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Bei Fixed Income-ETFs ist Innovation gefragt


10.02.21 10:16
WisdomTree Europe

London (www.fondscheck.de) - Das Schicksal hat für Exchange Traded Funds (ETFs) im Fixed Income-Bereich in den letzten Jahren Unterschiedliches bereitgehalten, so die Experten von WisdomTree Europe.

2019 habe einen Wendepunkt dargestellt: Die Kapitalflüsse hätten neue historische Hochs erreicht, da die Investoren begonnen hätten, Allokationen in ETFs zu verschieben. Obwohl der Großteil der Vermögenswerte in der Welt der Anleihen immer noch in aktiven Fonds verwaltet werde, hätten ETFs den Anbietern ermöglicht, im Bereich Fixed Income innovativ zu sein, und eine Umkehrung dieses Trends sei unwahrscheinlich. Dank des ETF-Formats seien Anlageklassen, auf die früher schwer habe zugegriffen werden können, heute zugänglicher denn je. Das Format biete aber auch die Bausteine, die die Investoren benötigen würden, um im Rahmen eines transparenten und leicht handelbaren Instruments diversifizierte Portfolios aufzubauen.

ETFs würden den Investoren das wohl innovativste und effizienteste Format für Fixed Income-Produkte bieten. Da ETFs Anleihen als "Sachleistung" annehmen könnten, würden die Handelsgebühren dadurch reduziert, dass nicht bei jedem Vorliegen einer Order zugrunde liegende Anleihen auf dem Markt ge- oder verkauft werden müssten. Dies sowie der Effekt eines Sekundärmarkts, auf dem die Investoren von zwei Liquiditätsschichten profitieren würden, ohne dazu auf dem Primärmarkt aktiv werden zu müssen, zeige einige der vorteilhaften Eigenschaften von Anleihen-ETFs. Doch könnte ein Mangel an Innovation die zunehmende Nutzung von Fixed Income-ETFs stoppen?

Das ETF-Format habe Innovationen zwar gefördert, Fixed Income selbst gelte aber allgemein nicht als innovative Anlageklasse. Die COVID-19-Pandemie habe jedoch zu einer neuen Anlageklasse im Bereich Fixed Income geführt, den EU-Anleihen. Sie sollten bei der Bekämpfung des Virus helfen und eine wirtschaftliche Erholung in der Eurozone anregen. Durch die erwartete Emission von Anleihen der Europäischen Union werde die EU zum zweitgrößten Emittenten mit AAA-Rating in Europa und transformiere damit den übernationalen Bereich.

Die Investoren hätten mithilfe von ETFs ein Engagement im vollen Spektrum der Fixed Income-Anlageklasse erzielen können, doch nur eine begrenzte Anzahl von Investoren beabsichtige, ihre Fixed Income-Allokationen in den nächsten zwölf Monaten zu erhöhen. Trotz der Verschiebung hin zu Fixed Income-ETFs, die sich in den letzten Jahren vollzogen habe, würden weniger als 15% der Investoren ETFs als Instrument aktiv in Erwägung ziehen, wenn es um eine Allokation im Bereich Fixed Income gehe. Habe die Nutzung von Fixed Income-ETFs also ihren Höhepunkt erreicht und bedürfe es weiterer Innovationen, um mehr Wachstum zu erzielen?

In den letzten Jahren seien in Europa zunehmend Mehröffnungsinstrumente aufgekommen - von kostengünstigen Möglichkeiten für ein Engagement in AT1-CoCo-Anleihen bis hin zu Floating Rate US-Treasuries. Der Anleihenmarkt entwickle sich weiter, es würden sich neue Anlageklassen bilden und das Investorenverhalten verschiebe sich auf Optionen im Bereich Environmental, Social und Governance (ESG). Es sei wahrscheinlich, dass ETFs mit dieser Entwicklung Schritt halten und einen Marktzugang zu diesen neuen Anlageklassen bieten würden. Zugleich würden sie aber durch die Förderung ESG-freundlicher Praktiken unter den Anleiheemittenten auch für Innovationen bei vorhandenen Anlageklassen sorgen. Im Fall der EU-Anleihen würden alle Anleihen, die im Rahmen des SURE4-Programms emittiert würden, unter Sozialanleihen fallen und ein Teil der im Rahmen der Initiative NextGenerationEU emittierten Anleihen könnte unter Sozial- oder Umweltanleihen fallen.

Trotz der Entwicklungen im Bereich Fixed Income verbleibe der Großteil der Fixed Income-Vermögenswerte in nach der Marktkapitalisierung gewichteten Indices, die den Investoren ein reines Beta-Engagement bieten würden. Mehr als die Hälfte (53%) der europäischen Finanzberater würden Anleihen-ETFs zur Reduzierung der Gesamtkosten eines Portfolios nutzen. Der Kostenvorteil von ETFs wird seit Langem diskutiert, dies darf jedoch keine nachteiligen Auswirkungen auf die Performance haben - und genau hier können uns Innovationen weiterbringen, so die Experten von WisdomTree Europe.

An den heutigen Fixed Income-Märkten gestalte es sich für Investoren nach wie vor extrem schwierig, ein angemessenes Gleichgewicht zwischen Risiko und Ertrag aufrechtzuerhalten. In einem normaleren Zinsumfeld hätten die Kern-Anleihenpositionen eines Anlegers zuverlässig Erträge erwirtschaften und dazu beitragen können, die von anderen riskanteren Anlageklassen ausgehende Volatilität zu mindern. Da viele Investoren oftmals marktkapitalisierungsgewichtete Referenzindices nachbilden würden, seien die Renditen ihrer Engagements im Laufe der Jahre üblicherweise gesunken. Ein derartiger Renditerückgang gehe oftmals mit einem Verlust der Fähigkeit einher, angemessene Erträge aus Kern-Anleihenportfolios zu erzielen. Innovative Lösungen, wie Indices mit Renditeoptimierungsmechanismus, könnten die Renditen optimieren, dabei aber das Risiko an einem bekannten Referenzindex orientieren. Hier kämen Smart-Beta-ETFs ins Spiel.

Smart-Beta-ETFs würden rund 3% der Vermögenswerte ausmachen, die in Europa ansässige Fixed Income-ETFs investiert würden. Nachdem sie zunächst die Neugier der Investoren geweckt hätten, hätten Smart-Beta-Produkte ein schwieriges Jahr 2019 durchlebt, da das Kapital in nach der Marktkapitalisierung gewichtete und aktive ETF-Strategien geflossen sei. Dies habe sich etwas im Jahr 2020 geändert, in dem mehr als doppelt so viel Kapital in Smart-Beta-ETFs wie in aktive ETF-Strategien geflossen sei. Diese innovativen Lösungen würden häufig unter den Tisch fallen, könnten aber das Gleichgewicht zwischen Ertrag und Kosteneffizienz liefern, das die Investoren anstreben würden.

Unser Research zeigt, dass 31% der Allokationen in Fixed Income-ETFs durch europäische Berater auf dem Markt für Hochzinsanleihen getätigt werden, doch ein Index mit Renditeoptimierungsmechanismus könnte sich als nützliches Instrument erweisen, um Zugang zum Markt für Hochzinsanleihen zu erhalten, so die Experten von WisdomTree Europe. Einige Smart-Beta-ETFs würden Möglichkeiten bieten, um das Universum der Hochzinsanleihen so zu filtern, dass Unternehmen mit dem niedrigsten Kreditrating ausgeschlossen würden, bei denen die Wahrscheinlichkeit möglicherweise höher sei, dass sie zahlungsunfähig würden. Die Nutzung von Smart-Beta-Fixed-Income-ETFs sei noch sehr niedrig, doch die von den Investoren angestrebten Innovationen könnten sich bereits in greifbarer Nähe befinden - oder bereits existieren. (10.02.2021/fc/a/e)