Rohstoff-ETCs: Steigender Energiepreise, teures Aluminium, schwankendes Kupfer


08.10.21 15:25
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Hohe Nachfrage, knappes Angebot - das ist die Gleichung, die die Ölpreise immer weiter nach oben katapultiert, so die Deutsche Börse AG.

Auch im September. Der Grund: Die OPEC, "der Klub zur Maximierung des Petro-Dollars" (Handelsblatt) und ihre Partner Russland und Saudi-Arabien würden ihre Tagesfördermenge um 400.000 Barrel erhöhen, wie geplant. Das reiche aber nicht aus, um die konjunkturell bedingt steigende Nachfrage zu erfüllen, zumal das Angebot reduziert sei: Im Golf von Mexico würden nach wie vor Produktionsstätten ausfallen. Und Förderer wie Angola oder Nigeria würden es nicht schaffen, genug zu liefern.

Und so habe es im September kaum einen Tag gegeben, an dem die Ölpreise - sowohl Brent wie WTI - nicht angezogen hätten. Torben Bendt, Händler bei Lang & Schwarz, berichte "sehr viele Käufe von Öl- und Gas-ETCs wegen der hohen Preise". Besonders gefragt sei aber ein Short-Produkt gewesen, der WisdomTree Natural Gas 3x Daily Short ETC. Ebenfalls gekauft worden seien der WisdomTree WTI Crude Oil ETC (ISIN GB00B15KXV33 / WKN A0KRKU) und der WisdomTree Bloomberg Brent Crude Oil ETF (ISIN IE00BVFZGD11 / WKN A179AH).

Analysten der Bank of America würden die passenden Argumente zu den Käufen liefern. Sie würden ihre Prognosen bekräftigen, dass im Falle eines harten Winters die Ölpreise in den kommenden sechs Monaten auf 100 US-Dollar pro Barrel steigen könnten. Auf Sicht eines Jahres hätten sich Brent und WTI schon nahezu im Wert verdoppelt, seit dem Nachfrage-Tief zu Beginn der Corona-Krise stehe sogar eine Vervierfachung auf den Kurslisten.

Die Verteuerung sei noch nicht zu Ende, sage auch Michael Blumenroth, Rohstoff-Analyst der Deutschen Bank: "Die Ölpreise dürften - je nach Nachrichtenlage - weiterhin großen Tagesschwankungen unterliegen. Aktuell profitieren die Ölproduzenten von einer starken Nachfrage." Öl werde teilweise als Substitut für Erdgas verwendet, da sich die Erdgaspreise in Europa seit Jahresanfang verfünffacht und in den USA immerhin knapp verdreifacht hätten. Die zunehmende Mobilität und der nahende Winter auf der Nordhalbkugel sprächen für weiterhin hohe Preise.

"Zudem hält die Opec+ an ihrem Pfad der graduellen, moderaten Produktionserhöhungen fest, die momentan nicht einmal von allen Mitgliedern voll ausgeschöpft werden können. In den USA sind die Ölproduzenten noch weit von der Fördermenge entfernt, die vor der Covid-19-Pandemie täglich gefördert wurde."

Allerdings hätten die Märkte bereits einige preistreibende Faktoren eingepreist. "Viele Investoren setzen auf eine weitere Verteuerung, sodass es jederzeit zu Positionsauflösungen und damit Preiskorrekturen an den Ölmärkten kommen kann," gebe Blumenroth zu bedenken.

Kurzer Rückblick: Kaum war die Corona-Pandemie ausgebrochen, im April 2020 die Ölpreise ein, so die Deutsche Börse AG. Die OPEC habe die Fördermenge gesenkt, die Preise hätten sich erholt. Bis die OPEC im Frühjahr dieses Jahres die Produktion ausgebaut habe. Doch das habe nicht gereicht, um die Nachfrage zu bedienen, denn die Fördermenge sei immer noch nicht da, wo sie vor der Krise gewesen sei. Eine Ausweitung sei im Sommer gescheitert.

Der Goldpreis habe - wie schon im August - im September kräftig geschwankt. Habe es zu Beginn des Septembers noch so ausgesehen, als würde sich die Erholung fortsetzen, sei der Kurs im Monatsverlauf deutlich unter die 1800 US-Dollar-Marke gerauscht. Schaue man auf die Umsatz-Statistik von ETCs an der Börse Frankfurt, so dominiere Xetra Gold (ISIN DE000A0S9GB0 / WKN A0S9GB) einmal mehr. Und während die Bestände von Xetra-Gold mit 239 Tonnen am Rekordniveau bleiben würden, habe Wisdom Tree für die vergangenen Wochen Abflüsse bei Gold-ETCs ausgemacht.

Nach Angaben von Wisdom Tree hätten die Edelmetalle zu den Rohstoffen gehört, von denen die meisten Mittel abgeflossen seien.

Nach den neuesten Daten des World Gold Council sei Gold im September zum zweitliquidesten Vermögenswert der Welt aufgestiegen - gleich hinter S&P 500-Aktien. Das tägliche durchschnittliche Handelsvolumen betrage 183 Milliarden US-Dollar. Dabei seien die Zeiten für das Edelmetall gar nicht golden: Der US-Dollar lege an Wert zu - naturgemäß drücke das den Goldpreis. Und dann seien da noch die unaufhörlich steigenden Verbraucherpreise und die Sorgen vor Zinserhöhungen.

"Ein weiterer Anstieg der Verbraucherpreise dürfte tendenziell die Neigung der Anleger erhöhen, Gold zu kaufen - schließlich gilt Gold in den Augen vieler als Inflationsschutz par excellence", glaube Blumenroth. "Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Kapitalmarktzinsen nicht in gleichem Maße wie die Verbraucherpreise ansteigen. Ansonsten könnten Anleger ihre Ersparnisse vorzugsweise flexibel am Geldmarkt parken." Gold werde meist teurer, wenn die Realzinsen, d.h. Kapitalmarktzinsen minus erwartete Inflationsrate, sinken würden bzw. niedrig seien. "Angesichts der hohen Energiepreise steigen momentan die Inflationserwartungen eher", was den Goldpreis mittel- bis langfristig stützen sollte.

Andererseits: Auch Zinserhöhungen seien bereits eingepreist, denke Blumenroth, weshalb der Goldpreis im Vergleich zum Jahresbeginn moderat gesunken sei. In nächster Zeit würden preisdämpfende Faktoren überwiegen: "In den nächsten Wochen dürfte der Gegenwind für Gold anhalten, und zwar in Form eines weiteren Einpreisens geldpolitischer Straffung seitens der US-Notenbank bzw. vieler weiterer Zentralbanken rund um den Globus."

Die momentane Stärke des US-Dollars auf einem 14-Monats-Hoch zum Euro spreche ebenfalls für eher seitwärts gerichtete oder leicht sinkende Goldpreise. Sollte es allerdings insbesondere an den Aktienmärkten zu Verwerfungen bzw. Kursrückschlägen kommen, könnte Gold als "sicherer Hafen" wieder stärker nachgefragt werden. Dies wäre auch der Fall, wenn die US-Notenbank die geldpolitische Wende trotz der hohen Inflationsraten doch noch weiter hinausschieben würde. "Zurzeit überwiegen jedoch eher die preisdämpfenden Faktoren für die Goldpreise."

Die Nachfrage nach Xetra-Gold, der mit Abstand meistgehandelte ETC auf Xetra, sei in den vergangenen Monaten wieder gestiegen. Der im Tresor verwahrte Bestand liege im Moment bei knapp 240 Tonnen.

Hohe Nachfrage bei knappem Angebot spiegele sich auch im Preis von Aluminium. Das Industriemetall sei so teuer wie zuletzt vor 13 Jahren. "Aluminium hat seine starke Performance von diesem Jahr fortgesetzt", habe Mobeen Tahir, Analyst bei Wisdom Tree gesagt. "Nachdem China seine Aluminiumproduktion gekürzt hatte, um Treibhausgase aus der kohleintensiven Aluminium-Industrie zu reduzieren, gehört das Metall zu den sich am meisten verteuernden Rohstoffen in diesem Jahr."

Kupfer hingegen erfahre ein erhebliches Auf und Ab. Die Preisspanne des ersten Herbstmonats habe von gut 9.600 bis knapp 9.000 US-Dollar gereicht. Mit den Nachrichten um die Schieflage des chinesischen Immobilien-Konzerns Evergrand sei der Preis in jüngster Zeit gefallen, da Kupfer sehr stark im Bausektor verwendet werde. Aluminium sei das Metall mit dem dritthöchsten Verbrauch weltweit nach Eisen und Aluminium, erläutere Tahir.

Unter den ETCs der Umsatzstatistik an der Börse Frankfurt habe auch ein ETC, der an den Kaffeepreis gekoppelt sei, der WisdomTree Coffee ETC (ISIN DE000A0KRJT2 / WKN A0KRJT) gehört. So sei der Kaffeepreis deutlich über 2 Dollar gestiegen, wenngleich er noch nicht wieder das Siebenjahreshoch vom Juli erreicht habe. Die Gründe seien Tahir zufolge vielfältig: In den vergangenen Monaten hätten sich die Frachtkosten erheblich gesteigert. Zugleich treibe eine hohe Nachfrage nach Kaffee vor allem in aufstrebenden Ländern den Preis. Wetterkapriolen, die Ernten vernichten würden, hätten vor allem das Angebot aus Brasilien und Indien geschmälert, den Kaffee-Produzenten Nummer eins und sieben weltweit. (08.10.2021/fc/a/e)





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