Rohstoff-ETCs: Öl auf Verkaufslisten


12.07.21 10:20
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Gesprächsstoff Nummer Eins im Rohstoffhandel ist derzeit ganz klar Öl, so die Deutsche Börse AG.

Ein Barrel der Nordseesorte Brent habe am Dienstag letzter Woche mehr als 77 US-Dollar gekostet - das sei der höchste Stand seit Herbst 2018 gewesen. Auch der Preis für die US-Leichtölsorte WTI sei über 77 US-Dollar geklettert. Das sei sogar so viel wie zuletzt 2014 gewesen. Nach dem Höhenflug sei es wieder etwas nach unten gegangen, aktuell koste Brent 73,31 US-Dollar, WTI 72 US-Dollar (08.07.2021).

Hintergrund der Entwicklung: Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emiraten hätten sich letzte Woche innerhalb des Ölkartells OPEC+ abermals nicht auf eine Erhöhung der Fördermenge einigen können. Die Folgen seien unklar. Einerseits könnte das Ölangebot bei steigender Nachfrage viel zu gering ausfallen und den Ölpreis in weitere Höhen treiben. Das hätte weitreichende Folgen, denn das würde auch die Inflation weiter anheizen. Anderseits könnte die OPEC+ dauerhaft Schaden nehmen, es zu einer Ölschwemme kommen und die Preise in den Keller fallen. "Solange wir keine Einigung haben, werden die Preise volatil bleiben", meine Commerzbank-Ölexperte, Eugen Weinberg.

ETC-Anleger trennten sich im Juni jedenfalls weiter im großen Stil von Öl-ETCs, wie Mobeen Tahir von WisdomTree melde. "Die Flows bei Öl-ETCs sind traditionell gegenläufig zum Preis, wahrscheinlich, weil eine anhaltende Bewegung in eine Richtung in der Vergangenheit selten war." Hohe Umsätze an der Börse Frankfurt hätten in den vergangenen vier Wochen ETCs mit Hebel, Short-ETCs und klassische Preis-Tracker aufgewiesen, etwa der WisdomTree WTI Crude Oil 2x Daily Leveraged, der WisdomTree WTI Crude Oil 1x Daily Short und der WisdomTree WTI Crude Oil.

Gold habe sich hingegen wieder verbilligt und sei Mitte Juni sogar deutlich unter die 1.800 US-Dollar-Marke gerutscht. Aktuell seien es 1.797 US-Dollar (08.07.2021). Vor knapp einem Jahr habe der Preis ein Allzeithoch von 2.069 US-Dollar erreicht. "Gold hat stark auf das US-Notenbanktreffen im Juni reagiert, auf dem Zinserhöhungen für 2023 anstelle von 2024 in Aussicht gestellt wurden", erkläre Tahir. Höhere Zinsen würden Alternativen zum keine Zinsen abwerfenden Gold attraktiver machen.

"Der Goldmarkt könnte das Schlimmste hinter sich haben", meine Barbara Lambrecht von der Commerzbank. Noch fehle es an Impulsen, sie sehe aber gute Chancen, dass der Goldpreis in den nächsten Wochen wieder spürbar zulegen werde.

Gold-ETCs kämen derzeit nicht mehr so gut an, wie WisdomTree feststelle: In den vergangenen vier Wochen hätten Abflüsse dominiert. Der Bestand von Xetra-Gold bewege sich mit aktuell 233 Tonnen allerdings weiter nahe des Rekordhochs.

Xetra-Gold sei in den vergangenen vier Wochen - wie immer - Umsatzrenner im ETC-Handel an der Börse Frankfurt gewesen. Weitere rege gehandelte Gold-ETCs seien der Xtrackers Physical Gold mit Währungssicherung (ISIN DE000A1EK0G3 / WKN A1EK0G), der WisdomTree Physical Gold Individual Securities (ISIN DE000A0N62G0 / WKN A0N62G), der Invesco Physical Gold (ISIN IE00B579F325 / WKN A1AA5X) und der WisdomTree Physical Swiss Gold Individual Securities (ISIN DE000A1DCTL3 / WKN A1DCTL).

Neben Gold- und Öl-ETCs würden auch Silber-ETCs hohe Umsätze aufweisen. Der Silberpreis sei zuletzt ebenfalls gesunken. Die Feinunze gehe jetzt zu 25,91 US-Dollar über den Tisch. Anfang Juni seien es noch über 28 US-Dollar gewesen. Umsatzstark gewesen seien vor allem der Xtrackers Physical Silver und der WisdomTree Physical Silver Individual Securities (ISIN DE000A0N62F2 / WKN A0N62F).

Einen ordentlichen Dämpfer habe der Kupferpreis bekommen: Nach dem Rekordhoch vom Mai bei 10.738,50 US-Dollar koste die Tonne jetzt nur noch 9.365 US-Dollar. Allerdings seien es Anfang 2021 nur 7.800 und Anfang 2020 sogar nur 6.200 US-Dollar gewesen. "Die spekulativen Kräfte haben sich mehr und mehr aus dem Markt zurückgezogen", bemerke Commerzbank-Analystin Lambrecht. Die Bank sehe dennoch weiteren Korrekturbedarf. WisdomTree bleibe langfristig optimistisch für Industriemetalle. "Grund sind Themen wie der wiedererwachte Fokus auf Infrastrukturausgaben seitens der Regierungen überall auf der Welt und auch die Energiewende."

Industriemetall-ETCs seien in den vergangenen Wochen WisdomTree zufolge ganz klar abgestoßen worden. Hohe Umsätze an der Börse Frankfurt hätten vor allem der WisdomTree Copper und der WisdomTree Industrial Metals aufgewiesen. (Ausgabe vom 08.07.2021) (12.07.2021/fc/a/e)






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