OFI Precious Metals Fund: Silber ist keine Aktie - Anlegeraktivisten könnten sich verrechnet haben


02.02.21 14:00
OFI Asset Management

Paris (www.fondscheck.de) - Seit letzter Woche ist auch Silber zum Ziel der Reddit- und WallStreetBets-Anlegergemeinschaft geworden, so die Experten von OFI Asset Management.

Der Silbermarkt sei ein deutlich größerer Markt als die GameStop-Aktie. Es werde also viel schwieriger sein, den Silberwert zu beeinflussen. Dennoch sei der Preis von Silber am vergangenen Donnerstag bereits um zwei Prozent gestiegen, am letzten Freitag noch einmal um vier, und am Dienstag dieser Woche habe er um zehn Prozent im Plus gelegen. Benjamin Louvet, Fondsmanager des OFI Precious Metals Funds (ISIN FR0011170182 / WKN A1J4GP) bei OFI Asset Management, erläutere, welche Annahmen der Aktivisten dahinterstecken könnten, und ordne das Geschehen ein:

Behauptungen, der Silber- oder sogar der Goldpreis sei manipuliert, würden seit Jahren immer wieder laut. Einige der größten amerikanischen Banken sollten zu den potenziellen Schuldigen gehören. Wir haben das nie ernst genommen und nehmen es auch heute nicht ernst, so Benjamin Louvet von OFI Asset Management. Die Fakten sprächen eine andere Sprache: Einige Banken würden tatsächlich Leerverkäufe auf Silber tätigen, aber nur als Absicherung für eine physische Position. Zur Erklärung: Wenn eine Bank als Emittent eines Silber-ETFs einen Anteil an einen Kunden verkaufe, müsse sie in der Regel das zugrunde liegende Silber kaufen, um die Transaktion zu garantieren. Ein ETF-Emittent möchte sich allerdings keinen Silberpreisschwankungen aussetzen, da er lediglich eine Dienstleistung für einen Kunden erbringe. Deshalb verkaufe er üblicherweise gleichzeitig einen Terminkontrakt, um vollständig gegen Silberschwankungen abgesichert zu sein. Ausschlaggebend für die weitere Entwicklung des Silbermarkts seien stattdessen folgende Überlegungen:

1. Silber sei ein Sachwert und sein Wert hänge von den Fundamentaldaten ab. Sollten die Preise ohne fundamentalen Grund weiter steigen, würden sich die Produzenten von Silber freuen. Denn sie könnten das Edelmetall zu einem höheren Preis verkaufen. Außerdem würde aufgrund höherer Profitabilität mehr Silber recycelt werden; der dadurch erzeugte Angebotsanstieg könnte den Preis dann wieder drücken. Auf der anderen Seite würde die Nachfrage in Bereichen, in denen Silber nicht unbedingt benötigt werde - zum Beispiel bei Schmuck - tendenziell zurückgehen. So übernähmen die Fundamentaldaten dann wieder die Regie. Eine Aktienbewertung sei sehr subjektiv, doch der Preis für einen Rohstoff werde letztendlich vom langfristigen Angebot und der Nachfrage bestimmt.

2. Der Aufwärtstrend könnte vielleicht noch ein paar Tage anhalten. Aber wie schon gesagt, der Silbermarkt sei etwas ganz anderes als eine Aktie. Silber sei ein wichtiger Teil des COMEX-Clearinghauses. Sollte dieser Markt also destabilisiert werden, könnte das Sorgen um die Lebensfähigkeit des Clearinghauses erzeugen - eine staatsähnliche Institution. Sie wäre dann gezwungen zu reagieren: Erhöhung von Initial Margins, Änderung der Abwicklungsregeln von physischer Lieferung zu Barabwicklung, Begrenzung der Hebelwirkung, Begrenzung der maximalen Position für private Investoren, usw.

3. Es möge in Vergessen geraten zu sein, aber der Silbermarkt sei bereits das Ziel einer Short-Squeeze-Aktion gewesen. Im Jahr 1980 hätten die Hunt-Brüder versucht, diesen Markt in die Enge zu treiben. Das habe die COMEX veranlasst, die Regel 7 einzuführen, um die Hebelwirkung auf diesem Markt zu begrenzen. Die Gebrüder Hunt seien während des "silbernen Donnerstags" in Konkurs gegangen. Hier sei die Situation anders, weil es nicht den Anschein habe, dass die Aktivisten Hebelwirkung einsetzen würden. Trotzdem habe das Clearinghaus viele Optionen, um den Markt an die neue Situation anzupassen, und die WallStreetBets-Anleger könnten in eine unangenehme Situation geraten. (02.02.2021/fc/a/f)