Rohstoffe: Öl-ETC-Käufe nach Preiseinbruch


16.11.18 10:17
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Dass der Ölpreis stark schwanken kann, ist bekannt, die Bewegung der vergangenen Wochen hat jedoch viele überrascht, so die Deutsche Börse AG.

Nach dem rasanten Ölpreisanstieg auf in der Spitze 86,74 US-Dollar je Barrel Brent Anfang Oktober sei es ebenso schnell wieder nach unten gegangen: Aktuell liege der Preis wieder nur bei 65,81 US-Dollar - ein Minus von 24 Prozent innerhalb weniger Wochen.

Ein wichtiger Grund für den deutlichen Anstieg seien die neuen US-Sanktionen gegen den Iran gewesen. Dann habe Donald Trump aber entschieden, die wichtigsten Abnehmerländer für iranische Ölexporte für ein halbes Jahr von den Sanktionen auszunehmen. "Die unerwarteten Zugeständnisse der USA sowie die stark steigende US-Ölproduktion erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines Überangebots am Ölmarkt im laufenden Quartal", meine daher Aneeka Gupta von WisdomTree.

Dora Borbély von der DekaBank sehe das ähnlich: "Die iranischen Ölexporte dürften vom aktuellen Niveau aus kaum noch fallen." Zudem hätten zuletzt die USA, Russland und die OPEC (ohne Iran) ihre Ölförderung stark ausgeweitet. Der globale Ölmarkt befinde sich daher im vierten Quartal nicht im Angebotsdefizit. Die Bank rechne nun wieder mit einem Ölpreis von nur 69 US-Dollar in sechs Monaten.

ETC-Anleger würden aber kaufen: "Die Zuflüsse in WTI-, Brent- und Energie-ETCs haben in der vergangenen Woche stark zugelegt", berichte Nitesh Shah von Wisdom Tree. "Das passt zu dem auch historisch antizyklischen Trend zwischen ETC-Flows und Ölpreis." Der ETFS Brent Crude komme seit Jahresanfang trotz jüngster Verluste immer noch auf ein Plus von 12 Prozent.

Für den Goldpreis sei es zwischenzeitlich nach oben gegangen, die wachsende Risikoaversion habe sich bemerkbar gemacht. "Der Status von Gold als sicherem Hafen ist wieder in den Vordergrund gerückt", berichte Shah mit Blick auf die Flows in Gold-ETCs und melde deutliche Zuflüsse. "Der Goldpreis profitiert von den Unsicherheiten über die Haushaltsstreitigkeiten zwischen Italien und der EU und der anhaltend hohen Volatilität an den Aktienmärkten."

Auch die Nachfrage nach Xetra-Gold sei deutlich gestiegen, der Bestand habe die Marke von 180 Tonnen überschritten, aktuell seien es 180,9 Tonnen. Nach dem kurzen Anstieg bis 1.247 US-Dollar je Feinunze Anfang November sei es für den Goldpreis allerdings zuletzt wieder nach unten gegangen, aktuell werde Gold zu 1.210 US-Dollar gehandelt - deutlich unter dem Niveau Ende 2017, als es noch 1.303 US-Dollar gewesen seien.

"Der anhaltende Zinsanstieg in den USA trübt nach wie vor den Ausblick auf den Goldpreis", meine Borbély. Seit sechs Quartalen bereits übersteige das weltweite Angebot am physischen Goldmarkt die Nachfrage. Die Bank prognostiziere einen Preis von 1.202 US-Dollar in sechs Monaten und 1.192 in zwölf Monaten.

Unterdessen notiere Palladium nur knapp unter seinem im Oktober erreichten Allzeithoch von 1.143 US-Dollar. "Maßgeblicher Preistreiber ist die starke Nachfrage aus der Automobilbranche, die inzwischen mehr als 80 Prozent der Gesamtnachfrage ausmacht", stelle Barbara Lambrecht von der Commerzbank fest. Der Palladiummarkt werde wohl 2018 deshalb das siebte Jahr in Folge ein Angebotsdefizit ausweisen. Der ETFS Physical Palladium komme seit Jahresanfang auf ein Plus von 12,5 Prozent, in den vergangenen drei Jahren seien es sogar im Schnitt fast 25 Prozent im Jahr gewesen. Sehr viel schlechter gefahren seien Anleger hingegen mit dem ETFS Physical Platinum, der auf Dreijahressicht um 3,4 Prozent p.a. und seit Anfang 2018 um 5,5 Prozent verloren habe.

Für die Industriemetalle seien die vergangenen Wochen wieder von Preisrückgängen geprägt gewesen, ausschlaggebend seien Sorgen um eine nachlassende Wachstumsdynamik weltweit. Seit Anfang des Jahres habe der ETFS Industrial Metals mittlerweile Einbußen von fast 10 Prozent hinnehmen müssen. Der ETFS Copper (ISIN GB00B15KXQ89 / WKN A0KRKR) liege seit Jahresanfang sogar 14 Prozent im Minus. Nur Langfristanleger stünden mit einem Plus von 5,9 bzw. knapp 3 Prozent p.a. auf Dreijahressicht noch gut da.

"Die Stimmung bezüglich der Industriemetalle hat sich nach der Veröffentlichung positiver Wirtschaftsdaten des chinesischen National Bureau of Statistics aber verbessert", erkläre Nitesh Shah. Die Zahlen zeigten ein Anziehen der chinesischen Industrieproduktion. Wisdom Tree melde für die vergangene Woche hohe Zuflüsse in Kupfer-ETCs. (Ausgabe vom 15.11.2018) (16.11.2018/fc/a/e)





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