehr genau, so die GAM-Experten. Die erlittenen Verluste in diesem Zeitraum würden keineswegs die Erwartungen aus ihren Stresstests übersteigen. Vielmehr stünden sie im Einklang mit dem breiteren Peer-Universum von Fonds, die eine aktive Diversifikation für Kunden über den Zyklus hinweg anstreben würden. (08.02.2018/fc/a/e)