ETF-Handel: Gewinnmitnahmen und Neupositionierungen


03.06.20 15:10
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Über die unklaren langfristigen Corona-Folgen scheinen sich Marktteilnehmer gegenwärtig kaum den Kopf zu zerbrechen, so die Deutsche Börse AG.

Nach einem Wochenplus von 4,3 Prozent mit 11.586 Punkten schaffe der Leitindex mittlerweile die 12.000-Punkte-Marke. Carsten Schröder von der Société Générale beschreibe die Stimmung als vorsichtig optimistisch. "So recht nachvollziehen können Investoren die Rally vermutlich nicht."

Nach Ansicht von Pascal Blanqué und Vincent Mortier von Amundi sollten sich Anleger davor hüten, die derzeitige Gelassenheit als Indiz dafür zu sehen, dass das Schlimmste bereits überstanden sei. Die enormen fiskalischen und monetären Maßnahmen böten lediglich Schutz für die kommenden sechs Monate. Sollte die Rezession schlimmer ausfallen als gedacht und die Rufe nach noch mehr Geld nicht erhört werden, könne die Enttäuschung darüber durchaus weitere Korrekturen auslösen.

Im Handel mit Indexfonds fehle es Schröder an eindeutigen Trends. Anleger hätten sich seit Ende vergangener Woche verstärkt in Russel 2000-ETFs und ESG MSCI USA Leaders von iShares positioniert. Überwiegend in den Depots seien zudem Tracker des MSCI Europe gelandet.

Gleichzeitig hätten sich Investoren unterm Strich von US-Aktien im S&P 500, britischen Nebenwerten im FTSE 250 und Schwellenländer-Aktien im MSCI EM getrennt.

Im Rentenbereich verbuche die Société Générale zumeist Abflüsse aus Bonds europäischer Staaten im Barclays Capital 1-3 Year Euro Treasury Bond und italienischen Staatsanleihen im Barclays Italy Treasury Bond Index.

Vor dem Hintergrund deutlich höherer ETF-Umsätze spreche Oliver Kilian von einem insgesamt leichten Verkaufsüberhang von Aktien-ETFs und einem sehr ruhigen und unauffälligen Handel mit Fixed Income-Werten. Kaum überraschend würden für den UniCredit-Händler die Abflüsse aus DAX-Produkten (ISIN DE0005933931 / WKN 593393; ISIN LU0378438732 / WKN ETF001) kommen. "Viele unserer Kunden positionierten sich vielleicht im März und April bei DAX-Ständen um 9.000 Punkte und nehmen nun ihre Gewinne mit." Unterm Strich gekauft worden seien indes französische Standardwerte im CAC 40. Ebenso hätten Tracker breit aufgestellter Aktienportfolios wie MSCI Europe (ISIN IE00B1YZSC51 / WKN A0MZWQ; ISIN IE00B4K48X80 / WKN A0RPWG) und STOXX Europe 50 mit zumeist Zuflüssen gepunktet.

Nachdem in den vergangenen Wochen Technologieaktien bei den UniCredit-Kunden im Vordergrund gestanden hätten, erkenne Kilian derzeit eine Vorliebe für Industriegüter und Dienstleistungen (ISIN DE000A0H08J9 / WKN A0H08J) europäischer Produzenten, Banken im Euro Stoxx Banks und US-Finanzhäuser im S&P 500 Financial Services Index (ISIN IE00B4JNQZ49 / WKN A142NY) "Fast ausschließlich Abflüsse sehen wir aus Nasdaq-ETFs (ISIN IE0032077012 / WKN 801498; ISIN IE00B53SZB19 / WKN A0YEDL)."

Themenfonds definiere Morningstar als wichtiges Wachstumssegment der Branche. Die investierten knapp 200 Milliarden US-Dollar in aktiv und passiv verwalteten Fonds zum Ende vergangenen Jahres würden dem Analysehaus zufolge zwar lediglich rund einem Prozent der weltweiten Fonds-Gelder entsprechen. Im Vergleich zu 0,1 Prozent vor zehn Jahren habe sich die Quote dennoch verzehnfacht. Europa stehe bei Themenfonds mit einem Marktanteil von 54 Prozent ganz vorn gefolgt von den Vereinigten Staaten.

Wer in einen Themenfonds investiere, gehe nach Meinung von Morningstar eine Wette gegen den Markt ein. Er spekuliere darauf, dass ein oftmals sehr spezielles Thema den Durchbruch erzielen werde und künftig eine deutlich größere Bedeutung am Markt erlange. Häufig hätten hinter spezialisierten Themen kleinere Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung gesteckt, weshalb eine Investition höhere Risiken mit sich bringe.

Ob sich dieser Vorsprung für europäische Investoren bezahlt mache, könne Morningstar angesichts der geringen Historie vieler Fonds nicht abschließend beurteilen. Insgesamt sei die Performance von Themenfonds nicht berauschend. Zudem belaste die hohe Liquidationsquote die Bilanz dieser Produkte. Von rund 1.400 Themenfonds seien demnach inzwischen mehr als 420 aufgelöst worden. (Ausgabe vom 02.06.2020) (03.06.2020/fc/a/e)





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