ETF-Handel: Käufer melden sich zurück


11.07.18 11:46
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Mit anziehenden Kursen an den weltweiten Börsen kehrt auch die Kauflaune am ETF-Markt zurück, so die Deutsche Börse AG.

"Es steht alles im Zeichen der sich erholenden Märkte", stelle Christian Dürr von der Commerzbank fest und berichte von einem klaren Käuferüberhang.

Nach dem kräftigen Kursrücksetzer in der zweiten Juni-Hälfte habe sich der DAX erholt und am Dienstagmittag bei 12.590 Punkten gelegen, vor knapp zwei Wochen seien es noch 12.143 Zähler gewesen. Auch die US-Börsen hätten die jüngsten Tiefs hinter sich gelassen, der Dow Jones habe am letzten Montag bei 24.812 Zählern geschlossen, der NASDAQ 100 nähere sich sogar wieder seinem Allzeithoch.

Die Umsätze seien den Händlern zufolge allerdings zurückgegangen. Bei der UniCredit habe das Handelsaufkommen in der vergangenen Woche rund 20 Prozent unter dem Durchschnitt gelegen, wie Oliver Kilian berichte. "Es herrscht Zurückhaltung." Die Commerzbank melde 33.000 Transaktionen, deutlicher weniger als in der Vorwoche, als es 44.000 gewesen seien.

Das wiedererwachte Kaufinteresse erstrecke sich auf mehr oder weniger alle Regionen. "Bei uns hat sich der Trend in Richtung Europa fortgesetzt", erkläre Rick van Leeuwen von IMC Markets. Zugegriffen werde in EURO STOXX-Trackern, aber auch in ETFs, die einzelne europäische Länder abbilden würden, etwa MSCI France-Indexfonds. Bei der Commerzbank seien EURO STOXX-ETFs die umsatzstärksten Produkte gewesen, mit mehr Käufen als Verkäufen. Nur die UniCredit berichte von einem insgesamt ausgewogenen Verhältnis bei europäischen Aktien-ETFs mit Käufen von EURO STOXX 50- (ISIN LU0136234068 / WKN 794357, ISIN IE00B53L3W79 / WKN A0YEDJ) und DAX- (ISIN LU0378438732 / WKN ETF001, ISIN LU0838782315 / WKN DBX0NH) sowie und Käufen und Verkäufen von MSCI Europe-ETFs.

Der Rücktritt der prominentesten Brexit-Befürworter aus dem britischen Kabinett, David Davis und Boris Johnson, hinterlasse im ETF-Handel kaum Spuren. "Es gibt ein paar Käufe von FTSE-ETFs, aber nicht im großen Stil", stelle van Leeuwen fest. "Wir sehen keine Reaktion", erkläre Dürr. Bei der UniCredit sei das ähnlich. "Es ist letztlich auch schwer abzuschätzen, wie sich das auswirken wird", kommentiere Kilian. Der FTSE 100 habe in Reaktion auf die Minister-Rücktritte am 9. Juli etwas zugelegt und sei am Dienstag auf der Stelle getreten.

Was die USA angehe, blicke alles auf den NASDAQ 100. Der Technologieindex sei in den vergangenen Tagen wieder kräftig gestiegen, die Verluste aus der zweiten Juni-Hälfte seien wettgemacht. Am letzten Montag habe der NASDAQ 100 bei 7.276 Punkten geschlossen und damit nur knapp unter dem Allzeithoch vom Juni bei 7.310 Zählern.

Viele ETF-Anleger möchten dennoch einsteigen, andere nähmen Gewinne mit: So hätten Kunden der Commerzbank NASDAQ-Tracker gekauft, IMC melde sogar sehr große Zuflüsse in NASDAQ-Indexfonds, von allem von iShares, aber auch von anderen Emittenten. Bei der UniCredit hätten hingegen ganz klar die Abgaben dominiert, etwa beim INVESCO EQQQ NASDAQ 100 (ISIN IE0032077012 / WKN 801498).

Abgesehen davon melde die Commerzbank Käufe bei S&P 500- und MSCI USA-ETFs, die UniCredit Zu- und Abflüsse. So sei Kilian zufolge zum Beispiel im iShares Core S&P 500 eher zugegriffen worden, während der Amundi S&P 500 (ISIN LU1681048804 / WKN A2H573) aus den Portfolios geflogen sei und in der iShares-Variante mit Währungs-Hedge beide Seiten gespielt worden seien.

Wenig los sei derzeit im Bereich der Schwellenländer-ETFs. Bei IMC und UniCredit stünden MSCI Emerging Markets Asia-ETFs (ISIN LU1681044480 / WKN A2H58R, ISIN LU1781541849 / WKN LYX0YF) eher auf den Abgabelisten, während UniCredit-Kunden bei den breit aufgestellten Emerging Markets-Indexfonds zugegriffen hätten. Neben den bekannten, wie dem iShares Core MSCI Emerging Markets (ISIN IE00BKM4GZ66 / WKN A111X9), seien Kilian zufolge auch weniger bekannte wie der Vanguard FTSE Emerging Markets (ISIN IE00B3VVMM84 / WKN A1JX51) darunter gewesen.

Viel beachtet worden seien im Geschäft mit Branchen-ETFs Produkte, die die Autoindustrie abbilden würden. "Das hängt wohl mit den Nachrichten zu den Zöllen für die Autoindustrie zusammen", meine Dürr. Der US-Botschafter in Berlin habe offenbar angeregt, dass die Vereinigten Staaten und die EU doch ganz auf Autozölle verzichten könnten. Anleger hätten in STOXX Europe 600 Automobile & Parts-ETFs daher wieder zugegriffen. Das gelte auch für Versorger-ETFs. Weiter eher unbeliebt seien Banken-Tracker, wie Dürr feststelle. Einen allenfalls leichten Käuferüberhang sehe er für Technologie- und Immobilien-ETFs.

Kilian berichte unterdessen von Abflüssen aus der europäischen Grundstoff- (ISIN FR0010345389 / WKN LYX0AX), Konsum- (ISIN IE00BKWQ0C77 / WKN A1191M), Industriegüter- und Dienstleistungs- (WKN A1191T) und der Öl- und Gasbranche. Deutsche Technologieaktien seien dem Händler zufolge mit dem iShares TecDAX verkauft worden, europäische mit dem iShares STOXX Europe 600 Technology hingegen eher gekauft. "Insgesamt gab es viel Aktivität bei den Branchen-ETFs", ergänze Kilian.

Im Handel mit Anleihen-ETFs fehle der klare Trend: Laut Commerzbank hätten Anleger auf langlaufende deutsche Staats- und kurzlaufende europäische Staatsanleihen gesetzt, während sich bei US-Treasuries Zu- und Abflüsse die Waage gehalten hätten und britische Staatsanleihen abgestoßen worden seien. Kunden der UniCredit hätten sich von globalen Staatsanleihen (ISIN IE00B3F81K65 / WKN A0RGEM) getrennt und stattdessen auf ETFs gesetzt, die Unternehmens- und Staatsanleihen abbilden würden ("aggregate"), wie den iShares Global Aggregate Bond EUR Hedged oder den Xtrackers II Global Aggregate Bond Swap EUR Hedged (ISIN LU0942970798 / WKN DBX0NZ). (Ausgabe vom 10.07.2018) (11.07.2018/fc/a/e)





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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
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LU0136234068 794357 36,64 € 32,71 €
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