Wöchentlicher Markt- und Flowbericht: Status von Gold als sicherer Hafen rückt wieder in den Fokus


05.06.18 15:06
ETF Securities

London (www.fondscheck.de) - Gold-ETPs verzeichneten mit 122,7 Mio. USD die stärksten Zuflüsse, so die Experten von ETF Securities by WisdomTree.

Dies entspreche einem 33-Wochen-Hoch. Die Turbulenzen in der italienischen Politik in der vergangenen Woche hätten zusammen mit den höheren US-Handelszöllen zu einer Umkehr der Abflüsse bei Gold-ETPs in den vorangegangenen zwei Wochen beigetragen. Aufgrund der Sorgen über Neuwahlen in Italien infolge der Ablehnung des Kandidaten für das Amt des Wirtschafts- und Finanzministers durch Präsident Sergio Mattarella habe sich der Renditespread zwischen 10-jährigen italienischen und deutschen Staatsanleihen auf über 250 Basispunkte (BP) und damit auf den höchsten Stand seit Oktober 2013 geweitet.

Der Goldpreis habe diese Volatilität des Renditespreads zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen, der zeitweise bei über 300 BP gelegen habe, nachgebildet. Die Fünf-Sterne-Bewegung und die Lega Nord in Italien hätten Ende der Woche allerdings in allerletzter Minute eine Regierung stellen können, die vom Präsidenten angenommen worden sei. Zwar sei es infolge der Bildung der neuen Regierung kurzzeitig zu einer Erholung gekommen. Dennoch hätten die Sorgen am Markt weiter Bestand, da die neue populistische Regierung in Italien auf Konfrontationskurs mit der EU gehen dürfte. Gleichzeitig rücke auch die Unsicherheit im Zusammenhang mit den Handelsspannungen wieder in den Vordergrund und überschatte die positiven Wirtschaftsdaten in den USA.

Laut den am Freitag veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen seien außerhalb der Landwirtschaft 223.000 Arbeitsplätze geschaffen worden und habe sich das Lohnwachstum auf 2,8 Prozent und damit den höchsten Stand seit 2009 beschleunigt, was auf zunehmende Inflationsrisiken hindeute. Dies ebne den Weg für weitere Zinserhöhungen seitens der Federal Reserve, was den Goldpreis unter Kontrolle halten dürfte, da die nächste Sitzung der Notenbank in zwei Wochen stattfinde. Gleichwohl scheine der Goldpreis stärker von der Eskalation der Handelskriege, bei denen Gleiches mit Gleichem vergolten werde, zu profitieren. Auslöser seien die am Freitag in der vergangenen Woche auferlegten US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte gewesen. Silber-ETPs (ISIN DE000A0N62F2 / WKN A0N62F) hätten aufgrund von Gewinnmitnahmen Abflüsse in Höhe von 7,4 Mio. USD verzeichnet, welche die Zuflüsse der letzten Woche umgekehrt hätten.

Die Zuflüsse in diversifizierte Rohstoffkorb-ETPs hätten sich mit 46 Mio. USD auf ein 13-Wochen-Hoch beschleunigt. Breit aufgestellte Rohstoffkorb-ETPs (ISIN DE000A0KRKC6 / WKN A0KRKC) mit längerfristigem Horizont gewinnen an Attraktivität, da die Anleger in die Anlageklasse umzuschichten scheinen, so die Experten von ETF Securities by WisdomTree.

Die Mittelflüsse bei ETPs aus dem Energiesektor (ISIN DE000A0KRKD4 / WKN A0KRKD) würden uneinheitlich ausfallen. Bei Energiekorb-ETPs (WKN A0KRKD) sei es mit 23,1 Mio. USD zu den höchsten Zuflüssen seit Dezember 2015 gekommen. Dagegen hätten Rohöl-ETPs mit 10,1 Mio. USD die achte Woche in Folge Abflüsse verzeichnet.

Bei Kupfer-ETPs (ISIN DE000A0KRJU0 / WKN A0KRJU) sei es infolge von Gewinnmitnahmen seitens der Anleger zu Rücknahmen im Wert von 12,2 Mio. USD gekommen, wodurch die Zuflüsse aus den vorangegangenen zwei Wochen ausgeglichen worden seien. Sorgen über Angebotsstörungen hätten in der letzten Woche einen Anstieg der Kupferpreise um 1 Prozent zur Folge gehabt. Derzeit würden bei der Escondida-Kupfermine in Chile Tarifverhandlungen geführt, wobei der Ausgang alles andere als sicher sei, da die Gewerkschaft höhere Forderungen stellen dürfte als im vergangenen Jahr. Bei dieser Mine sei es im letzten Jahr zum längsten Streik in der Geschichte der chilenischen Bergbaubranche gekommen, der erhebliche Produktionsausfälle zur Folge gehabt habe.

Darüber hinaus habe die Regierung des indischen Bundesstaates Tamil Nadu aufgrund ökologischer Bedenken die Schließung der Kupferhütte von Sterlite (Tochterunternehmen von Vedanta) mit einer Kapazität von 400.000 Tonnen angeordnet. Zwar sei es noch nicht klar, ob eine dauerhafte Schließung angestrebt werde. Dennoch seien durch den Wegfall der Sterlite-Kupferhütte 1,7 Prozent des globalen Kupferangebots gefährdet. Die positiven Wirtschaftsdaten aus den USA (ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe) und China (Einkaufsmanagerindex) hätten dazu beigetragen, die Sorgen im Zuge der Handelsspannungen zu mindern. (05.06.2018/fc/a/e)





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