Entwicklungshilfe für Anlegerdepots


14.07.21 16:47
AnlegerPlus

München (www.fondscheck.de) - Für Anleger ist Afrika zunächst eine schwierige Region, wie Stefan Riedel in der aktuellen Ausgabe der "AnlegerPlus News" berichtet.

Politisch instabil, hohe Korruption, sehr konjunkturabhängige Exportindustrie (Rohstoffe) - die Liste der Risikofaktoren sei lang und könnte noch breiter ausgeführt werden. Doch einzelne afrikanische Länder mit einer stärker diversifizierten Wirtschaft wie Ägypten, Marokko und Kenia hätten inzwischen Fortschritte bei Wirtschafts- und Steuerreformen erzielt. Damit hätten sie mehr direkte Investitionen aus dem Ausland wie auch von lokalen Firmen angelockt. Dank der eingeleiteten Reformen hätten es diese Länder zudem geschafft, den durch die Coronapandemie hervorgerufenen wirtschaftlichen Einbruch abzufedern und an schnelle Hilfe durch IWF und Weltbank zu gelangen, um die Leistungsbilanzen zu stabilisieren.

Trotzdem, erläutere Malek Bou-Diab, Portfoliomanager bei Bellevue Asset Management, werde der während der Pandemie beobachtbare starke Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen verhindern, dass sich Afrika ähnlich zügig wie andere Weltregionen erholen werde: "Für Investoren ist das wirtschaftliche Umfeld unter den verschiedenen Lockdowns und dem Einbruch der Tourismus-Einnahmen deutlich unsicherer geworden. Zugleich verfügen sehr viele afrikanische Länder über weniger finanziellen Spielraum, mit den wirtschaftlichen Verwerfungen der Krise umzugehen, weil sie sich schwerer als andere Schwellenländer tun, an Fremdkapital zu gelangen."

Dazu kämen börsenspezifische Nachteile. Ein Performancetreiber wie der Technologiesektor, der die Erholung der asiatischen Finanzmärkte bereits 2020 eingeleitet habe, sei in Afrika kaum vorhanden. Und afrikanische Unternehmen würden nicht von neuen Geldzuflüssen durch ETFs profitieren, weil mit Ausnahme von Südafrika kein afrikanisches Land in den führenden Schwellenländerindices nennenswert gewichtet sei.

Afrikaspezialist Bou-Diab sehe in diesen Nachteilen aber das Potenzial für zukünftige Anlagechancen in der Region: "Diese Dynamik bei Schwellenländer-ETFs hat die Bewertungsdiskrepanz zwischen den etablierten Schwellenländermärkten und Afrika in die Höhe getrieben. Wieder anziehende Rohstoffpreise könnten im Verbund mit der Rückkehr der lokalen Investoren nach einer Normalisierung eine neue dynamische Phase einleiten." Als Beispiel nenne er Marokko, wo sich mit den ersten Fortschritten bei den Impfungen das Börsensentiment deutlich verbessert habe.

Für die Zukunft Afrikas werde in den nächsten Jahrzehnten entscheidend sein, ob es immer mehr Staaten gelinge, nachhaltiges Wachstum zu generieren. Neben den Rohstoffen, dem mit Abstand wichtigsten Exportsektor, müssten sich andere Bereiche wie Technologie, Infrastruktur und Dienstleistungen entwickeln. "Das Potenzial für Sektoren wie Konsum, Infrastruktur und Finanzen ist gewaltig", meine angesichts der Bevölkerungsentwicklung und -struktur auf dem Kontinent Sebastian Kahlfeld, Fondsmanager bei DWS Investment. Eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung Afrikas vom Coronaschock erwarte er - mit Ausnahme von Ländern, die von den stark gestiegenen Rohstoffpreisen profitieren würden - jedoch nicht vor 2022.

Die Anleger stünden jedenfalls schon in den Startlöchern. Der MSCI Africa Top 50 Index, das für Investoren wichtigste afrikanische Börsenbarometer, habe seit Jahresanfang rund 10% an Wert zugelegt.

Aufgrund der geringen Korrelation mit anderen Assetklassen könnten Anleger mit einem Afrika-Baustein ihr Portfolio weiter diversifizieren, wenn sie die entsprechende Risikobereitschaft und einen langfristigen Anlagehorizont mitbringen würden. Der Xtrackers MSCI Africa Top50 Swap ETF (ISIN LU0592217524 / WKN DBX0HX) sei die erste Wahl unter den passiven Investments und biete den Zugang zu den 50 größten Unternehmen aus Schwellenländern und Frontier Markets, also den Schwellenländern von morgen. Konzerne aus den Branchen Bergbau, Telekommunikation und Finanzen seien am höchsten gewichtet. Der ETF setze gegen Währungsrisiken auch Derivate ein und ist thesaurierend, lege also die anfallenden Erträge automatisch neu an. Die laufenden Kosten für den ETF liegen bei 0,65% im Jahr.

Investmentfonds mit dem Fokus Afrika würden sich teilweise deutlich von ihrem Anlagefokus unterscheiden und bei der Titelauswahl immer stärker Nachhaltigkeitskriterien auf der Basis eigener ESG-Filter berücksichtigen. Mehr noch als in anderen Regionen sei hier erfolgsentscheidend, schrumpfende Renditen aufgrund der großen Währungsschwankungen auszubalancieren. "Im Prinzip agieren wir wie bei Anleihekäufen", erläutere Malek Bou-Diab. "Steigen die Währungsrisiken, reduzieren wir die Länderallokationen." In dem von ihm gemanagten BB African Opportunities sei auf Länderebene Ägypten mit großem Abstand am höchsten gewichtet. Branchenseitig würden der Finanzsektor und Rohstoffkonzerne zusammen fast die Hälfte der Gewichtung stellen.

Der DWS Invest Africa LC halte mehr als die Hälfte seines Fondsvolumens in Firmen aus Ägypten und Südafrika und vermeide ebenfalls Länder, deren Währungen unter großem Abwertungsdruck stünden. Titel aus den Finanzbranchen seien mit einem Anteil von mehr als 35% klar übergewichtet, gefolgt von den Konsumgütern. Fondsmanager Kahlfeld sehe sich außerdem wieder verstärkt im Telekomsektor um - insbesondere in Nigeria, "weil die erwartete Erholung aufgrund der höheren Ölpreise, die zunehmende Digitalisierung einschließlich des Finanzsektors auch einen starken Treiber für die heimischen Telekomkonzerne bildet".

Der in US-Dollar notierende JP Morgan Africa Equity Fund schneide bei Kosten, langfristiger Wertentwicklung und strikten Nachhaltigkeitskriterien sehr gut ab. Zu den größten Einzelpositionen würden der Medienkonzern Naspers und der Telekomgigant Safaricom zählen. Ein weiteres Merkmal sei die relativ hohe Gewichtung von Titeln aus Südafrika - was etwa bei weltweit sinkenden Rohstoffpreisen einige Punkte bei der Performance kosten könne.

Unter den Einzelwerten kombiniere der südafrikanische Medienkonzern Naspers (ISIN ZAE000015889) ein attraktives Risiko-Rendite-Profil mit einer reichlich liquiden Handelbarkeit. Die am chinesischen Onlineportal Tencent und der niederländischen Internetholding Prosus beteiligte Gesellschaft mische global bei etlichen Online-Dienstleistern mit, die in Geschäftsfeldern wie elektronischem Bezahlen, Lebensmittellieferungen und Werbeanzeigen engagiert seien. (Ausgabe 7/2021) (14.07.2021/fc/a/e)





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