ETF-Handel: Suche nach Alternativen


03.04.18 15:40
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Der Start in den April ist an der Börse gründlich misslungen, so die Deutsche Börse AG.

Vor Ostern sei es noch nach oben gegangen, so sei der DAX am Gründonnerstag auf 12.096,73 Punkte geklettert. Am heutigen Dienstag sehe es vor dem Hintergrund schwacher US-Börsen aber tiefrot aus, am Mittag notiere der DAX bei nur 11.962 Zählern. Der sich verschärfende Handelsstreit zwischen den USA und China belaste: In Reaktion auf die US-Zölle auf Stahl und Aluminium habe China 128 US-Produkte mit Zöllen zwischen 15 und 25 Prozent belegt. Der Dow Jones habe am Ostermontag fast 2 Prozent verloren.

Dem Negativtrend könne sich der ETF-Markt nicht entziehen. "Die Abgaben von europäischen Aktien setzen sich fort", stelle Andreas Bartels von der Commerzbank fest. Von einem größeren Verkaufsdruck wolle er aber nicht sprechen. "Das ist normales Geschäft." Rick van Leeuwen von IMC Financial Markets sehe europäische Aktien ebenfalls weiter auf den Abgabelisten. "Speziell heute gibt es aber auch wieder einzelne Zukäufe, vielleicht ist das die Wende."

Trotz Osterfeiertage und Ferienzeit seien die Umsätze in der Vorwoche den Händlern zufolge hoch gewesen. Bartels melde 28.000 Transaktionen bei ebenfalls hohen Volumina. Auch Oliver Kilian von der UniCredit Group berichte von einer recht aktiven Handelswoche mit rund 20 Prozent mehr Volumen als in der Woche davor.

Es seien vor allem europäische Aktien, die aus den Portfolios fliegen würden. Bei Aktien aus anderen Regionen - etwa den USA, den Schwellenländern oder Japan - sei hingegen noch zugegriffen worden. Bartels zufolge hätten sich Anleger von EURO STOXX- und DAX-ETFs (ISIN LU0378434079 / WKN ETF050, ISIN DE0005933956 / WKN 593395) getrennt und stattdessen auf US-Werte gesetzt. Laut Kilian seien es eher die europäischen Large Cap-Indices gewesen, die abgegeben worden seien. ETFs, die breitere Indices abbilden würden, seien durchaus gekauft worden, etwa MSCI Europe- und STOXX Europe 600-Indexfonds (ISIN DE0002635307 / WKN 263530, ISIN LU0328475792 / WKN DBX1A7, ISIN FR0011550193 / WKN A1W37K). Gesucht worden seien auch STOXX Europe 50-Tracker (ISIN DE0005933949 / WKN 593394, ISIN FR0010790980 / WKN A0X9QJ), die nicht nur Aktien aus der Eurozone, sondern aus ganz Europa abbilden würden.

Beliebt gewesen seien außerdem Titel kleinerer und mittelgroßer Unternehmen, zum Beispiel über den Xtrackers MSCI Europe Small Cap, den iShares MSCI EMU Small Cap und den iShares Euro Stoxx Mid. Der Trend gelte Kilian zufolge auch für die USA (ISIN IE00B3VWM098 / WKN A0X8SB, ISIN IE00B2QWCY14 / WKN A0Q1YY).

Van Leeuwen zufolge würden Anleger zudem bei japanischen Aktien zugreifen. Bartels habe ebenfalls ein hohes Interesse an japanischen Titeln beobachtet, allerdings in beide Richtungen. Laut Commerzbank seien auch MSCI World-Indexfonds gekauft worden, IMC berichte hingegen von Abflüssen aus dem MSCI World von Xtrackers. Auch hier habe Kilian Interesse an Aktien kleinerer Unternehmen festgestellt, etwa über den SPDR MSCI World Small Cap (ISIN IE00BCBJG560 / WKN A1W56P).

Auffällig sei der starke Fokus auf Schwellenländer: Die Commerzbank sehe MSCI Emerging Markets-Tracker (ISIN IE00B0M63177 / WKN A0HGWC, ISIN IE00B469F816 / WKN A1JJTE) auf den Einkaufslisten ihrer Kunden auf dem ungewöhnlich hohen zweiten Platz - gleich hinter ETFs, die an den US-Markt gekoppelt seien. "Schwellenländeraktien haben sich gegenüber Aktien der Industrieländer zuletzt besser entwickelt", bemerke Bartels.

Laut van Leeuwen würden Anleger vor allem auf den iShares Core MSCI Emerging Markets IMI setzen. Der IMI-Index (Investable Market Index) sei breiter angelegt als der wichtigere MSCI Emerging Markets und bestehe aus knapp 2.700 Large, Mid und Small Caps aus 24 Schwellenländern. Er decke MSCI zufolge 99 Prozent der Emerging Markets-Aktienmärkte ab - gegenüber 85 Prozent beim MSCI Emerging Markets.

Auch Kilian melde Zuflüsse in die großen MSCI Emerging Markets-Tracker (ISIN FR0010429068 / WKN LYX0BX, ISIN LU0480132876 / WKN UB42AA), aber auch in Indexfonds, die sich auf einzelne Märkte konzentrieren würden, etwa den koreanischen, den taiwanesischen oder den mexikanischen (ISIN LU0476289466 / WKN DBX0ES).

Im Handel mit Branchen-ETFs mache sich die Affäre um den Datenmissbrauch bei Facebook weiter bemerkbar. Technologieaktien seien daher überwiegend abgegeben worden, wie Bartels beobachtet habe. Der US-Technologieindex Nasdaq 100 habe seit seinem Allzeithoch Mitte März mittlerweile über 10 Prozent abgegeben, ähnlich sei es bei europäischen Tech-Indices wie dem STOXX Europe 600 Technology oder dem TecDAX.

Abgesehen davon seien die meisten Branchen-ETFs Bartels zufolge derzeit beliebt, allen voran Banken-ETFs, aber auch Indexfonds, die die Energie- und die Gesundheitsbranche abbilden würden. Kilian zufolge hätten sich Anleger allerdings von Konsumgüteraktien getrennt - aus Europa und der ganzen entwickelten Welt (ISIN IE00BM67HN09 / WKN A113FG).

Nicht viel los sei im Handel mit Anleihen-ETFs. Bartels berichte von Zuflüssen in europäische Unternehmensanleihen mit kurzen Laufzeiten, ebenso in den ComStage Commerzbank Bund-Future Short, mit dem auf einen fallenden Bund-Future, also steigende Zinsen, gesetzt werden könne. Kilian zufolge seien europäische Staatsanleihen (ISIN IE00B6YX5F63 / WKN A1JKSV, ISIN IE00B3S5XW04 / WKN A1JJTP) gekauft, US-Treasuries (ISIN IE00B14X4S71 / WKN A0J202) hingegen abgestoßen worden. (03.04.2018/fc/a/e)





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