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Liquidität bei ETFs: Was passiert wenn alle gleichzeitig verkaufen?


11.07.19 09:35
Franklin Templeton

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Angesichts der jüngsten Entwicklungen am britischen Investmentmarkt macht sich der ein oder andere Anleger wieder vermehrt Sorgen um die Liquiditätslage und wie nicht anders zu erwarten wäre, sind dabei auch börsengehandelte Fonds (ETFs) wieder ins Visier der Kritiker gekommen - Head of EMEA ETF Capital Markets von Franklin Templeton, Jason Xavier, argumentiert jedoch, dass ETFs Anlegern in turbulenten Zeiten Flexibilität und Markttransparenz bieten können.

Bei seinen Treffen mit Investoren höre Jason Xavier häufig Bedenken, dass die Präsenz börsengehandelter Fonds (ETFs) Volatilität an den Märkten verschärfen könne.

Den vorgetragenen Argumenten zufolge würden ETFs durch die Tatsache, dass sie Anlegern eine bequeme und transparente Möglichkeit bieten würden, in den Markt einzusteigen oder diesen zu verlassen, eine Abwärtsspirale auslösen, wenn viele Anleger beschließen würden, sich gleichzeitig aus dem Markt zurückzuziehen.

Allerdings gebe es ein paar Dinge, die hierbei in Vergessenheit geraten seien. Marktverwerfungen habe es schon lange gegeben, bevor die ersten ETFs aufgelegt worden seien. So habe es beispielsweise weder beim Wall Street-Crash des Jahres 1929 noch am "Schwarzen Montag" des Jahres 1987 ETFs gegeben. Auch zuzeiten der globalen Finanzkrise der Jahre 2008 bis 2009 seien noch kaum ETFs vorhanden gewesen.

Die jüngsten weithin beachteten Entwicklungen in der britischen Investmentlandschaft hätten neuerliche Fragen über Liquiditätsrisiken aufgeworfen.

Natürlich seien ETFs in Phasen erhöhter Belastungen ähnlichen Marktrisiken ausgesetzt wie andere Vermögenswerte.

Allerdings sorge die Struktur der ETFs für zusätzliche Liquiditätsebenen, und in Realität sollte es durch sie weniger wahrscheinlich werden, dass Anleger auf Vermögenswerten sitzenbleiben würden, die sie im Fall von Marktturbulenzen nicht liquidieren könnten.

Bei einem herkömmlichen Investmentfonds stamme die Liquidität ausschließlich vom Fonds selbst. ETFs hingegen würden mehrere Liquiditätsebenen über sowohl den Primär- als auch den Sekundärmarkt bieten.

Ganz einfach formuliert: Anleger hätten die Option, ihre ETF-Anteile im Rahmen eines so genannten Sekundärmarktgeschäfts einem anderen Anleger anzubieten.

Aber was, wenn sich kein williger Käufer finde? Genau da mache die Struktur eines ETFs den Unterschied. Eine der zentralen Eigenschaften eines ETFs sei die Tatsache, dass das Angebot an Anteilen flexibel sei.

Sollten sich also keine bereitwilligen Käufer finden, könne ein ETF-Anleger immer noch die Möglichkeit haben, seine Anteile an einen befugten Teilnehmer zu verkaufen, der im Grunde genommen Primärmarktliquidität biete.

Nach Einschätzung der Experten von Franklin Templeton würden fundamentale makroökonomische, geopolitische und idiosynkratische, spezifische Risiken die Märkte sehr viel stärker als ETFs bewegen. Dementsprechend würden sie auch bei Marktverwerfungen eine sehr viel größere Rolle spielen.

Märkte seien irrational und seien schon immer gestiegen und gefallen. Dieses Phänomen sei nicht erst durch die Ankunft von ETFs verursacht worden. Während der letzten 100 Jahre haben wir zahlreiche Fälle erlebt, in denen auf überschwängliche Bullenmärkte Kursrückgänge und Bärenmärkte gefolgt sind, so die Experten von Franklin Templeton.

ETFs hätten die Investmentlandschaft verändert, indem sie so gut wie alle Aspekte des Anlageprozesses demokratisiert hätten, unter anderem auch den Zugang zu Anlageklassen, die Preisfindung, den Handel, das Market Timing und sogar die Volatilität selbst.

ETFs würden Endanlegern umsetzbare Transparenz, Freiheit und Zugang bieten, sodass sie auf Grundlage ihrer Überzeugungen handeln könnten - genau so, wie es professionelle Marktteilnehmer wie Hedgefonds-Manager, Händler, Anlageverwalter oder Börsenmakler schon seit vielen Jahren tun würden. (Ausgabe vom 10.07.2019) (11.07.2019/fc/a/e)