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ETFs: Faktorrenditen in Krisenzeiten


11.06.20 09:00
Franklin Templeton

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die Faktoren Wert, Qualität, Dynamik und geringe Volatilität verhielten sich im gegenwärtigen Umfeld konsistent mit vergangenen Abschwüngen und Krisenzeiten, berichten die Experten von Franklin Templeton.

Es liege auf der Hand, dass 2020 bisher eine Zeit extremer Finanzmarktvolatilität gewesen sei. Die Marktbewegungen seien durch die Reaktion auf eine globale Pandemie epischen Ausmaßes ausgelöst worden - mehr als 180 Länder seien zu diesem Zeitpunkt vom COVID-19-Virus betroffen. Die Geschwindigkeit, mit der die Vereinigten Staaten und andere Länder ihre Volkswirtschaften hätten abschalten müssen, sei beispiellos.

Ein Blick auf die Zahlen der Arbeitsplatzverluste zeige die Auswirkungen auf die US-Wirtschaft: Mehr als 30 Millionen Menschen hätten sich in einem Zeitraum von sechs Wochen (Stand 25. April) arbeitslos gemeldet. Dies ist nur ein Teil des Beweises dafür, dass wir uns zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich in einer Rezession befinden, so die Experten von Franklin Templeton.

Die Schätzungen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und die Gewinnprognosen der Unternehmen würden derzeit stark nach unten revidiert, was die erheblichen negativen Auswirkungen des Virus auf die Wirtschaft verdeutliche. Für die nächsten Monate und Quartale sähen die Experten von Franklin Templeton wahrscheinlich einer Periode erhöhter Volatilität entgegen.

Das Marktumfeld werde davon abhängen, wie erfolgreich die Vereinigten Staaten und andere Länder bei der Kontrolle der medizinischen Situation seien, insbesondere im Hinblick auf die Verfügbarkeit von Tests und die Entwicklung eines Impfstoffs sowie die Wiedereröffnung der Wirtschaft. Darüber hinaus würden die wirtschaftlichen Auswirkungen deutlicher werden, wenn in den nächsten Monaten verschiedene Finanzindikatoren wie die BIP-Zahlen gemeldet würden, was die Marktvolatilität möglicherweise noch erhöhen werde.

Faktoren, die wir verfolgen - Wert, Qualität, Momentum und geringe Volatilität - funktionieren gut über einen vollen Marktzyklus hinweg (wie die Forschung in der Industrie und in der Praxis zeigt) und die relative Leistung kann davon abhängen, in welchem Teil des Zyklus wir uns befinden, so die Experten von Franklin Templeton. Interessanterweise sei das Faktorenverhalten im gegenwärtigen Umfeld konsistent mit vergangenen Abschwüngen und Krisenzeiten gewesen.

Der Faktor Qualität habe sich in allen Regionen, wie z.B. weltweit, in den Vereinigten Staaten, in den Industrieländern außerhalb der USA und in den Schwellenländern, konsistent gut entwickelt. Dies gelte auch für eine geringe Volatilität (mit Ausnahme der Schwellenländer). Auch das Momentum habe sich in allen Regionen relativ gut entwickelt. Der Value-Faktor sei der Faktor mit der schlechtesten Performance in der aktuellen Periode gewesen (31. Dezember 2019 - 31. März 2020). Diese Ergebnisse würden mit dem Verhalten des Faktors in früheren Krisenperioden wie der globalen Finanzkrise (GFC) übereinstimmen. Während wir der Kürze halber nur die US-Faktorrenditen zeigen, sind unsere Ergebnisse im Großen und Ganzen auch für die globalen Märkte, die Schwellenmärkte und den EAFE-Markt (Europa, Australasien und Fernost) konsistent, so die Experten von Franklin Templeton.

Faktoren wie die Bewertung würden dazu tendieren, an volatilen Märkten nicht zu funktionieren, da die Bewertung von Unternehmen für Investoren weniger wichtig zu sein scheine, da sie aus fallenden Kursen resultiere.

Hinzu komme, dass die COVID-19-Krise so schnell stattgefunden habe, dass die Aktienmärkte extrem schnell dezimiert worden seien. Die Entwicklung der Faktoren Qualität und geringe Volatilität entspreche dem Konzept der "Flucht in Qualität" und der Suche nach weniger volatilen Aktien als Instrument zum Schutz vor Kursrückgängen. Unsere Beobachtungen in Bezug auf historische Baisse-Märkte sowie die aktuelle COVID-19-Krise werden auch durch weitverbreitete Metriken der Faktorperformance bestätigt, so die Experten von Franklin Templeton. Grundlegende Qualitätsmaßstäbe wie hohe Rentabilität, geringe Einkommensvariabilität und geringe Verschuldung würden eine starke Leistung in Krisenzeiten zeigen.

Es gebe eine beträchtliche Debatte darüber, ob die wirtschaftliche Erholung von der COVID-19-Krise V-förmig oder U-förmig verlaufen oder einem anderen Muster folgen werde. Dieser Abschwung könne als "freiwillige" Rezession bezeichnet werden, in dem Sinne, dass es sich nicht um eine natürliche zyklische Rezession handle, die die Volkswirtschaften im Allgemeinen erleben würden.

Es stelle sich nun die Frage, wie lange dieser Abschwung andauern könne. Aus dem oben genannten Grund sei dies etwas Neuland und es könnte zwischen sechs Monaten und mehr als einem Jahr dauern. Wichtiger sei heute die Frage, wie man sein Portfolio für den folgenden Aufschwung positioniere.

Unsere Untersuchungen zeigen, dass der Faktor Bewertung historisch gesehen der am besten funktionierende eigenständige Faktor ist, wenn wir uns in eine Expansions-/Erholungsphase begeben, so die Experten von Franklin Templeton. Auch Qualität habe während der Erholung nach der Finanzkrise eine Überschussrendite erzielt.

Mehr als jeder einzelne Faktor zeigt jedoch unsere Forschung, dass ein diversifizierter Multifaktor-Ansatz historisch gesehen die besten risikobereinigten Erträge kumulativ durch einen Abschwung und eine Erholung (einen Marktzyklus) erzielt hat, so die Experten von Franklin Templeton.

Dies sei wichtig, weil es schwierig sei, einen Abschwung oder eine Erholung zu timen, was insbesondere für diesen jüngsten Abschwung zutreffen möge, da er sich als anders als alle anderen erwiesen habe. Der Multifaktor-Ansatz weise im Vergleich zu den Einzelfaktor-Ergebnissen den höchsten Gesamtertrag und die höchste Sharpe-Ratio, eine deutlich bessere Information-Ratio, einen niedrigeren Tracking Error und den geringsten maximalen Drawdown auf. (Ausgabe 101 vom Juni 2020) (11.06.2020/fc/a/e)